Hurun Global Rich List: Welche Milliardäre als Gewinner aus der Coronakrise hervorgehen – und welche als Verlierer
Bei 60 Prozent der 100 reichsten Menschen ist das Vermögen in den vier Monaten nach Ausbruch der Pandemie gestiegen oder gleich geblieben.
Foto: dpaFrankfurt. Er zählt zu den größten Profiteuren der Coronakrise, und doch kennen ihn nur Experten: der Schnäppchen-Milliardär Huang Zheng, der sich gerne Colin Huang nennen lässt. In den vier Monaten nach dem Ausbruch der Pandemie im Januar konnte er sein Vermögen nahezu verdoppeln, wie das renommierte Hurun-Research-Institut errechnet hat.
Demnach erhöhte der Mann hinter dem Alibaba-Rivalen Pinduoduo sein Vermögen von Ende Januar bis Ende Mai um 94 Prozent auf 35 Milliarden Dollar. Das Geschäftsmodell des Onlineriesen ist eine Mischung aus dem Gutscheinanbieter Groupon, Facebook und Disneyland. Auf der Liste der 100 reichsten Menschen der Welt kletterte der Chinese um zwei Plätze auf Rang 29.
Angeführt wird die Liste von Jeff Bezos – mit 160 Milliarden Dollar. Sein Vermögen hat sich laut Hurun in den vier Monaten seit Ende Januar um 20 Milliarden Dollar vergrößert. In jeder Stunde stieg der Reichtum des Mannes hinter dem Onlinehändler Amazon um sieben Millionen Dollar, wie die Experten ausgerechnet haben.
Bei 60 Prozent der 100 reichsten Menschen weltweit, die in der „Hurun Global Rich List“ gekürt werden, stieg das Vermögen in den vier Monaten nach dem Ausbruch der Pandemie, oder es blieb zumindest gleich. Beim Rest ging es abwärts. „Zwar kam es in den ersten zwei Monaten nach dem Ausbruch des Coronavirus zu einer enormen Vernichtung von Reichtum in der Hurun-Liste der Top 100.
Aber in den nächsten zwei Monaten kam es zu einer V-förmigen Erholung bei zwei Dritteln der 100 reichsten Milliardäre. Das zeigt, dass es gefährlich ist, gegen die weltweit besten Top-Reichen zu wetten“, betont Rupert Hoogewerf, Chef-Researcher von Hurun. Insgesamt betrug das Minus beim Vermögen lediglich zwei Prozent.
Abstand zwischen den beiden Reichsten so groß wie noch nie
Beachtlich ist, dass die „Geldmaschine“ Bezos trotz der Trennung von seiner Frau im vergangenen Jahr noch um 60 Milliarden Dollar reicher ist als Bill Gates, der Gründer des Softwareunternehmens Microsoft. „So groß war der Abstand zwischen den beiden reichsten Menschen noch nie“, sagt Hoogewerf.
Bezos begann mit seinem Unternehmen Amazon als Online-Buchhändler, diversifizierte sich aber über die Jahre und wurde in kurzer Zeit zum reichsten Mann der Welt. Mitte vergangenen Jahres trennte er sich nach 25 Jahren Ehe von seiner Frau MacKenzie Bezos, die sich heute mit Nachnamen Scott nennt. Scott soll ein 36,3 Milliarden Dollar schweres Aktienpaket bekommen haben. Die Hälfte des Milliardenvermögens will sie spenden.
Spenden als einen sinnvollen Teil seines Lebens sieht auch der zweitreichste Mann der Welt an: Bill Gates. Mit seiner Frau hat er die in Seattle ansässige Bill & Melinda Gates Foundation gegründet. Die Stiftung gilt mit gut 1000 Mitarbeitern und einem Stiftungskapital von inzwischen über 50 Milliarden Dollar als größte Privatstiftung der Welt. Gefördert werden vor allem agrarische und medizinische Projekte in aller Welt. Das Vermögen von Gates fiel laut Hurun bis Ende Mai um sechs Prozent auf 100 Milliarden Dollar.
