ETF für Anfänger: Fünf wichtige Fragen für Privatanleger zum Einstieg in Indexfonds
Auch auf den deutschen Leitindex Dax gibt es viele ETFs.
Foto: REUTERSDas Wichtigste zu ETFs
- ETF steht abgekürzt für „Exchange Traded Fund“.
- Darunter fallen Indexfonds, die an der Börse gehandelt werden.
- ETFs bilden einen Index nach, weswegen ihr Kurs nahezu parallel zum jeweiligen Index verläuft.
Was ist ein ETF?
Ein Exchange Traded Fund – kurz ETF – bildet einen Börsenindex nach. Das können Indizes für Rohstoffe, Anleihen oder Aktien sein. Ziel ist es, exakt die Rendite zu erzielen, die die Finanzprodukte im Index erwirtschaften.
Über ETFs erwerben Anleger Fondsanteile, also Anteile am gesamten Wertpapierkorb oder eben am Index. Bildet ein ETF zum Beispiel den Dax nach, werden alle 40 Aktien der Unternehmen im deutschen Leitindex gekauft. Gehandelt werden ETFs dabei ausschließlich an der Börse. Die Preise entstehen durch Angebot und Nachfrage.
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Ein fiktives Beispiel: Es gibt 10.000 ETFs, die den Dax 40 nachbilden. Zusammengenommen sind die Aktien der 40 gelisteten Unternehmen zum betrachteten Zeitpunkt eine Million Euro wert. Daraus ergibt sich ein aktueller Nettoinventarwert (Englisch: Net Asset Value, NAV) von 1000 Euro (1.000.000 / 10.000). Zu dem Zeitpunkt sollte der Fondsanteil an der Börse also zu 1000 Euro gehandelt werden. Dabei wird der NAV von ETFs während der Handelszeiten an Börsen mitunter mehrmals pro Minute ermittelt.
Den ETF-Handel wickelt der Market Maker ab. In der Regel sind das Finanzinstitute, die als Käufer und Verkäufer an der Börse auftreten und versuchen, eine minimale Abweichung zwischen Börsenpreis und NAV zu realisieren. So bietet der Market Maker dem Anleger für sein ETF, der eigentlich 50 Euro wert ist, vielleicht nur 49,98 Euro. Die zwei Cent sind sein Verdienst.
Physisch oder synthetisch nachbildende ETFs
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, auch Replikationsmethoden genannt, um einen Index nachzubilden: die physische und synthetische. Bei der physischen Replikation kauft der ETF alle – manchmal auch nur einen Teil – der im Index enthaltenen Wertpapiere. Das nennt sich Voll- oder Teilreplikation. Automatisiert passt sich dabei die Fondszusammensetzung an, sollte sich der Index verändern. Kommt beispielsweise ein neues Unternehmen in den Dax und verdrängt damit ein anderes, ersetzt der Fonds entsprechend die Aktien des ehemaligen Dax-Konzerns.
Wie die meisten Fonds zählen ETFs zum geschützten Sondervermögen. Das bedeutet: Im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft oder Bank lässt sich der ETF an eine andere Fondsgesellschaft übertragen. Damit ist das Investment gesichert. Das insolvente Institut hat keinen Zugriff auf die Vermögenswerte.
Bei der synthetischen Replikation läuft es anders ab. Hier wird der Index über Derivate nachgebildet, anstatt die Wertpapiere zu kaufen. Vereinfacht handelt es sich dabei um ein Tauschgeschäft, auch Swap genannt, das Kostenvorteile für den Fonds verspricht.
Der Anbieter eines synthetisch replizierenden ETFs vergibt die im Index verfügbaren Wertpapiere an einen Partner – zumeist eine Bank. Letztere verpflichtet sich im Gegenzug, für die Wertentwicklung des Indexes inklusive aller Dividendenzahlungen aufzukommen. Dabei tragen die Anleger das Insolvenzrisiko der Bank (Kontrahentenrisiko). Im Fall einer Pleite verliert der Swap seinen Wert.
