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Nike, New Balance und Co.Wie gut funktionieren Sneaker als Geldanlage?

Mit dem Verkauf von Sportschuhen machen professionelle Anleger oft hohe Gewinne. Doch Experten mahnen zur Vorsicht. Was zu beachten ist.Judith Henke 01.09.2023 - 09:56 Uhr Artikel anhören

Sneaker als Investment sind bei Profis gefragt. 30.000 Euro kostet dieser Sample-Schuh von Adidas, der sich im Besitz von Vaditim-Gründer Stepan Timoshin befindet.

Foto: Handelsblatt

Frankfurt. Für Außenstehende mag dieses Modell der Sneakerreihe „Jordan 1 Retro High“ von Nike in den Farben babyblau und weiß unauffällig wirken. Doch für Sammler hat das Paar Schuhe einen hohen Wert. Für 1327 Euro wurde es am 3. August verkauft, berichtet der US-Onlinemarktplatz StockX, die bekannteste Plattform für Sneaker-Sammler und -Wiederverkäufer.

Ähnlich wie bei Aktien können Kunden zu jedem Schuh die Preisentwicklung nachverfolgen. Die Daten auf der Plattform zeigen: Zwischen Ende Mai 2018 und heute ist der Preis für das babyblaue Jordan-1-Modell um mehr als 80 Prozent gestiegen. Wer den Schuh allerdings erst vor drei Monaten erstanden hat, hat einen Wertverlust von rund 32 Prozent hinnehmen müssen.

Das Beispiel zeigt: Mit Sneaker-Wiederverkäufen lassen sich hohe Gewinne erzielen – oder Verluste. Gerade bei jungen Menschen ist Sneaker-Reselling beliebt. Das Handelsblatt hat mit Profis darüber gesprochen, worauf sie beim Sportschuh-Spekulieren achten.

Stepan Timoshin etwa wickelte seinen ersten erfolgreichen Sneaker-Deal mit 14 Jahren ab. Heute ist der 22-Jährige Gründer und Chef des Handelskonzerns Vaditim. Im vergangenen Jahr hat er mit seinem Unternehmen nach eigenen Angaben 40 Millionen Umsatz gemacht.

Pro Sneaker-Paar, das er über seinen Laden in Berlin und den Webshop verkauft, erwirtschafte er eine Marge von mindestens 30 Prozent, so Timoshin. Würde er davon die Kosten abziehen, etwa für die Löhne der Mitarbeiter, würde ein Gewinn von zwölf bis 13 Prozent übrig bleiben.

Ein durchschnittlicher Sneaker-Reseller käme auf eine Marge von zehn bis 20 Prozent, „mit Ausnahmen auch mal 300 bis 400 Prozent“. Doch der Vaditim-Gründer kennt Tricks, mit denen er herausfindet, welche Sneakers besonders gefragt sind.

Er nutzt zum Beispiel seine Reichweite in den sozialen Medien: Auf Instagram hat Timoshin rund 179.000 Follower, sein Konzern Vaditim hat 117.000 Instagram-Fans. Will er herausfinden, ob ein Sneaker, der bald auf den Markt kommt, besonders gefragt ist, dann mache er einfach eine Umfrage auf seinen Kanälen, berichtet er.

Geldanlage: Vaditim-Gründer Stepan Timoshin über den Sneaker-Hype

Allerdings hat nicht jeder, der mit Sneaker-Wiederverkäufen Geld verdient, Timoshins Reichweite. Dennoch könnten auch durchschnittliche Reseller die sozialen Medien als Stimmungsbarometer nutzen, sagt der Gründer.

Bevor die Hersteller ein neues Modell auf den Markt bringen, würden bereits Fotos veröffentlicht. „Hat das Foto eines neuen Modells 35.000 Instagram-Likes und ein anderes nur 20.000, ist das ein guter Hinweis darauf, welches der beiden Modelle sich zu einem höheren Preis verkaufen lässt.“

Der Vaditim-Gründer hat mit 14 Jahren seinen ersten Sneakers-Deal gemacht.

