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Britische GroßbankHSBC streicht 35.000 Stellen und kündigt radikale Restrukturierung an

Interimschef Noel Quinn streicht das Geschäft in den USA und Europa radikal zusammen – eine hohe Milliardenabschreibung ist die Folge. In Asien belastet das Coronavirus die Bank.Felix Holtermann, Michael Maisch, Carsten Volkery 18.02.2020 - 10:45 Uhr aktualisiert

Die britische Bank mit starkem Asien-Fokus hat einen tiefgreifenden Konzernumbau angekündigt.

Foto: AFP

London, Frankfurt. Die Nachricht, auf die er seit Langem hofft, kam am Dienstag nicht: Interimschef Noel Quinn wurde noch nicht zum permanenten Chef der britischen HSBC befördert. Die Kandidatensuche dauert an. Doch er tat alles, um sich dem Verwaltungsrat als harter Sanierer zu empfehlen.

In einem lange erwarteten Strategie-Update kündigte Quinn eine weitreichende Restrukturierung von Europas größter Bank an. Bis 2022 will er 4,5 Milliarden Dollar sparen und die Bilanz der Bank um 100 Milliarden Dollar erleichtern. Die Mitarbeiterzahl soll in den kommenden drei Jahren um 35.000 auf rund 200.000 sinken. Das ist viel mehr als erwartet. Im vergangenen Herbst war noch von 10.000 Stellenstreichungen die Rede gewesen.

In einer Telefonschalte mit Journalisten sagte Quinn, dass die Bank jedes Jahr rund 25.000 Mitarbeiter durch normale Fluktuation verliere. Man werde den Stellenabbau daher auch durch Ruhestand und andere Maßnahmen erreichen. 

Das Gros der Kürzungen fällt in der Investmentbanksparte an. Besonders betroffen sind die beiden Regionen mit der schlechtesten Performance: Das eingesetzte Kapital in Europa soll um 35 Prozent, das in den USA um 45 Prozent sinken. London soll die Zentrale des globalen Investmentbankings bleiben, aber das Handelsgeschäft und der Research werden geschrumpft.

Die Abteilung für strukturierte Produkte wandert nach Asien. In den USA wird neben dem Investmentbanking in New York auch das Privatkundengeschäft reduziert. Ein knappes Drittel der Filialen wird geschlossen – vor allem an der Ostküste. Die operativen Kosten sollen um zehn bis 15 Prozent sinken.

Harte Einschnitte werden auch im französischen Filialgeschäft erwartet. Details verkündete Quinn dazu noch nicht. Die Prüfung der gesamten Operation in Frankreich dauere an, sagte er. 

Die Asienwende der Bank hingegen soll beschleunigt werden. Die HSBC macht bereits die Hälfte ihres Umsatzes und den Großteil ihres Gewinns in Asien. Wie seine Vorgänger will Quinn mehr Kapital und Personal in die Wachstumsmärkte verlagern, obwohl sich auch hier der Ausblick dramatisch verschlechtert hat. Das Coronavirus könne zu Kreditausfällen und geringerem Umsatzwachstum in China und Hongkong führen, sagte Quinn. Verwaltungsratschef Mark Tucker sagte, das Umfeld sei „zunehmend herausfordernd“.

Finanzchef Ewan Stevenson sagte, die HSBC rechne wegen der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie mit einer steigenden Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite. Sollte der Ausbruch bis in die zweite Jahreshälfte andauern, könne die Bank zu zusätzlichen Rückstellungen von bis zu 600 Millionen Dollar gezwungen sein.

Auch die komplizierte Struktur der Bank will Quinn angehen. Die Zahl der Regionen wird von sieben auf vier reduziert. Das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung werden zusammengelegt. Der Chef des Privatkundengeschäfts, Antonio Simoes, muss gehen.