Auch wenn bei einem solchen Tauschgeschäft für gewöhnlich Sicherheiten hinterlegt sind, müssen diese die Verluste nicht zwangsläufig kompensieren. Zwar schreibt die EU vor, dass der Rendite-Unterschied zwischen Trägerportfolio und Tauschportfolio maximal zehn Prozent betragen darf. Allerdings kam es in der Vergangenheit dazu, dass sich die hinterlegten Sicherheiten als illiquide herausgestellt haben. Daher haben viele Anleger in den vergangenen Jahren vermehrt zur physischen Replikationsmethode gegriffen. Vor allem bei exotischen Rohstoff-Indizes sind allerdings noch mehrheitlich synthetisch replizierende ETFs im Umlauf.
ETFs versus Indexfonds: Gibt es Unterschiede?
Zweifellos sind beide Begriffe eng miteinander verwandt. Die Unterschiede liegen im Detail. Exchange Traded Fund bedeutet übersetzt, dass der Fonds an der Börse gehandelt wird. Ob das Ganze aktiv oder passiv geschieht, ist grundsätzlich nicht definiert. Während aktive Fonds von einem Fondsmanager verwaltet, angepasst und optimiert werden, bleibt die Titelauswahl in passiv gemanagte Fonds grundsätzlich gleich. Nur wenn der Index sich verändert oder neu zusammensetzt, variiert auch der Fonds.
Zwar wird der Großteil der verfügbaren ETFs passiv gehandelt, allerdings gibt es vereinzelt auch aktiv verwaltete ETFs. In dem Fall trifft ein Fondsmanager die Anlageentscheidungen.
Indexfonds hingegen bilden ausnahmslos einen Index nach, zum Beispiel den amerikanischen Leitindex S&P 500. Damit sind sie immer passiv. Erst wenn der Indexfonds an der Börse gelistet ist, handelt es sich um ein ETF.
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Welche Vorteile haben ETFs gegenüber anderen Anlageformen?
- Kosten
- Transparenz
- Barrierefreiheit
ETFs sind in erster Linie günstiger als herkömmliche, aktiv verwaltete Aktienfonds. Denn die aktive Verwaltung durch ein Fondsmanagement kostet Gebühren, die die Rendite schmälern. Neben dem Ausgabeaufschlag für den Kauf fällt häufig auch eine Verwaltungsgebühr und die Gewinnbeteiligung an. Das kann schnell zu einer Total Expense Ratio (TER) von etwa 1,9 Prozent führen. Oft können Anleger auch nur ab 10.000 Euro und mehr in aktiv verwaltete Fonds investieren.
Deshalb nutzen vor allem Anleger mit weniger Geld ETFs als Sparplan, zahlen also monatlich einen Betrag in die ETFs ein. So können sie vor allem auf längere Sicht profitieren. Die TER bei ETFs liegt im Durchschnitt unter 0,5 Prozent. Die großen ETFs für Indizes wie den Dax oder Euro Stoxx 50 kommen teilweise sogar auf eine Jahresgebühr von unter 0,1 Prozent. Dazu entfällt bei ETFs eine Gewinnbeteiligung seitens des Anbieters.
Abgesehen von den Kosten betonen Befürworter von ETFs häufig die Transparenz des Produktes. So gelten die Indexfonds – im Vergleich zu Aktienfonds – als kalkulierbarer. Während bei aktiven Fonds primär die Performance des Fondsmanagers die Höhe der Erträge beeinflusst, orientieren sich ETFs ausschließlich am Markt. Er gibt die Messlatte vor. Kleinanleger und Institution werden dabei von der Fondsgesellschaft gleichbehandelt. Beide müssen ihre Anteile zu den identischen Gebühren am Markt erwerben.
Dabei ist der Zugang zu den börsengehandelten ETFs so gut wie barrierefrei. Anleger können per Direktbank oder Onlinebroker binnen kurzer Zeit am Börsengeschehen teilnehmen. Die Orders können zum aktuellen Indexwert sofort ausgeführt werden, in vielen Fällen entfallen sogar Depotgebühren. Einige Anbieter verzichten mittlerweile auch auf die Transaktionsgebühren für Orders.
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ETF-Anbieter: Wo können Anleger Fonds kaufen?