Foto: Handelsblatt

Doch es gibt auch offensichtliche Faktoren, an denen sich ablesen lässt, wie sich der Preis entwickelt. „Je limitierter der Sneaker oder je besser seine Verkaufsstory, umso mehr steigt der Preis“, so Timoshin. Oft wirke sich eine Preissteigerung eines Modells, etwa aufgrund einer Kooperation mit prominenten Personen, auf alle ähnlichen Sneakers positiv aus. Außerdem gebe es bestimmte Farbkombinationen, die besonders begehrt seien, etwa babyblau, rot-weiß oder schwarz-weiß.

Auch die Schuhgrößen 43 und 44 seien besonders begehrt. Beide Größen sind bei Männern besonders gängig. Das zeigt: Nicht jeder teure Sneaker ist ein reines Sammelobjekt. Das sagt auch Timoshin: Nur rund zehn Prozent seiner Kunden seien Sammler, schätzt Timoshin. Die anderen Käufer würden seltene oder teure Sneakers als Statussymbol sehen. „Indem sie Sneakers im Wert von mehreren Tausend Euro tragen, zeigen sie den anderen, dass sie es ganz nach oben geschafft haben.“

Im nächsten Jahr möchte Timoshin mit Vaditim einen Umsatz von 100 Millionen Euro erzielen. Auch die Investmentbank TD Cowen schätzt: Es gibt noch viel Luft nach oben im Sneakers-Wiederverkaufsmarkt. Das Marktvolumen soll bis 2030 auf bis zu 30 Milliarden US-Dollar steigen. „Der Hype hat zugenommen“, ist sich der Gründer sicher.

Sneaker als Geldanlage: Das sind die Probleme auf dem Reseller-Markt

Etwas skeptischer ist hier der Sneaker-Produzent Hikmet Sugoer. Bis 2015 betrieb er einen der bekanntesten Sneaker-Läden Berlins, seine Sneaker-Marke Sonra ist selbst auf dem Resellmarkt heiß begehrt. Und doch glaubt er, dass der Markt aufgrund des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds „einen Dämpfer bekommen hat“.

Während der Coronapandemie habe es zunächst einen kleinen Boom gegeben. „Doch mittlerweile trennen sich viele Sneaker-Sammler von ihrem Hobby“, so Sugoer. „Sie lieben zwar weiterhin Sneakers, aber sind nicht mehr bereit, für ein besonderes Modell das Dreifache zu zahlen.“

Daher würden die Preise derzeit leicht sinken, für Reseller sei es schwieriger als vorher, ihre Ware loszuwerden. Diese Nachfrageschwäche hält der Sneaker-Experte aber für unproblematisch. Die sei schon immer zyklisch gewesen. „Während der Finanzkrise 2008 ging die Nachfrage auch nach unten.“

Hikmet Sugoer hat mit Sonra seine eigenen Sneakermarke gegründet

Foto: SONRA

Auch wenn die Nachfrage gesunken ist, seien bestimmte Modelle aber nach wie vor begehrt, etwa Nike Dunk, Jordan 1 und andere Jordan-Silhouetten. Auch Designs, die Nike in Kooperation mit dem Rapper Travis Scott entwickelt hat, seien ein Dauerbrenner. Ebenfalls bei Sammlern beliebt seien neu aufgelegte Klassiker – wie derzeit der Nike Mac Attack. Nike sei nach wie vor für Wiederverkäufe gut geeignet, genau wie New Balance.

„Aber es ist auch eine gute Zeit für unbekanntere, neue Marken“, betont Sugoer, etwa die Marke Salomon, die ursprünglich auf Skibindungen und später Wanderschuhe spezialisiert war.

Einige Sneaker-Reseller würden nicht nur versuchen, ein limitiertes Produkt mit hoher Preissteigerung zu verkaufen, sondern noch auf eine andere Taktik setzen. „Sie kaufen große Mengen beliebter, oft ausverkaufter Modelle wie zum Beispiel Adidas Samba, und verkaufen sie für einen kleinen Aufpreis weiter.“ Die Marge läge zwar vielleicht nur bei 30 Euro, doch aufgrund der großen Masse würde sich der Aufwand dennoch lohnen.

Der Adidas Samba ist zwar kein Sammlerobjekt, aber bei Sneakerfans beliebt.

