Kommentar: Das deutsche Bankenwunder ist in Gefahr

Den deutschen Banken geht es so gut wie lange nicht mehr. Nach den Verwerfungen der Finanzkrise, der elend langen Nullzinsphase und sündhaft teuren Restrukturierungen musste man sich als kritischer Beobachter erst einmal darauf einstellen, dass deutsche Banken auch florieren können.
Aber: Die Gewinne stiegen kräftig, und sie steigen weiter, auch wenn die Zinsen schon wieder fallen. Trotz chronisch schwacher Konjunktur halten sich die Kreditausfälle in Grenzen, und die Kapitalquoten sind robust.
Am prägnantesten lässt sich das deutsche Bankenwunder anhand der beiden börsennotierten Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank beschreiben. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Kurs des größten heimischen Geldhauses quasi verdoppelt, der kleinere Frankfurter Nachbar legte an der Börse sogar um knapp 150 Prozent zu. Damit gewannen Commerzbank und Deutsche Bank deutlich schneller an Wert als der Leitindex Dax, und sie entwickelten sich sehr viel besser als die europäische Konkurrenz und als der scheinbar übermächtige Wall-Street-Riese JP Morgan.