Geldanlage: Welche Infrastruktur-Aktien Fondsmanager jetzt empfehlen
Investments in Infrastruktur versprechen Zuverlässigkeit.
Foto: dpaFrankfurt. Vor dem Hintergrund der unsicheren Konjunkturaussichten empfiehlt der Vermögensverwalter Bantleon aus Hannover Aktien im Infrastrukturbereich. In einer Studie resümiert dessen Portfoliomanager Johannes Maier: „Infrastrukturunternehmen sind besonders krisenfest, da sie häufig auf Geschäftsmodellen mit unelastischer Nachfrage und gut prognostizierbaren Cashflows basieren.“
Anders gesagt: Viele Projekte in dem Bereich sind finanziell vergleichsweise wenig von der Konjunktur abhängig. Als besonders stabil sieht er zum Beispiel die Betreiber von Rechenzentren an und nennt hierzu die Unternehmen Eqinix und Crown Castle sowie den Bereich Strom- und Telekomnetze mit Inwit und Cellnex. Dagegen seien die Sektoren Transport und „traditionelle Energie“ bei wirtschaftlichen Flauten anfälliger.
Abgesehen vom Pandemiejahr 2020 hätten die betreffenden Unternehmen seit Jahrzehnten in jedem Jahr das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen gesteigert, heißt es bei Bantleon.
Im Schnitt seien Infrastrukturaktien zudem an der Börse deutlich niedriger als Direktinvestitionen bewertet. Das kann als zusätzlicher Sicherheitspuffer oder, wenn dieser Abschlag schmilzt, als spezielle Kurschance gewertet werden.
Die US-Großbank JP Morgan hebt hervor, dass sich Infrastruktur häufig vor allem dann bewährt, wenn der breite Aktienmarkt und der Anleihemarkt zugleich einbrechen, wie es im Jahr 2022 wegen der steigenden Zinsen geschah.
Ein weiteres Argument für den Bereich sind die Bewertungen. Nach Beobachtung von Maier sind im Weltindex MSCI World die Aktien seit Jahresanfang „fast ausschließlich“ wegen höherer Bewertungen gestiegen.
Die Gewinne haben dort nur um 0,8 Prozent zugelegt, für den Anstieg der Kurse sorgte in in erster Linie jeweils das Verhältnis von Kurs zum Gewinn je Aktie (KGV). Im Infrastrukturbereich wuchsen die Gewinne dagegen um acht Prozent. Weil die Kurse nicht entsprechend anzogen, ergab sich gemessen an den KGVs ein „leichter Rückgang“ der Bewertungen.
Risikofaktor: Klimawandel
Auf ein großes Risiko weist dagegen das Research-Institut EDHEC in London hin: den Klimawandel. In einer aktuellen Studie mit dem Titel „It‘s getting physical“ heißt es, manche Projekte könnten bis 2050 die Hälfte ihres Werts verlieren. Wie weit das gehe, hänge auch von der Klimapolitik ab. Überschwemmungen, Stürme und extreme Hitze werden als besondere Gefahren genannt, außerdem komme es bei Infrastruktur wegen der dort vorherrschenden Großprojekte oft zu einer Konzentration der Risiken.
EDHEC hat deswegen im August einen warnenden Brief an die europäische Versicherungsaufsicht (Eiopa) ‧geschickt, weil gerade Versicherer und Pensionskassen wegen der Stabilität der Finanzrückflüsse gern in den Bereich investieren. Positiv für die Rolle der Infrastruktur im Wertdepot ist aber, dass Wetterrisiken relativ unabhängig von typischen anderen Börsenrisiken sind.
Bantleon bietet einen speziellen Infrastrukturfonds an, erhältlich unter der ISIN LU1989515793. Neben aktiven Fonds zeigen Plattformen wie justetf.com oder extraetf.com auch börsengehandelte Fonds für Anlagen in Infrastruktur an. Dabei gibt es allerdings große Unterschiede.
Ein großer Fonds von SPDR etwa investiert in Aktien und Anleihen im Infrastrukturbereich und hat einen großen Schwerpunkt bei Versorgern, aber kaum Industrie im Portfolio (ISIN IE00BQWJFQ70).
Ein ETF von BNP (LU1291109293) hat dagegen knapp 30 Prozent in Industrieaktien investiert, die ja relativ konjunkturabhängig sind. Ein Vergleich der Angebote lohnt sich also.
Erstpublikation: 28.08.2023, 18:10 Uhr