Banken-Gipfel: Sparkassen wollen Blaupause für Infrastruktur-Investments liefern
Frankfurt. Seit die Bundesregierung ihr 500 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm angekündigt hat, suchen Politik und Finanzindustrie die Antwort auf eine zentrale Frage: Wie lässt sich privates Kapital für Investitionen so mobilisieren, dass die Haushaltsmittel gehebelt werden und eine Billionensumme in deutsche Infrastruktur fließen kann?
DSGV-Präsident Ulrich Reuter warb beim Handelsblatt Banken-Gipfel am Mittwoch dafür, sich ein Vorbild an der Finanzierungslösung der Sparkassen zu nehmen. Ziel sei es, „Rendite mit Fortschritt vor Ort zu verbinden“, sagte Reuter.
Konkret verwies er auf den Stromnetzbetreiber TransnetBW, an dem neben dem staatlichen Energieversorger EnBW und der Förderbank KfW ein Konsortium aus Sparkassen unter Führung der SV-Versicherung beteiligt ist. Damit stellten die Sparkassen auch Eigenkapital für den Ausbau der Stromnetze bereit. Das werde, flankiert von Sparbriefen, auch an die Bürgerinnen und Bürger weitergegeben.
Diese Sparbriefe bieten Kunden von baden-württembergischen Sparkassen über einen fixen Zins und eine feste Laufzeit die Möglichkeit, an der Finanzierung der Anteile von TransnetBW teilzuhaben.
TransnetBW steht wie die drei übrigen Betreiber der Stromübertragungsnetze (Tennet, 50, Hertz und Amprion) vor der Herausforderung, Milliardeninvestitionen für den Ausbau der Netze zu mobilisieren. Das Sparkassen-Konsortium könne jedoch über die Stromnetze hinaus Schule machen, schlägt Reuter vor. „Das sollte eine Blaupause für andere Investments sein“, etwa auch in Gas- oder Wasserstoffnetze. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass diese Investitionen sicher und profitabel seien.
Der Investitionsbedarf sei insbesondere auf kommunaler Ebene riesig, führte Reuter weiter aus. „Die Kommunalfinanzierung braucht eine solide Grundlage.“ Die 100 Milliarden Euro, die der Bund für Kommunen bereitstelle, klinge zwar gewaltig. Doch habe sich dort ein Investitionsdefizit von 200 Milliarden Euro angestaut.
Die Folgen seien für jeden Bürger sichtbar: „Schulen werden nicht saniert, Straßen nicht gebaut“, sagte der DSGV-Präsident. Hinzu kämen weitere 160 Milliarden Euro für den Ausbau der lokalen Stromnetze, sogenannte Verteilernetze – „um die Energiewende zu den Unternehmen und Haushalten zu bringen“, wie Reuter erläutert. Daher sei klar: „Mit öffentlichen Mitteln wird es nicht getan sein.“
Cornelius Riese, CEO der DZ Bank, schloss sich im Handelsblatt-Interview beim Banken-Gipfel der Einschätzung Reuters an. Auch die DZ Bank will bei Infrastruktur- und Immobilienprojekten künftig gruppenintern stärker zusammenarbeiten.
Aktuell finanzierten die DZ Bank und ihre Tochter DZ Hyp viele Projekte, sagte DZ-Bank-Chef Cornelius Riese. Der genossenschaftliche Versicherer R&V und die Fondsgesellschaft Union Investment investierten als Kapitalsammelstellen das Geld von Anlegern in verschiedene Projekte.
Sein Ziel sei es, die Aktivitäten der verschiedenen Einheiten künftig stärker zu verbinden, sagte Riese. „Da haben wir sicher bei uns noch Potenziale zu heben.“ Die Bank müsse bei Projektfinanzierungen dann weniger Kredite auf die eigenen Bücher nehmen und könne bei Interesse der Kunden die gruppeninternen Kapitalsammelstellen involvieren.