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KapitalmarktKlimaschützer prangern Billionen-Investments in fossile Energien an

Institutionelle Investoren sind weiterhin in großem Umfang in Förderern von Öl, Gas und Kohle engagiert. Aktivisten fordern eine strengere Regulierung. ETFs verstärken das Problem.Ingo Narat 09.07.2024 - 16:07 Uhr
Raffinerie von Exxon Mobil: Allein die institutionellen US-Investitionen in den US-Konzern beliefen sich auf 288 Milliarden Dollar. Foto: REUTERS

Frankfurt. Rund 4,3 Billionen Dollar haben Großinvestoren im Jahr 2023 weltweit in Unternehmen aus der fossilen Energiebranche investiert. Diese Zahlen stellte die Nichtregierungsorganisation Urgewald gemeinsam mit Partnern am Dienstag vor.

Mit den entsprechenden Daten aus dem Vorjahr sind sie nicht vergleichbar, da mehr Unternehmen einbezogen wurden. Trotzdem zeigen sie einen kritischen Trend.

„Wenn institutionelle Anleger weiter expandierende Kohle-, Öl- und Gasunternehmen unterstützen, ist der rechtezeitige Ausstieg aus fossilen Brennstoffen unmöglich“, warnt Urgewald-Vertreterin Katrin Ganswindt. Sie fordert: „Die Investoren müssen dem fatalen fossilen Ausbau sofort einen Riegel vorschieben.“ In der Anlagebranche stößt das auf Kritik.

„Den sofortigen Ausstieg zu fordern ist Unfug, denn die Unternehmen brauchen Zeit für den Umbau der Geschäftsmodelle“, sagt der Vertreter eines Vermögensverwalters. Er räumt aber ein: „Unternehmen wie Exxon Mobil und Shell haben zuletzt ihre Investitionen in fossile Energien erhöht, die in erneuerbare Energien gesenkt. Da ist die Kritik berechtigt.“

Laut der Urgewald-Auswertung sind unter den zehn größten Fossil-Investoren acht US-Adressen. An der Spitze liegen die weltgrößten Vermögensverwalter Vanguard mit 413 Milliarden Dollar und Blackrock mit 400 Milliarden. Ebenfalls unter den Top Ten sind der japanische und der norwegische Staatsfonds.

Experten betonen, dass europäische Investoren weniger häufig in fossile Geschäftsmodelle investierten als US-amerikanische. Grund seien die schärferen Anlagerichtlinien und oft interne Vorgaben. Ein Fachmann ist überzeugt: „Der Druck muss erst einmal von den Anteilseignern kommen, dieser Druck ist bisher in den USA viel zu gering.“ Das spiegelten auch die hohen Bestände von US-Investoren in den fossilen Unternehmen wider.

Versäumnisse der Regulierungsbehörden

Die Urgewald-Vertreter halten den weltgrößten Kapitalmarkt in den USA für entscheidend im Kampf gegen den Klimawandel. Institutionelle US-Investoren hielten zusammen 2,8 Billionen Dollar an fossilen Unternehmen. Wenn dieses Geld in erneuerbare Projekte flösse, könnte es dort viel bewirken.

Eine Aktivistin fordert im Juni in New York ein Ende fossiler Investments: Der größte Kapitalmarkt der Welt könnte die klimafreundliche Transformation in der Energiebranche anschieben statt verhindern. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Die hohe Summe fossiler Investments zeige aber auch, dass US-Regulierungsbehörden es bisher versäumten, die Klima- und Transformationsrisiken großer institutioneller Anleger wirksam zu überwachen und anzugehen, kritisiert Urgewalt.

Die größten Nutznießer der Investitionen seien ebenfalls US-Unternehmen: Exxon Mobil, Chevron und Conoco-Phillips. Allein die institutionellen US-Investitionen in Exxon Mobil beliefen sich im Jahr 2023 auf 288 Milliarden Dollar. Dabei gebe der Konzern nicht einmal vor, einen Transformationsplan zu haben, sondern verteidige sein fossiles Geschäftsmodell.

Indexfonds verstärken das Problem

„Die meisten US-Investoren stimmen auf Hauptversammlungen gar nicht pro Nachhaltigkeit ab, haben oft auch keine Klimastrategie“, sagt ein Experte. Das Problem werde von den großen Volumina der Indexfonds in den USA verstärkt. Sie würden keinen Druck hin zu klimafreundlichen Geschäftsmodellen erzeugen, weil sie rein mechanisch einen Index abbildeten.

Auch deshalb führen Vanguard und Blackrock als weltgrößte Anbieter von Indexanlagen, oft sogenannte ETFs, die vorliegende Übersicht mit großem Vorsprung an. Diese Anlagen wurden in den vergangenen Jahren immer populärer.

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„Ein Indexfonds hat nicht die Option, die Anteile an einem Unternehmen zu verkaufen oder seine Bestände daran zu erhöhen oder zu senken – unabhängig von unseren eigenen Ansichten zur Corporate Governance der Firma“, kommentiert eine Vanguard-Vertreterin in Europa. Den an Nachhaltigkeitsthemen interessierten Anlegern biete man daher angepasste Indexprodukte an.

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