Der Markt der Indexfondsanbieter ist ein Oligopol. Weltweit herrschen die Big Three: Blackrock, Vanguard und State Street. Sie verwalten die prominentesten Indexfonds und teilen etwa drei Viertel des Marktes unter sich auf.
Strukturen, die bereits für hitzige Debatten sorgten. So werfen Branchenexperten den Vermögensverwaltern vor, den Wettbewerb in genau den Branchen zu behindern, in denen sie als Aktionäre investiert sind. Den Kritikern zufolge seien die Big Three eher daran interessiert, dass es einer gesamten Branche gut gehe – anstatt dass einzelne Unternehmen sich im Sinne einer freien Marktwirtschaft durchsetzen.
Tatsache ist: In Deutschland können Anleger aus mehr als 2000 ETFs auswählen. Allein im Jahr 2023 wurden 123 ETFs neu auf Xetra gelistet, Deutschlands bedeutendstem Börsenhandelsplatz. Gemessen am Fondsvolumen gehören laut der Plattform justetf „iShares Core S&P 500“, „iShares Core MSCI World“ und „Vanguard S&P 500“ zu den größten ETFs. Einen schnellen Zugang zum Kapitalmarkt erhalten Privatanleger entweder per Direktbank oder über Onlinebroker wie Traderepublic oder Scalable Capital.
Allgemeinhin lautet die Empfehlung für Privatanleger, in ETFs mit hohem Fondsvolumen sowie in bewährte Indizes zu investieren, um das Risiko einer Liquidation zu minimieren. Bei einer Liquidation wird ein Fonds geschlossen, da er sich aus Sicht des Anbieters nicht oder nur bedingt rentiert.
Dazu müssen sich Anleger die Frage stellen, ob sie einen ausschüttenden oder einen thesaurierenden ETF bevorzugen. Während ein ausschüttender Fonds die Erträge aus Dividenden oder Zinsen an den Besitzer auszahlt, reinvestiert ein thesaurierender Fonds die Gewinne und erhöht damit unmittelbar das Fondsvolumen. Letzterer profitiert dabei vom Zinseszinseffekt.
Nachteile von ETFs: Ist das Risiko für Privatanleger tatsächlich gering?
Das ETF-Geschäft wirkt lukrativ. Ein Ende des Wachstums scheint vor allem in Europa nicht in Sicht. Ein schnelles Wachstum und hohe Erfolgsquoten bergen allerdings auch Risiken – oder schüren zumindest Zweifel. Häufig steht dabei die mangelnde Liquidität von ETFs, die in hochspezialisierte Märkte investieren, im Zentrum der Kritik. Hypothetisch würden bei Austrocknung eines Nischenmarktes Anleger auf ihrem Geld sitzen bleiben, da sich für die ETFs voraussichtlich keine Abnehmer mehr finden ließen.
Für Stefanie Hehn, Professorin für BWL und Kapitalmarkttheorie an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen, gilt eher die Wertpapierleihe bei ETFs als risikobehaftet. Fonds verleihen regelmäßig einen Teil der enthaltenen Wertpapiere an Dritte. Letztere verkaufen die Papiere in der Hoffnung, sie zu einem zuvor vereinbarten Termin am Markt günstiger zurückkaufen zu können. Das nennt sich Short Selling, mit dem ETF-Anbieter Erlöse erzielen.
Wird der Ausleihende zahlungsunfähig, sind zwar – ähnlich wie bei den Swaps – Sicherheiten hinterlegt. Diese müssen Hehn zufolge aber bei turbulenten Marktphasen und semiseriösen ETF-Anbietern nicht zwangsläufig liquidierbar sein.
Am Ende bleibt dann noch das Risiko zahlreicher Anlageformen: der Markt. Da ETFs ausnahmslos der Indexentwicklung folgen, steht und fällt der Anlageerfolg mit der entsprechenden Wirtschaftsleistung. Soll heißen: Wer an ein langfristiges Wachstum der Wirtschaft glaubt, ist mit ETFs prinzipiell gut beraten.
Erstveröffentlichung: 8. Juli 2021, 20:49 Uhr