Serie: Die Strategien der Börsengurus: Vom Multimillionär zum Pleitier: Warum sich Jesse Livermore verzockte
Frankfurt. Langfristig steigen die Aktienmärkte, das zeigt der Blick in die vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte. Doch beginnen die Kurse erst einmal zu sinken und die Börse in einen Abschwung zu verfallen, geht es meistens ganz schnell, und die Kurse verlieren rasant.
Diese typische Börsenerscheinung hat sich Jesse Livermore zunutze gemacht. Amerikas wohl bekanntester Trader wurde reich und berühmt, weil er zum richtigen Zeitpunkt erfolgreich auf fallende Kurse setzte und daran verdiente.
Um dem vom Vater vorgesehenen Werdegang als Farmer zu entkommen, zog der 1877 in Massachusetts geborene Jesse Lauriston Livermore mit 14 Jahren zu Hause aus.
Seine erste Arbeit fand er im Brokerhaus Paine Webber in Boston, wo er die sich ständig ändernden Aktienkurse auf Kreidetafeln schreiben musste. Dabei notierte sich Livermore stets seine eigenen Vorahnungen für den künftigen Aktienkursverlauf, überprüfte sie anschließend – und zog daraus seine Lehren für echte Trades.
Dafür brauchte er die damals populären „Bucket Shops“. Das waren Wettbüros für Aktien. Nur hier war es möglich, sich mit geringem Kapital und ohne Sicherheiten Geld für Aktien zu leihen. Nachdem er mit seinem Kauf von Burlington-Aktien aus fünf Dollar in kurzer Zeit 8,15 Dollar gemacht hatte, begann der 15-jährige Livermore, mit größeren Summen Aktien zu handeln.