Banken: Italienische Mediobanca will Banca Generali übernehmen
Mailand. Das komplexe Spiel um die Neuordnung der italienischen Finanzbranche geht in die nächste Runde. Am Montag legte das italienische Kreditinstitut Mediobanca überraschend ein Übernahmeangebot für die Banca Generali vor. Für den Kauf der Tochter des größten italienischen Versicherers Generali bietet Mediobanca 6,3 Milliarden Euro.
Durch den Zusammenschluss solle „ein europäischer Marktführer“ entstehen. Ziel sei, Banca Generali in die Vermögensverwaltung von Mediobanca einzugliedern. Das Geschäft soll bis Ende Oktober 2025 abgeschlossen sein.
Mediobanca ist bekannt als Investmentbank und Kreditgeber der italienischen Industrie, baut aber gerade die Vermögensverwaltung massiv aus. Das Geldhaus ist seinerseits mit einer feindlichen Übernahmeofferte konfrontiert, die es bislang abwehrt, Bieter ist der kleinere heimische Rivale Monte dei Paschi di Siena (MPS).
Schlüsselspieler in dem Dealgeflecht sind auch der römische Unternehmer Francesco Caltagirone und die nationalistische Regierung von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Deutliche Kursgewinne
„Wir haben die Banca Generali seit Jahren als die beste Übernahmemöglichkeit für uns gesehen“, sagte Mediobanca-Chef Alberto Nagel auf einer Analystenkonferenz. Auf die Frage, ob es sich um eine freundliche Offerte handelt, antwortete Nagel: „Wir haben diesen Deal nicht mit Generali oder Banca Generali verhandelt, aber wir wollen jetzt mit Verhandlungen beginnen, die für alle drei vorteilhaft sein können.“
Der Versicherer hat sich bislang nicht zu der Offerte geäußert. Die Analysten der US-Großbank JP Morgan gehen davon aus, dass der Versicherer die Offerte für seine Bankentochter akzeptieren wird.
Basierend auf dem Börsenwert der Banca Generali nach Handelsschluss am Freitag bedeutet das vorgelegte Angebot einen Aufschlag von mehr als elf Prozent. Am Montag stieg der Kurs von Banca Generali an der Mailänder Börse um rund acht Prozent, die Aktien von Mediobanca lagen mit 0,5 Prozent im Minus.
Die Zustimmung seiner Aktionäre plant Mediobanca Mitte Juni einzuholen. Das Institut ist mit 13 Prozent bereits der größte Anteilseigner der Versicherung Generali. Die nun geplante Übernahme will Mediobanca mit dem Verkauf dieser Anteile finanzieren.
Wie sich die Beteiligten entscheiden, wird relevant sein für die gesamte italienische Finanzbranche. Denn es geht um die Frage, ob neben den beiden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo mit MPS, Mediobanca und Generali eine dritte große italienische Finanzgruppe entsteht.
Mitte April sicherte sich MPS-Vorstandschef Luigi Lovaglio die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit der Aktionäre dafür, der Mediobanca ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Es lautet auf 12,5 Milliarden Euro. Dabei konnte sich Lovaglio auch auf die Rückendeckung der italienischen Regierung verlassen, die noch immer zwölf Prozent an der einstigen Krisenbank hält.
Sie musste 2017 nach einer Reihe von Skandalen mit 5,4 Milliarden Euro Steuergeldern gerettet werden. Insgesamt kostete die Stabilisierung des Instituts den italienischen Staat über sieben Milliarden Euro. Erst seit 2023 schreibt MPS wieder schwarze Zahlen.
Unterstützt wird die MPS-Offerte für Mediobanca von regierungsnahen Unternehmern wie dem Bau- und Medienunternehmer Francesco Caltagirone und der Delfin-Holding, die die Interessen der Erben des inzwischen verstorbenen Leonardo Del Vecchio vertritt, Gründer des weltgrößten Brillenherstellers Luxottica. Gemeinsam kommen beide auf einen Anteil von rund 18 Prozent an MPS und 27 Prozent an Mediobanca.
Mediobanca-Chef Alberto Nagel lehnt das MPS-Angebot allerdings als feindlich ab: Es ergebe wirtschaftlich keinen Sinn und vernichte Wert. Nach Einschätzung der Analysten der italienischen Investmentbank Equita würde die Offerte von MPS weniger attraktiv, wenn Banca Generali einer Übernahme durch Mediobanca zustimmt.
Gescheiterte Rebellen
Caltagirone und Delfin sind auch Anteilseigner der Generali – gemeinsam kommen sie auf 17 Prozent – und dort auf Konfrontationskurs zum Großaktionär Mediobanca. Bereits 2022 versuchten sie, Generali-Chef Philippe Donnet zu stürzen, indem sie einen Gegenkandidaten präsentierten, scheiterten aber am Widerstand von Mediobanca als Großaktionär.
Auf der Hauptversammlung vergangene Woche wiederholte sich die Auseinandersetzung. Das Caltagirone-Lager stellte eine Liste mit sechs Kandidaten für das Board von Generali auf. Mediobanca unterstützte auch dieses Mal Donnet und präsentierte eine eigene Liste mit zwölf Kandidaten für das Generali-Board. Am Ende entschieden sich die Aktionäre für die Vorschläge von Mediobanca. Das bedeutet, dass im neuen Board des Versicherers zehn Kandidaten von der Mediobanca-Liste sitzen werden – darunter Donnet – und drei von der Caltagirone-Liste.
Damit dürfte sich Donnet nicht nur die Unterstützung für eine weitere Amtszeit gesichert haben, sondern auch für seinen Plan, die Vermögensverwaltungssparte von Generali in ein Joint Venture mit der französischen Natixis einzubringen. Dieser internationale Deal war auf den Widerstand Caltagirones und der Regierung in Rom gestoßen.
Die Partnerschaft biete nur wenige wirtschaftliche Vorteile. Wenn Generali einen Partner suche, dann sollte der aus Italien kommen, sagte Caltagirone vor wenigen Tagen in einem Interview. Aus ähnlichen Gründen war auch die Regierung in Rom gegen den italienisch-französischen Deal.