Frankfurt: Top-Lobbyisten von Sparkassen und Volksbanken bleiben Treffen fern
Frankfurt. Es ist ein großes Treffen der Finanzbranche, zu dem der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) eingeladen hat. Das von ihm wiederbelebte hochrangig besetzte „Finanzplatzkabinett“ soll am Mittwoch in den Räumen der Commerzbank zusammenkommen. Neben Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp soll dem Vernehmen nach auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dabei sein.
Doch ein wichtiger Teil der deutschen Finanzbranche wird fehlen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) und der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) haben ihre Teilnahme an dem hochrangig besetzten Treffen abgesagt, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr. Zuerst hatte der Branchendienst „Platow Brief“ berichtet.
Das Ziel dieses „Finanzplatzkabinetts“ ist die Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt. Hessens Ministerpräsident hatte diesem Gremium neues Leben eingehaucht, nachdem sich die italienische Großbank Unicredit Anteile an der Commerzbank gesichert hatte und Interesse an einer Übernahme angekündigt hatte.
Rhein gilt als Gegner einer solchen Fusion. Er sieht die Gefahr, dass der Finanzplatz Frankfurt dann an Bedeutung verlieren könnte, wenn nach einer solchen Übernahme wichtige Funktionen der Commerzbank von Frankfurt nach Mailand abwandern könnten.
Dass weder BVR-Chefin Marija Kolak noch DSGV-Präsident Ulrich Reuter am Mittwoch vor Ort sind, begründen die beiden Lobbyverbände in einem gemeinsamen Schreiben an Rhein. Demnach halten sie den Fokus allein auf Frankfurt und auf Großbanken für falsch.
Nicht nur „eine einzelne Metropolregion“
„Eine Strategie zur Stärkung des deutschen Finanzsektors kann nicht auf eine einzelne Metropolregion zugeschnitten sein“, heißt es in dem Brief von BVR und DSGV. Finanzmarktpolitik sollte zudem „nicht einseitig auf kapitalmarktorientierte Institute ausgerichtet sein“. In Finanzkreisen hieß es, auch die implizite Unterstützung für die Commerzbank, die mit der Veranstaltung verbunden sei, sei für einige ein Störfaktor gewesen.
Der BVR vertritt die gesamte genossenschaftliche Finanzgruppe. Im Zentrum stehen aber die rund 670 Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparda-Banken, PSD Banken und Spezialinstitute, die meist in einem regional abgesteckten Geschäftsgebiet tätig sind. Der DSGV spricht vor allem für die rund 350 Sparkassen.
Die hessische Landesregierung erklärte auf Aufrage, sie nehme die Entscheidung von BVR und DSGV „mit Respekt zur Kenntnis“. Sie betonte ihr Bekenntnis zum sogenannten Drei-Säulen-Modell. Damit ist gemeint, dass in Deutschland private und genossenschaftlich organisierte Banken sowie öffentlich-rechtliche Geldhäuser, die Sparkassen und Landesbanken, nebeneinander bestehen.
Frankfurter Sparkasse und Volksbank sind dabei
Es ist auch nicht so, dass Institute aus dem Sparkassen- und Genossenschaftssektor der Veranstaltung komplett fernbleiben: Die Landesregierung verwies darauf, dass mit der Landesbank Hessen-Thüringen, der Frankfurter Sparkasse und der Frankfurter Volksbank „starke Vertreter“ von Sparkassen und Genossenschaftsbanken involviert seien.
Auch der Chef der genossenschaftlichen DZ Bank, Cornelius Riese, soll dem Vernehmen nach teilnehmen. „Wir bekräftigen die Bedeutung dezentraler Kreditinstitute, sehen aber in der aktuellen Markt- und Weltlage mit Frankfurt vor allem auch die große Bedeutung eines zentralen, international wettbewerbsfähigen und starken Finanzplatzes in Deutschland und Europa“, hieß es von der Landesregierung.