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Bilanz-Skandal Singapur erhebt erste Anklage im Wirecard-Skandal

Die Behörden in Singapur werfen einem früheren Wirecard-Treuhänder betrügerische Absichten vor. Die Ermittler vermuten, dass Dokumente gefälscht wurden.
07.08.2020 - 12:15 Uhr 1 Kommentar
Die Behörden des Stadtstaates haben einen ehemaligen Wirecard-Treuhänder angeklagt. Quelle: dpa
Blick auf Singapur

Die Behörden des Stadtstaates haben einen ehemaligen Wirecard-Treuhänder angeklagt.

(Foto: dpa)

Bangkok Die juristische Aufarbeitung des Wirecard-Skandals kommt auch in Asien voran: Die Behörden in Singapur haben eine erste Anklage erhoben. Sie werfen dem lokalen Geschäftsmann S. vor, vorsätzlich und in betrügerischer Absicht Dokumente gefälscht zu haben. Das geht aus Anklageschriften hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.

S. trat jahrelang als Wirecard-Treuhänder in Asien auf und hatte zahlreiche Verbindungen zu dubiosen Partnerfirmen von Wirecard. Singapurs Behörden werfen ihm nun vor, seit März 2016 bewusst falsche Angaben über Treuhandkonten von Wirecard gemacht zu haben. Er soll die Existenz von Guthaben in dreistelliger Millionenhöhe bescheinigt haben, obwohl es das Geld auf den Konten nicht gegeben habe.

Der Beschuldigte war bis Ende des vergangenen Jahres verantwortlich für die Treuhandkonten von Wirecard in Asien. Laut dem Sonderprüfbericht von KPMG legte er aber Ende vergangenen Jahres sein Mandat nieder – und sei danach für die Prüfer nicht mehr erreichbar gewesen.

Wirecard präsentierte anschließend einen Anwalt auf den Philippinen als neuen Treuhänder, der für insgesamt 1,9 Milliarden Euro zuständig gewesen sein soll. Wirecards Absturz begann, als sich im Juni herausstellte, dass die Bankbelege über die entsprechenden philippinischen Konten offenbar gefälscht waren.

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    Die Vorwürfe gegen S. in Singapur unterstreichen die Vermutung, dass es bereits seit Jahren zu Manipulationen gekommen sein könnte. Den Anklageschriften zufolge soll S. im März 2016 gegenüber der Wirecard AG die Existenz von Millionensummen auf Treuhandkonten fälschlicherweise bestätigt haben. Es ging dabei um angebliche Guthaben von insgesamt 143,4 Millionen Euro, verteilt auf drei verschiedenen Konten, die in Wahrheit nicht existiert haben sollen.

    Es drohen bis zu zehn Jahren Haft

    Ein Jahr später soll er eine falsche Bestätigung über ein Guthaben von 177,5 Millionen Euro gegenüber der Tochter Wirecard UK & Ireland abgegeben haben. Die Vorwürfe können laut Singapurs Strafrecht mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet werden. Der Anwalt von S. wollte auf Handelsblatt-Anfrage am Freitag keinen Kommentar zu den Vorwürfen abgeben.

    S. war zuletzt Direktor des singapurischen Unternehmens Citadelle, einem Dienstleister, der bei Firmengründungen in dem südostasiatischen Stadtstaat hilft. Im Fall Wirecard taucht sein Name nicht nur als Treuhänder auf. Er war auch mit dem undurchsichtigen Geflecht aus angeblichen Geschäftspartnern Wirecards verbunden.

    Grafik

    Sein Name fand sich etwa im Handelsregistereintrag der Firma Ocap, die von Wirecard 2018 einen Kredit in Höhe von knapp 120 Millionen Euro erhalten hatte. Auch bei lokalen Firmen mit Namen wie Inventures und International Techno Solutions tauchte sein Name nach Handelsblatt-Informationen in den Registerauszügen auf.

    Die Firmen waren bereits im vergangenen Jahr in das Visier der Strafermittler in Singapur geraten. Sie standen schon damals im Verdacht, in dubiose Geschäfte mit Wirecard verwickelt gewesen zu sein, bei denen es unter anderem um den Vorwurf vorgetäuschter Umsätze ging.

    Tod des ehemaligen Wirecard-Asienchefs wird untersucht

    Singapur ist nicht das einzige Land in Asien, in dem die Behörden zum Fall Wirecard ermitteln. Auch auf den Philippinen laufen Untersuchungen zu Geschäftspartnern des Zahlungsabwicklers. Philippinen Justizbehörden zufolge werden die Ermittlungen monatelang dauern, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Presse-Agentur. Die Anti-Geldwäsche-Behörde der Regierung in Manila überprüfe demnach im Zusammenhang mit dem Skandal mittlerweile fünfzig Menschen und Organisationen. Der angebliche Tod des Chefs von einer Wirecard-Partnerfirma ist dabei das jüngste Kapitel, das die Ermittler beschäftigt.

    Justizminister Menardo Guevarra sagte am Freitag, die Behörden würden derzeit versuchen herauszufinden, ob es sich bei dem auf einem Totenschein genannten Mann namens Christopher B. um die gleiche Person handele, die auch im Fokus der Ermittlungen stand. Guevarra sagte auch, dass die Kontoeingänge von B. überprüft worden seien, nannte aber keine weiteren Details. B. verstarb laut Zeitungsannonce seiner Familie vergangene Woche in Manila im Alter von 44 Jahren.

    Mehr: Anti-Geldwäsche-Einheit findet noch mehr Hinweise gegen Wirecard

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    1 Kommentar zu "Bilanz-Skandal: Singapur erhebt erste Anklage im Wirecard-Skandal"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Aktuell kann man wohl den Beteiligten Scammern keinen größeren Gefallen tun, als von Luftbuchungen auszugehen. Der Raubzug kommt jetzt in die entscheidende Phase : den Aktionären Glauben machen, dass die Guthaben niemals existiert haben. m.E. wird es das Asiengeschäft mit den Kommissionen durchaus gegeben haben - vielleicht nicht ganz in der angegebenen Höhe, aber durchaus lukrativ. Nur leider fühlte sich der Treuhänder offensichtlich nicht der Fa. Wirecard verpflichtet, sondern nur Herrn M. bzw. dessen Führungsoffizieren im Geheimdienst.

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