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Banken Premiere im Taunus: Die erste „Volks-Sparkasse“ legt los

Die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse eröffnen ihre erste Gemeinschaftsfiliale. 25 weitere „Finanzpunkte“ sollen bis Ende 2020 folgen.
19.12.2019 - 17:44 Uhr Kommentieren
Beim „Finanzpunkt“ arbeiten Sparkasse und Volksbank im Taunus unter einem Dach. Quelle: dpa
Sparkasse und Volksbank kooperieren erstmals

Beim „Finanzpunkt“ arbeiten Sparkasse und Volksbank im Taunus unter einem Dach.

(Foto: dpa)

Bad Soden Anfang 2019 gab es in Neuenhain, einem Stadtteil der Taunus-Gemeinde Bad Soden, plötzlich gar keine Bankfiliale mehr. Die Frankfurter Volksbank schloss ihre Geschäftsstelle, die Taunus Sparkasse hatte sich schon vorher mitsamt des Personals zurückgezogen. Es blieben: Geldautomaten.

Eine Entwicklung, die bundesweit viele kleine Orte und oft auch Teile größerer Städte trifft. Etliche Genossenschaftsbanken, private Banken und Sparkassen bauen in großem Stil Geschäftsstellen ab oder haben das bereits getan.

In Neuenhain allerdings ist dieser Trend gerade wieder gestoppt worden: Die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse sind zusammen zurückgekehrt und wieder mit Mitarbeitern präsent.

Die beiden Geldhäuser haben am Donnerstag ihre erste Gemeinschaftsfiliale eröffnet. 25 weitere „Finanzpunkte“ sollen bis Ende 2020 folgen. Die Chefin der Frankfurter Volksbank, Eva Wunsch-Weber, sagte: „Mit den Finanzpunkten bieten wir das, was vielen Kunden nach wie vor wichtig ist: Wir bleiben Ansprechpartner für sie vor Ort.“

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    Die zwei Kreditinstitute hatten Anfang September angekündigt, künftig gemeinsam Filialen zu betreiben und sich bei der Besetzung abzuwechseln. In Neuenhain sind an zwei Tagen pro Woche nur Mitarbeiter der Sparkasse vor Ort, an zwei anderen Tagen Mitarbeiter der Volksbank. An einem Tag hat die Filiale geschlossen.

    Immer wenn Volksbank-Mitarbeiter da sind, leuchtet der von außen sichtbare Beratungstresen in der Filiale in Blau. An den Sparkassen-Tagen leuchtet er rot.
    Eine solche flächendeckende Kooperation zwischen einem öffentlich-rechtlichen und einem genossenschaftlichen Institut, eine Art „Volks-Sparkasse“, ist neu. Es gibt zwar bundesweit bereits etliche Fälle, in denen sich eine Sparkasse und eine Volksbank eine Filiale teilen, aber meist geht es dabei allenfalls um einige wenige Standorte oder sogar nur um eine Geschäftsstelle.

    Oliver Klink, Chef der Taunus Sparkasse, sieht darin einen „einmaligen, strategischen und wirklich flächendeckenden Ansatz“. Allerdings stehen in neun der „Finanzpunkte“ nur Geldautomaten, es sind also keine Filialen mit Mitarbeitern.

    Seltene Partnerschaft

    Die Zusammenarbeit in diesem Umfang ist bemerkenswert, weil Sparkassen und Genossenschaftsbanken eigentlich Rivalen sind und sich gegenseitig noch mehr als Wettbewerber betrachten als gegenüber Onlinebanken. Die knapp 380 Sparkassen sind mit rund 35 Millionen Girokonten Marktführer in Deutschland, die rund 850 Volks- und Raiffeisenbanken zählen knapp 26 Millionen Girokonten.

    Wunsch-Weber und Klink hatten sich offen dafür gezeigt, dass weitere Sparkassen und Genossenschaftsbanken aus der Region sich ihrem Modell anschließen. Doch bislang halten sich andere Häuser zurück. Die Frankfurter Sparkasse, die größte Sparkasse in der Rhein-Main-Region, erklärte auf Anfrage, sie verfolge die Initiative der Gemeinschaftsfilialen mit Interesse, sieht derzeit aber keinen Bedarf, eine ähnliche Kooperation einzugehen.