Quinn schätzt Restrukturierungskosten auf 7,3 Milliarden Dollar

Die Arbeit von HSBC-Deutschland-Chefin Carola von Schmettow hingegen scheint in der Londoner Zentrale durchaus Anerkennung zu finden. Im Januar wurde sie zum Group General Manager befördert, gemeinsam mit fünf anderen Top-Bankern, die eine „gute Performance, starke Werte und Loyalität zu HSBC“ bewiesen hätten.

Derzeit gibt es 66 dieser Group General Manager, die unterhalb des Boards rangieren. Von Schmettow ist erst die zweite Chefin von HSBC Deutschland, die in dieses Gremium aufrückt. Der letzte deutsche Vertreter war Sieghardt Rometsch, der bis 2004 Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des Deutschland-Ablegers war.

Die Kosten für die Restrukturierung schätzt Quinn auf insgesamt 7,3 Milliarden Dollar. Die Abschreibung belastet das Ergebnis für 2019. Der Gewinn vor Steuern brach um 33 Prozent auf 13,4 Milliarden Dollar ein, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Der Umsatz legte hingegen auf 56,1 Milliarden Dollar zu. Ohne den Sondereffekt wuchs der Vorsteuergewinn um fünf Prozent auf 22,2 Milliarden Dollar. Der Vorsteuergewinn im vierten Quartal übertraf sogar die Erwartungen der Analysten.

Aufgrund der Restrukturierung kündigte Quinn an, in den beiden kommenden Jahren auf Aktienrückkäufe zu verzichten. Die Dividende von 51 Pence pro Aktie wird jedoch beibehalten. Der Aktienkurs an der Hongkonger Börse fiel um 2,8 Prozent. In London fiel er sogar um mehr als fünf Prozent.

Weitere europäische Restrukturierungssaga

Die große Frage ist, ob die neue Strategie dieses Mal auch umgesetzt wird. Die meisten Analysten haben die HSBC-Aktie auf „underperform“ oder „sell“ eingestuft. „In den kommenden zwei Jahren wird HSBC eine weitere europäische Restrukturierungssaga sein“, prognostiziert Manus Costello vom Research-Haus Autonomous.

Seit 2013 hat Costello vier große Strategie-Ankündigungen gezählt – und keine hat die versprochenen Renditeziele gebracht. So hatte Quinns Vorgänger John Flint 2018 für dieses Jahr eine Eigenkapitalrendite von elf Prozent versprochen. Im Moment sieht es so aus, als werde sie wieder nur einstellig ausfallen. Im abgelaufenen Jahr betrug sie nur 8,4 Prozent.

Es hilft nicht, dass die Frage des Vorstandschefs weiterhin ungeklärt ist. Seit der Entlassung Flints im vergangenen August führt Quinn die Bank kommissarisch. HSBC-Kenner rechnen weiter damit, dass er bald zum permanenten Chef ernannt wird. Er selbst hat auch schon das Wörtchen „Interim“ aus seiner E-Mail-Signatur entfernt.

Doch dass er nun vor der Bekanntgabe der neuen Strategie nicht als Chef bestätigt wurde, wirft Fragen auf. Im Verwaltungsrat scheint es noch Vorbehalte zu geben. Verwaltungsratschef Tucker sagte, man werde die Personalie wie ursprünglich geplant binnen sechs bis zwölf Monaten nach Flints Abgang bekanntgeben.

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„Ich gehe davon aus, dass Quinn bleibt“, so eine Stimme aus dem deutschen Topmanagement. Ein anderer Insider verweist auf den großen Umbau, den die Bank bereits hinter sich habe: „Quinn hat so viele Positionen neu besetzt. Welcher CEO, der von außen kommt, möchte auf dieser Basis starten?“

Sollte es tatsächlich zu einer externen Lösung kommen, müssten ein weiteres Mal viele Positionen neu besetzt werden. Diese dauernde Unruhe könne die Bank aber eigentlich nicht gebrauchen, nun, da eine neue Strategie umgesetzt werden müsse. 

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