Bitcoin: Sparkassen wollen Einstieg in Krypto-Handel erneut prüfen
Frankfurt. Die Sparkassen erwägen erneut, ihren Kundinnen und Kunden künftig den Handel mit Kryptowährungen zu ermöglichen. Die Vertreter ihres Lobbyverbands DSGV (Deutscher Sparkassen- und Giroverband) hätten am Mittwoch beschlossen, dass die Haltung der Sparkassen-Finanzgruppe überprüft werden solle, und einen entsprechenden Arbeitsauftrag erteilt, hieß in Finanzkreisen.
Eine Entscheidung darüber, ob der Handel mit Kryptowährungen für Sparkassenkunden kommt, steht damit aber noch aus. In der Vergangenheit hatte der DSGV ein Kryptoangebot abgelehnt.
Der DSGV äußerte sich dazu nicht. Dass sich die Sparkassen mit dem Kryptohandel jetzt erneut befassen, liegt Insidern zufolge daran, dass das Interesse an dem Investmentzweig wächst. Kryptowährungen sind digitale und virtuelle Währungen, die in den vergangenen Monaten immer beliebter und wertvoller geworden sind.
Der Bitcoin hat sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt und notierte am frühen Mittwochabend bei gut 95.000 Dollar. Die Wette auf eine kryptofreundliche Regulierung unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump trieb die älteste und wichtigste Kryptowährung und andere wie Ethereum in den vergangenen Monaten an.
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Insidern zufolge beschäftigten sich die Sparkassen auch deshalb wieder mit dem Thema, weil die Kryptobranche in der Europäischen Union inzwischen besser reguliert wird. Ein Teil der Richtlinie Mica (kurz für „Markets in Crypto Assets“) ist bereits in Kraft getreten, der Rest folgt 2025. Mica soll unter anderem die Verbraucherrechte stärken.
Mehr als zwei Milliarden Euro Mittelabflüsse
Vor anderthalb Jahren hatten sich die Sparkassengremien nach längeren Debatten gegen das Angebot entschieden. Es sei Aufgabe von Sparkassen, „Kundinnen und Kunden vor unkalkulierbaren Risiken zu schützen“, erklärte der DSGV damals. „Deswegen empfehlen die Gremien den Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe, den Handel mit Kryptowährungen nicht anzubieten.“
Auch aktuell gibt es Insidern zufolge in der Sparkassen-Finanzgruppe unterschiedliche Positionen. Während manche Sparkassenmanager ein Angebot für den Handel mit Kryptowährungen weiterhin skeptisch sähen, seien andere offen dafür – gerade weil die Kunden sonst über andere Anbieter investieren würden.
Schon für das Jahr 2021 schätzten die Sparkassen nach Handelsblatt-Informationen, dass ihre Kunden netto gut zwei Milliarden Euro in Kryptowährungen angelegt hatten. Manche Beteiligte hätten zumindest befürwortet, dass es nun grünes Licht für ein grundlegendes Konzept zum Angebot von Kryptowährungen gebe.
Zudem wagen sich die Volks- und Raiffeisenbanken, die größten Konkurrenten der Sparkassen, bereits jetzt an den Handel mit Kryptowährungen. Ihr Spitzeninstitut, die DZ Bank, bereitet zusammen mit der Börse Stuttgart ein Angebot vor, über das Privatkunden in Kürze Kryptowährungen handeln können. Über die Börse Stuttgart können Privatkunden schon seit 2019 Kryptowährungen handeln, einige Banken kooperieren seit Längerem mit ihr.