Christian Bittar: Ex-Händler der Deutschen Bank bekennt sich der Zinsmanipulation schuldig
Der Ex-Banker der Deutschen Bank hat sich schuldig bekannt.
Foto: ReutersLondon. Christian Bittars Rekord gilt bis heute. 2008 hatte der Händler der Deutschen Bank einen Bonus von 80 Millionen Euro bekommen – den höchsten in der Geschichte des Geldhauses. Niemand hat ihn je übertroffen.
Der einstige Star ist seitdem tief gefallen. Anfang des Monats bekannte er sich für schuldig, den Euribor-Zinssatz manipuliert zu haben. Das teilte das britische Serious Fraud Office (SFO) am Donnerstag mit. Die Behörde ist für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zuständig.
Der Name Bittar steht wie kaum ein anderer für die Betrügereien und die Exzesse der Finanzbranche vor dem Crash 2008. Der Franzose arbeitete bis 2011 auf dem Trading Floor bei der Deutschen Bank in London. Dann geriet er im Zuge des Libor-Zinsskandals ins Visier der Ermittler, 2015 wurde er zusammen mit anderen Bankern wegen Zinsmanipulation angeklagt.
Die Banker-Clique, darunter auch Mitarbeiter der britischen Großbank Barclays und der französischen Societe Generale, soll den Euribor, den Referenz-Zinssatz in der Euro-Zone, zum eigenen Vorteil manipuliert haben. Die Absprachen liefen über mehrere Jahre – von 2005 bis 2009.
Mit der London Interbank Rate (Libor) und ihrem europäischen Pendant Euribor werden die Zinssätze festgelegt, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen.
Bittars Anwälte hatten die Vorwürfe der Zinsmanipulation stets zurückgewiesen, nun hat er den Kampf offenbar aufgegeben – in der Hoffnung auf mildernde Umstände. Damit kann die britische Finanzaufsicht FCA ihre Sanktionen gegen den Franzosen umsetzen, die sie wegen des Strafprozesses aufgeschoben hatte. Die Aufseher hatten bereits 2014 eine Geldstrafe von zehn Millionen Pfund und ein Berufsverbot verhängt.
Die fünf Mitangeklagten Bittars müssen sich ab dem 9. April in London vor Gericht verantworten. Ursprünglich hatte das SFO sogar elf Banker im Visier. Vier ehemalige Händler der Deutschen Bank entgingen jedoch dem Prozess, weil das Oberlandesgericht Frankfurt und die Staatsanwaltschaft Auslieferungsersuchen der britischen Behörden nicht entsprochen hatten. Auch der angeklagte Händler der Societe Generale entkam der britischen Justiz.
Der Libor-Skandal hat schon mehrere Banker ihre Karriere gekostet. Vergangene Woche erst belegte die FCA den Deutsche-Bank-Händler Guillaume Adolphe wegen Libor-Manipulationen mit einer Strafe von 180.000 Pfund und einem Berufsverbot für die Finanzbranche. Der erste Händler, der im Libor-Skandal verurteilt wurde, war 2012 der Brite Tom Hayes. Der Ex-Mitarbeiter von UBS und Citigroup wurde zu elf Jahren Haft verurteilt.