Foto: imago images/STPP

Denn an limitierte Sneakers zu kommen sei schwierig. Marken wie Nike oder Adidas bringen jeden Monat besondere Modelle heraus, von denen es nur wenige Tausend Exemplare gibt. Einen Teil dieser Sonderexemplare verkaufen sie über Sneakershops.

Das Problem: Erfahrene Wiederverkäufer seien mit Mitarbeitern des Shops oft bereits in persönlichem Kontakt – oder bestechen sie, um früher an die begehrten Modelle zu kommen, erzählt Sugoer.

Bei den Verlosungen, die über die Onlineshops der Hersteller stattfinden, seien die Chancen für Außenstehende ebenfalls gering, da Profis hier mit Bots arbeiten würden.

Sneaker-Modelle von Nike und Co. für Millionenpreise verkauft

In der Regel werden die Sneakers über Facebook-Gruppen, Ebay oder spezialisierte Plattformen wie StockX weiterverkauft. Einige besonders illustre Modelle wurden jedoch auch über das Londoner Traditionsaktionshaus Sotheby’s versteigert, wo üblicherweise berühmte und teure Kunstwerke gehandelt werden.

Kürzlich wurden dort Schuhe des Modells Nike Air Force 1 von Louis Vuitton, das der verstorbene und bei Streetwear-Fans beliebte Designer Virgil Abloh entworfen hat, versteigert: Die 200 Paar Sneakers wurden für rekordverdächtige 25,3 Millionen US-Dollar verkauft.

Das weltweit teuerste Paar Schuhe ist das Solid Gold OVO x Air Jordans. Die Sneakers wurden 2016 auf einen Wert von rund 1,7 Millionen Euro geschätzt – und zwar nicht nur, weil sie aus 24 Karat Gold bestehen, sondern weil es nur ein Modell von ihnen gibt, das derzeit der Rapper Drake besitzt.

Warum Sneaker als Geldanlage risikoreich sind

Doch bei all diesem Glamour sollten Anleger nicht vergessen, wie risikoreich Sneakers als Geldanlage sind. Zum einen besteht ein Fälschungsrisiko, sagt Sugoer: „Die Fälschungen werden immer besser, da sie in Fabriken entstehen, die sich an denselben Standorten befinden, in denen auch die Originale produziert werden.“ Er rät daher vor jedem Kauf dazu, den Hintergrund des Verkäufers zu überprüfen.

Außerdem bestehe das Risiko, Sneakers zu früh oder zu spät zu verkaufen und somit Preissteigerungen zu verpassen. Sugoers Tipps: „Ich würde immer Sneakers kaufen, die mir selbst gefallen. Wenn der Preis wider Erwarten stagniert oder sinkt, dann habe ich dennoch Schuhe, die ich gern trage.“

Auch Vaditim-Gründer Timoshin warnt davor, Sneakers als reine Geldanlage zu betrachten. Das gelte vor allem für Anleger mit langem Horizont. „Uhren oder Gold lassen sich ohne Probleme im Schließfach lagern, aber Schuhe sind zum Tragen gemacht. Sonnenlicht und Luftfeuchtigkeit lassen sie altern, ihre Sohle wird gelb und brüchig. Sie verlieren an Wert.“ Die Haltedauer sollte daher nicht mehr als zwei Jahre betragen.

Und einen weiteren Faktor würden viele Reseller nicht bedenken: Wenn sie häufig Schuhe weiterverkaufen, müssen sie ein Gewerbe anmelden. Was passiert, wenn sie das nicht wissen, musste Timoshin am eigenen Leib erfahren, als er 16 war.

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Damals wurde ihm Steuerhinterziehung in Höhe von 122.000 Euro vorgeworfen – verurteilt wurde er nicht, weil man ihm seine Unerfahrenheit als Jugendlicher zugutehielt. Doch insgesamt habe er deswegen 180.000 Euro verloren, da zusätzlich Zinsen und Steuerberatungskosten anfielen. „Reseller sollten sich dieses Risikos immer bewusst sein.“

Erstpublikation: 05.08.2023, 10:00 Uhr.

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