    So hat die Sparkasse bei einer Filialschließung in Frankfurt geprüft, ob sie in der Nähe eine Geschäftsstelle gemeinsam mit einem anderen Kreditinstitut betreiben könnte. Das Ergebnis: Die nächstgelegene Bankfiliale überhaupt ist eine eigene.

    Andere Sparkassen können sich eine ähnliche Kooperation ebenfalls nicht vorstellen. Ein Sprecher der Kreissparkasse Köln, die zu den größten Sparkassen in Deutschland zählt und ein besonders großes Geschäftsgebiet hat, sagte: „Es ist grundsätzlich kein Modell, über das wir nachdenken.“

    Sie versucht vielmehr, mit einem Sparkassenbus, einer mobilen Filiale, in möglichst vielen Orten präsent zu bleiben.

    Auch Beobachter rechnen nicht damit, dass die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse viele Nachahmer finden. Niklas Lach, Co-Geschäftsführer der Unternehmensberatung Beike-Lach, erwartet, dass gemeinsame Filialen nur punktuell und nicht in der Breite umgesetzt werden.

    Er stuft das Vorgehen der Frankfurter Volksbank und der Taunus Sparkasse erst einmal als „eine Art Experiment“ ein.
    Lach meint, dass es Geldhäusern schwerfallen könnte, im direkten Kundenkontakt zu kooperieren: „Wir sehen auch die Gefahr, dass Kunden die Orientierung verlieren und am Ende gar nicht mehr klar zwischen Bank und Sparkasse differenzieren könnten.“ Ob unterschiedliche Farben bei der Ausleuchtung der Filialen ausreichten, müsse sich erst noch zeigen.

    Auch der Taunus Sparkasse, die ihren Hauptsitz in Bad Homburg hat, und der Frankfurter Volksbank ist klar, dass sie Wettbewerber bleiben. Klink betonte, dass sie im Kundengeschäft „natürlich Konkurrenten“ seien. Man nutze nur gemeinsame Räumlichkeiten.

    Filialschließungen als Balanceakt

    Die Frankfurter Volksbank ist im Zuge mehrerer Fusionen stark gewachsen und mit einer Bilanzsumme von gut zwölf Milliarden Euro die zweitgrößte Volksbank in Deutschland. Sie ist mehr als doppelt so groß wie die Taunus Sparkasse.

    Was beide Bankengruppen aber eint: Gerade für Sparkassen und Volksbanken sind Filialschließungen ein Balanceakt. Die regional verwurzelten Kreditinstitute betonen immer wieder, dass sie sich nicht aus der Fläche zurückziehen wollen.

    Schließlich ist die Nähe zum Kunden ein essenzieller Teil der Daseinsberechtigung von Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

    Zuletzt hat sich das Filialsterben in Deutschland beschleunigt. 2018 sank die Zahl der Geschäftsstellen um genau 2239 auf 27.887 Filialen, ermittelte die Bundesbank.

    Das ist ein Minus von 7,4 Prozent und ein deutlich stärkerer Rückgang als in den Vorjahren.

    In diesem Jahr dürfte die Bilanz ähnlich sein. In den vergangenen Wochen haben mehrere regionale Kreditinstitute angekündigt, einen erheblichen Teil ihrer Geschäftsstellen zu schließen.

    So streicht beispielsweise die Sparda-Bank West sogar mehr als die Hälfte ihrer Filialen. 43 von 82 Geschäftsstellen sollen bis Ende 2022 wegfallen, kündigte die Genossenschaftsbank kürzlich an.

    Dahinter stecken im Wesentlichen zwei Gründe: Auf der einen Seite müssen die Banken sparen und ihre Kräfte auf die Digitalisierung konzentrieren. Auf der anderen Seite führt die Digitalisierung dazu, dass die Filialen zusehends verwaisen.

    Gerade Onlinebanken und sogenannte Neobanken, deren Kernangebot eine Smartphone-App fürs Konto ist, gewinnen viele neue Kunden. Das gilt besonders für die Berliner Smartphone-Bank N26.

    In Neuenhain allerdings dürfte der „Finanzpunkt“ zumindest vorerst gut besucht sein. Klink sagte, man sei einen Tag zuvor bereits vor Ort gewesen, und es habe auch schon Interesse gegeben: „Wir mussten Kunden abweisen und Ihnen sagen: ‚Sie können erst morgen kommen.‘“

    Mehr: Auch die Deutsche Bank will ihr Filialnetz noch einmal verkleinern.

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