Viel stärker unter Druck geriet der Reichtum des Franzosen Bernard Arnault, der 1949 in der Nähe von Roubaix im Norden Frankreichs geboren worden ist. Wie die amerikanische Investorenlegende Warren Buffett verlor Arnault nach den Berechnungen von Hurun 18 Milliarden Dollar. Gates konnte ihn deshalb von Platz zwei der Liste der reichsten Menschen verdrängen. Immerhin verfügt der Franzose noch über 89 Milliarden Dollar.
Mit LVMH hat Arnault ein Luxusimperium aufgebaut, das von Mode über Spirituosen bis zu Parfüm und Kosmetik reicht. Er hat einen Ruf als Mastermind, der auch rücksichtslos sein kann, wenn es um Geschäfte geht. Bereits 1989 schrieb der französische Journalist Patrick Poivre D’Arvor über ihn in dem Magazin „JDD“: „Leute, die ihm freundlich gesinnt sind, nennen ihn Konquistador, seine Feinde Terminator. Das ist wahrscheinlich der Preis, den man heute als Manager bezahlt.“
Deutsche verlieren weniger Vermögen als Europäer insgesamt
Der andere große Verlierer, Warren Buffett, der hinter dem Unternehmen Berkshire Hathaway steht, musste in der Coronakrise ebenfalls leiden. Mit einem Minus von 18 Prozent in seinem Vermögen steht er nach den Berechnungen von Hurun auf Platz vier der Liste der reichsten Menschen. Insgesamt hat der fast 90-Jährige 84 Milliarden Dollar angehäuft. Sein Reichtum dürfte sich in den vergangenen Wochen wieder massiv erhöht haben.
Denn die fortgesetzte Erholung an den Aktienmärkten hat der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway zu starken Quartalszahlen verholfen, wie der Konzern im August mitteilte. Maßgeblich profitierte Buffett von der Kursrally bei Apple, der mit Abstand größten Position in seinem Aktienportfolio. Die Marktkapitalisierung von Apple ist erst vor wenigen Tagen über die Marke von zwei Billionen Dollar gestiegen und liegt damit etwa auf der Höhe des Sozialprodukts Großbritanniens, der Nummer fünf unter den wirtschaftsstärksten Nationen weltweit.
Altmeister Buffett ist befreundet mit dem Ehepaar Gates und hat sich deren „Giving Pledge Initiative“ angeschlossen, bei der sich Reiche verpflichten, die Hälfte ihres Vermögens für soziale Zwecke abzugeben.
Als reichster Deutscher rangiert der Lidl-Gründer Dieter Schwarz auf Rang 39. Nach den Berechnungen von Hurun gehört er zu den Krisengewinnern und verbesserte sich um sechs Plätze. Sein Vermögen stieg um neun Prozent auf 24 Milliarden Dollar. Die Supermärkte von Schwarz sind überall zu sehen. Sein Gesicht jedoch kennen die wenigsten.
Über die Jahrzehnte hat er ein mächtiges Warenhausimperium aufgebaut und schaffte es mit seinen über 80 Jahren, nur selten fotografiert zu werden. Aktuell interessiert er sich über die Schwarz-Gruppe laut der Nachrichtenagentur Bloomberg für das kontinentaleuropäische Müllentsorgungsgeschäft des Pariser Konzerns Suez. Die Transaktion könnte drei Milliarden Euro kosten.
Wie stark sich die Corona-Pandemie nicht nur bei den Reichen, sondern auch bei allen anderen Anlegern auf das Finanzvermögen auswirkte, zeigt eine Studie der ING. Demnach hat sich das Kapital der Europäer im ersten Quartal um insgesamt rund 771 Milliarden Dollar oder drei Prozent verringert.
Die Deutschen kamen mit einem Minus von zwei Prozent oder einem Verlust von 128 Milliarden Dollar etwas glimpflicher davon. „Per Ende Juni ist das Finanzvermögen dank der Erholung der Kapitalmärkte und hoher Neuanlagen laut Prognose wieder auf einem Rekordniveau“, urteilen die Banker allerdings. Auf die Erholung können auch die meisten Reichsten der Reichen setzen.