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BankenWie die Sparkassen sich für den Wettbewerb mit Trade Republic rüsten

Die Sparkassen wollen in das Depot-Angebot der Tochter Deka investieren. Es soll als Basis für den besseren Wertpapierhandel per App dienen. Damit wollen sie mehr junge Kunden gewinnen.Elisabeth Atzler, Andreas Kröner 15.07.2025 - 09:35 Uhr Artikel anhören
Logo der Sparkassen: Die öffentlich-rechtlichen Banken haben im Wertpapiergeschäft Marktanteile an Neobroker verloren. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Frankfurt. Die Sparkassen wollen im Wertpapiergeschäft weitere Kapitalabflüsse an private Konkurrenten wie Trade Republic verhindern. Sie haben deshalb beschlossen, ihre Infrastruktur zu überarbeiten und das Depotangebot ihrer Fondstochter Deka zu modernisieren. „Um unsere Angebote immer auf dem technisch modernsten Stand zu halten, müssen wir auch in die Wertpapierdepotstruktur kontinuierlich investieren – das tun wir“, sagte Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), dem Handelsblatt.

Depots sind für die Abwicklung von Handelsgeschäften und die Verwahrung von Wertpapieren nötig. Im Deka-Depot soll dies künftig nicht nur für Fonds, sondern zum Beispiel auch für Aktien möglich sein. Die Sparkassen-Fondstochter werde „die Umsetzung der neuen Depotplattform vorbereiten, einen Zeit- und Maßnahmenplan erstellen und baldmöglichst starten“, hieß es am Freitag in einem internen Schreiben von Reuter an die Sparkassenvorstände, das dem Handelsblatt vorliegt.

Für Nervosität bei vielen Sparkassen sorgt schon länger, dass sie im Privatkundengeschäft Marktanteile an die private Konkurrenz verlieren – besonders im Wertpapiergeschäft. Die Zahl der Wertpapierkunden wachse insgesamt zwar leicht, erklärte Reuter. „Insbesondere in den Altersgruppen von 14 bis 39 und von 40 bis 49 Jahren sind wir aber deutlich unterrepräsentiert und stellen Mittelabflüsse fest.“

Reuter warnt in dem Informationspapier an die Sparkassenvorstände: „Das gibt neuen Anbietern die Möglichkeit, uns von dieser Grundlage aus zunehmend im täglichen Bankgeschäft mit Konto und Karte anzugreifen.“ Das wirke sich besonders bei sogenannten digitalen Selbstentscheidern negativ aus – also Kunden, die Finanzprodukte ohne Beratung kaufen oder verkaufen.

Die Deka führt rund 5,7 Millionen Wertpapierdepots von Sparkassenkunden. Bei der Deutschen Wertpapier Service Bank (DWP), die im Wesentlichen zwei regionalen Sparkassenverbänden sowie dem genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank gehört, gibt es Branchenkreisen zufolge weitere zwei Millionen Depots von Sparkassenkunden. Dabei dürfte es teils Überschneidungen geben.

Sparkassen verlieren Marktanteile

Zum Vergleich: Allein der Neobroker Trade Republic zählt rund fünf Millionen Kundinnen und Kunden in Deutschland. Das Berliner Start-up bietet inzwischen zudem ein Girokonto und Debitkarten an. Auch andere Fintechts wie Scalable und Revolut bieten Wertpapierhandel an und wachsen stark.

Nach einer Erhebung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma PwC haben private Banken, getrieben durch die Neobroker, ihren Marktanteil bei Wertpapierdepots binnen 20 Jahren um fast drei Viertel erhöht. Der Anteil stieg von 2004 bis 2024 von 35 auf 59 Prozent. Bei Sparkassen und Landesbanken sank er dagegen von 26 auf 21 Prozent.

Besonders viel Anlagekapital sei zuletzt an den Neobroker Trade Republic abgeflossen, berichten mehrere Sparkassenvorstände – und fordern gruppenweit bessere Lösungen. Dass die Sparkassen bei der Abwicklung und Verwahrung der Wertpapiere weiterhin auf zwei Anbieter – die Deka und die DWP – setzen und bei beiden investieren, kommt bei einigen im Sektor nicht gut an.

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Ein Sparkassenmanager befürchtet, dass die Deka und die DWP nun wieder „durchs Land“ ziehen, um jeweils bei den Sparkassen um möglichst viel Geschäft zu werben. „Wir kämpfen gegeneinander statt gegen Trade Republic“, moniert der Manager.

Andere in der Gruppe finden es dagegen gut, dass die Sparkassen mit der Deka und der DWP weiterhin zwei Anbieter haben, die sich gegenseitig Konkurrenz machen und somit im Idealfall auch für niedrigere Preise sorgen. Zudem ist die DWP aus ihrer Sicht gerade bei der Abwicklung komplexerer Geschäfte eine wichtige Alternative zur Deka.

DSGV-Chef Reuter auf dem Handelsblatt Banken-Gipfel 2024 mit Handelsblatt-Redakteurin Atzler (Archivbild): Reuter plädiert für Wettbewerb unter den Sparkassen-Depot-Anbietern. Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

DSGV-Chef Reuter verteidigte die Strategie mit zwei Anbietern im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Die Sparkassen haben in aller Regel gute und belastbare Beziehungen zur Deka und zur DWP-Bank“, erklärte er. „Das wird auch in Zukunft so bleiben.“ Am Ende entscheide jedes Haus selbst, wie es im Wertpapiergeschäft vorgehe.

Sparkassen wollen auch ihre App verbessern

In der Sparkassen-Finanzgruppe war lange über die künftige Depotstrategie gerungen worden. Unter anderem stand zur Debatte, dass die Deka Depots an die DWP überträgt oder auch Anteile an der DWP übernimmt. Diese liegen bislang zu 40 Prozent bei zwei regionalen Sparkassenverbänden aus Nordrhein-Westfalen.

Die Investitionen in das Deka-Depot sind Teil des Projekts „Vision Depot“. Dabei soll ein neues standardisiertes Depotangebot in die Sparkassen-App integriert werden.

So ist geplant, dass Sparkassenkunden künftig direkt aus der App heraus Aktien und börsennotierte Indexfonds (ETFs) kaufen können. Zudem haben die Sparkassen gerade entschieden, dass sie ein Angebot für den Handel mit Kryptowährungen per App starten wollen.

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Erstpublikation: 04.07.2025, 19:25 Uhr.

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