Credit Suisse: Untersuchung entlastet Tidjane Thiam in Beschattungs-Affäre
Der Chef der Credit Suisse soll nichts von der Beschattungsaffäre gewusst haben.
Foto: ReutersZürich. Eine von der Großbank Credit Suisse eingeleitete Untersuchung zur Klärung einer neuen Beschattungs-Affäre hat Konzernchef Tidjane Thiam entlastet. „Es hat sich bestätigt, dass Peter Goerke – zu jenem Zeitpunkt Mitglied der Konzernleitung – im Auftrag der Credit Suisse während einiger Tage im Februar 2019 von einer Drittfirma beschattet worden ist“, erklärte das zweitgrößte Schweizer Geldhaus am Montag.
Nur vier Tage nach der Beschattung, am 26. Februar 2019, gab die Bank bekannt, dass Goerke aus der Konzernleitung ausscheidet. Damals hieß es, er solle als „Senior Advisor“ weiter eine wichtige Rolle spielen. „Die Untersuchung kam zum Schluss, dass Pierre-Olivier Bouée, ehemaliges Mitglied der Konzernleitung, den Auftrag erteilt hatte, Peter Goerke beschatten zu lassen.“
Die Abklärungen durch die Anwaltskanzlei Homburger hätten keine Hinweise ergeben, dass Thiam, andere Mitglieder der Konzernleitung oder Mitglieder des Verwaltungsrates von der Beschattung wussten, bevor in Medien darüber berichtet wurde, hieß es weiter.
Ende September war publik geworden, dass die Credit Suisse den langjährigen Chef ihrer Vermögensverwaltungssparte, Iqbal Khan, von Detektiven überwachen ließ, bevor dieser zum Rivalen UBS wechselte. Der Spitzelskandal brachte die Credit Suisse international in die Schlagzeilen. Bouée war nach der Affäre zurückgetreten und wurde dann von der Bank fristlos entlassen.
Damals hatte die Bank die Überwachung Khans als Einzelfall dargestellt. In dem Untersuchungsbericht der Kanzlei Homburger hieß es damals, man habe keine Hinweise gefunden, „dass die Credit Suisse weitere austretende Mitarbeiter überwachen ließ“.
„Bei der Befragung durch den Verwaltungsrat und der Untersuchung durch Homburger nach dem Fall Iqbal Khan haben die verantwortlichen Personen bei der Frage nach weiteren Beschattungen nicht wahrheitsgetreu Auskunft gegeben und die Beschattung Peter Goerkes verschwiegen“, erklärte die Bank.
Mehr: Angesichts eines schwierigen Umfelds wird die Schweizer Großbank in diesem Jahr weniger verdienen. Das Institut will mit zusätzlichen Sparmaßnahmen reagieren.