Bilanzskandal: Millionenschwere Übernahmen und dubiose Partner: Wirecards Geschäft mit überteuerten Zukäufen
In schlechtem Licht stehen auch die Anwaltskanzleien da, die Wirecard bei seinen Deals begleiteten.
Foto: action pressDüsseldorf, Frankfurt. Nicht einmal 20 Leute arbeiteten im Mai 1999 für die kleine Spezialfirma aus dem Münchener Speckgürtel, aus der einmal ein Dax-Konzern mit Weltgeltung werden sollte – zumindest wenn es nach den Ambitionen des Vorstands ging. 6343 Mitarbeiter hatte Wirecard 2020, kurz vor dem Untergang.
Möglich machte den sagenhaften Aufstieg die überragende Technik des Zahlungsdienstleisters, so erzählte es jedenfalls Vorstandschef Markus Braun. Die Realität war eine andere: Vor allem Übernahmen und Neugründungen von Firmen befeuerten Wirecards Wachstumsstory, wie heute immer deutlicher wird. Sie führten letztlich mit zum Untergang.
Nach dem Auffliegen des Bilanzskandals ist klar: Viele Zukäufe haben keine oder nur wenig Substanz. Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat größte Mühe, Teile des weitverzweigten Firmengeflechts zu verwerten. Dabei erfolgten einige Zukäufe oft erst vor wenigen Jahren und teils zu horrenden Preisen.
Recherchen des Handelsblatts zeigen, dass die meisten Akquisitionen Wirecards, vor allem im asiatischen Raum, den optimistischen Gewinnprognosen des Unternehmens nie gerecht wurden. Die zahlreichen Tochterunternehmen erwirtschafteten etwa 2018 Gewinne im niedrigen einstelligen Millionenbereich, wenn überhaupt. Eine der bekanntesten und fragwürdigsten Übernahmen war der Kauf der Firmengruppe um Hermes i Tickets als Teil eines 340 Millionen schweren Indiendeals. Teil davon war die Firma GI Technology, sie machte rund 600.000 Euro Verlust.