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Bundesbank-Befragung Banken erheben Minuszinsen auf ein Viertel der privaten Einlagen

Negativzinsen belasten immer mehr Privatkunden. Zahlen der Bundesbank zeigen, wie viele Sichteinlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten bereits betroffen sind.
18.11.2019 - 18:19 Uhr 1 Kommentar
Immer mehr Banken fordern Strafzinsen, auch von Privatkunden. Quelle: dpa
Minuszinsen

Immer mehr Banken fordern Strafzinsen, auch von Privatkunden.

(Foto: dpa)

Frankfurt Immer mehr Banken führen in diesen Tagen mit ihren Kunden heikle Gespräche. Bei diesen Verhandlungen geht es um das hochemotionale Thema Minuszinsen für private Sparer.

Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Absicht der Institute, die Strafzinsen, die ihnen die Europäische Zentralbank berechnet, an ihre Privatkunden weiterzugeben. Neue Zahlen der Bundesbank zeigen nun, wie verbreitet dieses Phänomen auf dem deutschen Markt mittlerweile ist.

Laut dem Monatsbericht der Notenbank für November meldeten 23 Prozent der von der Bundesbank befragten Banken einen „negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz“ für ihre Sichteinlagen. Das entspricht einem Viertel der gesamten Einlagen privater Haushalte bei deutschen Banken.

„Negative Zinsen werden hier vor allem von Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken berechnet“, schreibt die Bundesbank, die für ihre Berechnungen 220 Geldhäuser befragt hat. Die Notenbank hält die Ergebnisse aber für repräsentativ für den gesamten deutschen Bankensektor.

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    Sichteinlagen sind Guthaben, über die die Bankkunden jederzeit verfügen können, also vor allem Giro- und Tagesgeldkonten. Bislang verschonen die meisten Banken normale Privatkunden und erheben sogenannte „Verwahrentgelte“ und Minuszinsen vor allem von vermögenden und reichen Kunden. In der Regel betragen die von den Instituten eingeräumten Freibeträge mindestens 100.000 Euro.

    Wie schnell sich das Thema Minuszinsen für deutsche Privatkunden verbreitet, zeigt ein Rundschreiben des Bundesverbands deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), das dem Handelsblatt vorliegt. In dem Schreiben setzt sich der Lobbyverband der rund 860 Genossenschaftsbanken intensiv mit den rechtlichen Möglichkeiten zur Einführung von Minuszinsen auseinander und schlägt erstmals auch einen Vierstufenplan im Hinblick darauf vor, wie die Institute bei deren Einführung mit Kunden und Öffentlichkeit am besten umgehen sollten.

    Minus 0,5 Prozent Zinsen ab dem ersten Euro

    In der radikalsten Stufe werden dabei Negativzinsen im gesamten Mengengeschäft eingeführt, allerdings auch an Mindesteinlagen geknüpft. Aber auch die Freibeträge wackeln inzwischen, das zeigt das Beispiel Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck, die laut der Nachrichtenagentur dpa für neu eröffnete Tagesgeldkonten seit dem 1. Oktober 2019 einen Strafzins von 0,5 Prozent vom ersten Euro an berechnet.

    Vorstand Robert Fedinger betont, dass andere Kunden des Instituts von der Regelung bislang ausgenommen seien: „Wir wollen unsere langjährigen Kunden schützen, solange dies möglich ist.“

    Im Gegensatz zum Privatkundengeschäft bitten die Banken ihre Unternehmenskunden bereits beinahe flächendeckend zur Kasse. 58 Prozent der befragten Institute hätten einen negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz auf Sichteinlagen von Unternehmen gemeldet, heißt im Bundesbankbericht.

    Die Summe der Einlagen bei diesen Instituten entspricht 79 Prozent des gesamten Sichteinlagenvolumens von Unternehmen bei deutschen Banken. „Die Berechnung negativer Zinsen gegenüber Unternehmen scheint dabei eine über fast alle Bankengruppen hinweg übliche Praxis zu sein“, schreibt die Bundesbank.

    Noch sind die Minuszinsen für Firmen und Sparer ausschließlich eine Belastung. Aber das könnte sich ändern, denn die staatliche Förderbank KfW bereitet sich darauf vor, ihre Darlehen zu negativen Zinsen zu vergeben. Weil die KfW ihre Kredite nicht direkt, sondern über Geschäftsbanken vergibt, die auf die Konditionen noch eine Gewinnmarge aufschlagen, müssten die Endkunden aber nach wie vor auch für Förderkredite einen positiven Zins zahlen.

    Mehr: Sparkassenpräsident Schleweis kann sich Negativzinsen „für die breite Kundschaft“ nicht vorstellen. Welche Banken die Gebühren erheben, zeigt eine Studie.

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    1 Kommentar zu "Bundesbank-Befragung: Banken erheben Minuszinsen auf ein Viertel der privaten Einlagen"

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    • Ein negativer gewichteter Satz kleiner als 0 bedeutet nicht, dass alle Einlagen dieser Institute der Kunden mit Negativzinsen belastet ist, da es sich um ein gewichteten Durchschnitt handelt, Wenn dann 23 % der Banken, die 25 % der Einlagen melden, einen solchen durchschnittlichen Satz haben, ist es falsch, daraus zu schließen, dass 25 % der Einlagen von einem negativen Zinssatz betroffen sind. Wenn von einer Einlage von EUR 100 die eine Hälfte ohne Zinsen, die andere mit negative Zinsen von 0,5% abgerechnet wird, ist der durchschnittliche Zinssatz für die Einlagen -0,25 % und nur die Hälfte der Einlagen sind betroffen.

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