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  5. AB Inbev-Aktie, Heineken-Aktie, Carlsberg-Aktie: Sind Bier-Aktien einen Blick wert?

GeldanlageHochprozentiges für das Depot – Welche Brauereiaktien Chancen bieten

Die Aktien der großen Brauereien haben in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. Bei welchen Papieren sich der Einstieg für Anleger lohnt.Carsten Herz 23.09.2020 - 04:15 Uhr Artikel anhören

Nach Ansicht einiger Experten bietet die Brauerei-Branche Chancen für risikobereite Anleger.

Foto: dpa

Frankfurt. Eigentlich scheint die Welt für die Brauereien in bester Ordnung. Mehr als ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland konsumiert in der Coronakrise mehr Alkohol, wie Umfragen zeigen. Homeoffice, Kontaktbeschränkungen und die eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten außer Haus führen offensichtlich dazu, dass viele Deutsche häufiger als sonst auf dem heimischen Sofa zum Feierabendbier greifen.

Die Nachfrage nach dem Gerstensaft ist in den letzten Monaten in den Getränke- und Supermärkten deutlich gestiegen. Dennoch haben Investoren an den Aktien der großen börsennotierten Brauereien zuletzt wenig Freude gehabt. Von ihren früheren Höchstkursen sind die meisten Papiere deutlich entfernt – und das hat einen nachvollziehbaren Grund.

Denn wenngleich der häusliche Konsum auch zugenommen hat, die Verluste der Unternehmen durch das fehlende Geschäft mit den Wirten und der Gastronomie macht dies bei Weitem nicht wett. Viele Großveranstaltungen wurden abgesagt, Firmen streichen ihre Feiern und Konferenzen, und in den Klubs und Discos steht meist der Zapfhahn noch immer still.

So leidet die Branche massiv. Im ersten Halbjahr habe es einen Rückgang von 16 Prozent beim Bierabsatz gegeben und zugleich ein Umsatzminus von durchschnittlich 19 Prozent, klagte vor wenigen Tagen der Deutsche Brauer-Bund (DBB). „Für die deutsche Brauwirtschaft ist 2020 eines der schwierigsten Jahre ihrer Geschichte“, betonte DBB-Präsident Jörg Lehmann.

Dennoch hoffen die Firmen darauf, dass die Menschen auf Dauer zu ihren Gewohnheiten in Sachen Kneipen und Feiern vor der Coronazeit zurückkehren werden.

Bietet Bier im Depot also jetzt möglicherweise eine Chance? Sind die Aktien der großen Bierkonzerne nun eine günstige Einstiegschance? Henning Gebhardt, ehemals Star-Fondsmanager der Vermögensverwaltung der Berenberg Bank und zuvor der Deutsche-Bank-Tochter DWS, wittert zumindest schon eine Gelegenheit.

„Wenn die Bars und Freizeitparks wieder aufmachen“, prognostizierte er jüngst, dann hätten einige Bieraktien „einen Mega-Hebel nach oben“. Denn langfristig sehen die Experten durchaus einen wachsenden Markt. Die Gesundheitsorganisation WHO strebt zwar an, bis 2025 den globalen Alkoholkonsum um zehn Prozent zu reduzieren.

Aber Forscher der TU Dresden kamen kürzlich in einer Studie zu einem anderen Ergebnis. Danach werde der Pro-Kopf-Konsum bis 2030 sogar noch ansteigen, von aktuell 6,5 auf 7,6 Liter reinen Alkohol im Jahr. Ist es also Zeit für etwas mehr Hochprozentiges im Depot? Im Folgenden ein Blick auf die wichtigsten drei Aktien aus diesem Sektor – und was Analysten von ihnen halten.

AB Inbev

Der Weltmarktführer für Bier macht gerade eine schwere Zeit durch. Restaurants und Klubs mussten weltweit schließen, was tiefe Spuren bei der brasilianisch-belgischen Firmengruppe hinterließ. Die Auswirkungen der Pandemie trafen den Konzern, zu dem unter anderem die Biermarken Beck’s, Budweiser und Stella Artois gehören, im zweiten Quartal schwer.

Das Ergebnis brach unerwartet stark um 86 Prozent auf 351 Millionen US-Dollar ein. Auch der Bierabsatz ging deutlich zurück. Der Produzent verkaufte im zweiten Quartal mengenmäßig 17,1 Prozent weniger. Dennoch hat sich die Aktie von ihrem tiefen Einbruch im März unter dem Eindruck des Coronaschocks wieder etwas erholen können.

Nach einem Absturz der Papiere im März auf nahe 30 Euro bewegt sich die Aktie inzwischen wieder nahe der 50-Euro-Marke. Denn im monatlichen Vergleich zeichnete sich zuletzt eine Erholung der Nachfrage ab. Die AB-Inbev-Aktie ist aber noch immer deutlich weniger wert als zu Jahresbeginn – und weit von ihren Höchstkursen um 120 Euro vor einigen Jahren entfernt.

Denn viele Analysten bleiben vorsichtig. Die US-Investmentbank Goldman Sachs senkte das Kursziel für AB Inbev von 52 auf 47 Euro und beließ die Einstufung auf „neutral“. Der Brauereikonzern, der sich allmählich auf die Suche nach einem Nachfolger für den langjährigen Vorstandschef Carlos Brito macht, habe relativ zu den Erwartungen solide abgeschnitten, schrieb Analyst Olivier Nicolai in einer Studie.

Allerdings sei die zweite Jahreshälfte weiterhin mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Die Meinungen der meisten Analysten sind geteilt. Von den 34 Experten, die das Unternehmen regelmäßig covern, empfehlen laut Bloomberg 17 die Aktie zum Kauf, 15 raten, die Titel zu halten, und zwei legen nahe, die Aktien zu verkaufen.

Der Carlsberg-Konzern ist die viertgrößte Brauereigruppe der Welt. Das dänische Unternehmen wurde von den Folgen der Coronakrise ebenfalls nicht verschont. Doch an der Börse schlug sich das Unternehmen, das 1847 gegründet wurde, bisher besser als der Marktführer.

Zwar fiel mit dem Shutdown auch der Kurs der Carlsberg-Papiere im März von seinem vorherigen Niveau über 1000 Kronen pro Aktie schlagartig, doch mittlerweile hat die B-Aktie, die weniger Stimmrechte als die A-Aktie bietet, einen Teil des Einbruchs wieder aufgeholt und notiert nun um die Marke um 870 Kronen.

Doch die Dänen geben nur eine zaghafte Prognose für das Gesamtjahr: Der operative Gesamtjahresgewinn dürfte zwischen zehn und 15 Prozent schrumpfen, heißt nun ihre Vorhersage. Das Unternehmen muss sparen, es sollen in diesem Jahr auch weniger Mitarbeiter neu eingestellt werden als ursprünglich geplant.

Das im Februar angekündigte Aktienrückkaufprogramm wird vorerst nicht fortgesetzt. Dennoch schätzen viele Analysten die Aktie im Vergleich zur Konkurrenz als aussichtsreich ein. Die Schweizer Großbank UBS stufte Carlsberg jüngst von „sell“ auf „buy“ hoch und hob das Kursziel auf 1000 dänische Kronen an, also umgerechnet rund 134 Euro.

Die Hochstufung beruhe unter anderem auf den mittelfristigen Perspektiven in Asien, schrieb Analyst Nik Oliver in einer Studie. Laut Bloomberg haben sich derzeit 27 Analysten näher mit der Aktie der dänischen Brauereigruppe befasst, davon heben 20 von ihnen den Daumen, fünf empfehlen „halten“, und nur zwei raten derzeit zum Verkauf. Damit sprechen sich knapp 75 Prozent der Analysten, die sich mit der Aktie befassen, für einen Kauf aus.

Die niederländische Brauerei Heineken ist weltweit ein Begriff. Die markante Flasche mit dem roten Stern ist selbst in entlegenen Strandbars in Sumatra zu finden. Kein Wunder: Ist die Heineken-Gruppe mit Sitz in Amsterdam doch der zweitgrößte Brauereikonzern der Welt, zu dem insgesamt 300 verschiedene Getränkemarken zählen.

So gehören unter anderem Amstel, Birra Moretti, Sol und Forster’s zu den Biermarken der Holländer, die auch Cider verkaufen. Doch im ersten Halbjahr 2020 schrumpfte der Umsatz der Gruppe um 19 Prozent auf rund 9,2 Milliarden Euro. Wegen der Coronakrise machte der Konzern sogar Verlust.

Unter dem Strich blieb ein Minus von knapp 300 Millionen Euro. An der Börse sorgte das bei den Papieren der Heineken NV – das „NV“ steht für die niederländische Bezeichnung für Aktienunternehmen – für einen Kursrutsch. Noch im Februar lag die Aktie bei 105 Euro, heute notiert sie um 77 Euro.

Ein Grund dafür ist, dass Heineken stark im mexikanischen Markt engagiert ist, dort aber der Verkauf von Bier wegen Corona stark zurückgegangen ist. Die meisten Analysten blicken verhalten auf die Perspektive der Firma. Das Analysehaus RBC hat das Kursziel für Heineken von 72 auf 83 Euro angehoben, aber die Einstufung auf „Sector Perform“ belassen.

Das neue Kursziel reflektiere die reduzierten Kapitalkosten-Prognosen für den europäischen Konsumgütersektor, schrieb Analyst James Edwardes Jones. Mehr als jeder zweite Analyst, der das Unternehmen laut Bloomberg regelmäßig covert, gibt jedoch eine Halteempfehlung für Heineken. Rund 15 Prozent empfehlen, das Papier zu verkaufen, 30 Prozent der Experten raten zum Kauf.

Doch nicht jeder sieht die Zukunft der Branche ganz entspannt. Einige Experten wittern bereits Panik in den Chefetagen – und wachsenden Preisdruck auf die Hersteller. So startete die Privatbrauerei Warsteiner vor Kurzem eine besondere Rabattaktion: Wer an einem Montag oder Dienstag im September zwei Kästen Warsteiner kauft, bekommt den Preis für einen Kasten vom Unternehmen zurückerstattet – allerdings ohne Pfand. Branchenexperten sehen das teilweise als ein Indiz für wachsende Verzweiflung.

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So klingen die Worte von Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des DBB, wenig vertrauenserweckend. Er sei sich nicht mehr sicher, ob nach Corona die Welt der Brauer wieder die alte sein werde. Viele Kneipen, Klubs und Restaurants würden die Krise nicht überleben.

„Dieser Strukturwandel ist tief greifend, er hat gerade erst begonnen, und er wird auch den deutschen Biermarkt verändern“, sagt er voraus. Vor allem kleinere Anbieter könnten vom Markt verschwinden. „Wenn nichts geschieht, droht spätestens im nächsten Frühjahr eine Pleitewelle, wie wir sie nie zuvor erlebt haben“, heißt es vom Verband. Das könnte allerdings die Chance der Großkonzerne wie AB Inbev und Co. sein.

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