Märkte: Bafin droht Banken und Brokern nach Störungen mit Konsequenzen
Frankfurt. Die Finanzaufsicht Bafin fordert Verbesserungen von Brokern und Banken, die während des Börsenchaos im April mit Störungen gekämpft haben. Gewisse Handelsplattformen seien „in den Stresszeiten nicht durchgehend verfügbar“ gewesen, sagte Bafin-Chef Mark Branson am Mittwoch in Frankfurt. „Das muss für uns ein Thema sein. Nichts gegen günstig, aber eine Dienstleistung darf nicht genau dann ausfallen, wenn sie am meisten gebraucht wird.“
Die Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, weltweit hohe Zölle einzuführen, und seine Attacken auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed hatten Anfang April zu heftigen Ausschlägen an den Märkten geführt. Privatkunden beklagten sich damals auch auf Onlineseiten über Probleme bei Brokern wie Trade Republic und Scalable, aber auch über Schwierigkeiten bei Banken wie Comdirect, Deutsche Bank und ING.
Die Bafin habe während der Turbulenzen eine mittlere dreistellige Anzahl von Hinweisen erhalten, wonach Wertpapier- und Kreditinstitute wegen technischer Störungen nur eingeschränkt für Kunden erreichbar gewesen seien, ergänzte der für Verbraucherschutz zuständige Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch. Davon sei eine „geringe, zweistellige“ Zahl von Anbietern betroffen gewesen. „Das ist indiskutabel“, sagte Pötzsch.
Die Bafin habe deshalb zu Wochenbeginn eine breit angelegte Marktumfrage bei Finanzinstituten gestartet. Die entscheidende Frage sei, wie viel Prozent der Kunden ein Institut wirklich in Echtzeit bedienen könne, wenn ein hohes Ordervolumen auftrete, sagte Pötzsch.
Die Finanzaufsicht frage nun sowohl bei den betroffenen Anbietern als auch bei anderen Banken und Brokern ab, welche Handelskapazitäten sie in Relation zu ihrer Kundenzahl vorhalten. Zudem will die Bafin wissen, welche Kapazitätspuffer die Institute für turbulente Marktphasen zur Verfügung haben, in denen ungewöhnlich viele Anleger Wertpapiere handeln.
Brauchen Banken mehr Handelskapazitäten?
Die Bafin will dadurch einen Marktüberblick erhalten, der als Entscheidungsgrundlage für Maßnahmen gegen die von Störungen betroffenen Unternehmen dienen soll. Die Bafin kann dann nämlich vergleichen, welche Handelskapazitäten und Sicherheitspuffer der Marktstandard sind – und welche Puffer im Vergleich dazu die von den Störungen betroffenen Institute haben.
„Wenn die Puffer zu klein sind, müssen die halt erweitert werden“, betonte Pötzsch. „Wir erwarten von den betroffenen Instituten, dass sie technisch in der Lage sind, entsprechende Spitzen abzufangen.“
Insgesamt hätten die Finanzmärkte in diesen turbulenten Zeiten aber gut funktioniert, lobte Branson. Eine Preisfindung sei immer möglich gewesen, Liquiditätsengpässe habe es nicht gegeben.
Bemerkenswert war laut Branson jedoch, dass Investoren während der Börsenturbulenzen nicht wie in sonstigen Krisen in US-Staatsanleihen jeder Laufzeit flüchteten. Stattdessen verkauften sie neben Aktien dieses Mal auch amerikanische Bonds mit 10- und 30-jähriger Laufzeit und setzten stattdessen auf Papiere mit kürzeren Laufzeiten.
Es sei zu früh zu sagen, ob es sich dabei um eine Ausnahme gehandelt habe oder um eine Entwicklung, die bei der nächsten Krise wieder eintreten könne, sagte Branson. „Wenn sich das wiederholen würde, wäre das ein Paradigmenwechsel.“
Große Abhängigkeit vom US-Finanzsystem
Für Investoren und Banken sei eine Entkopplung vom US-Finanzmarkt auf kurze Sicht nicht machbar, betonte Branson. „Die Abhängigkeiten von einem Dollar-basierten globalen Währungssystem sind immens.“
Viele Finanzinstitute hätten die jüngsten Ereignisse aber zum Anlass genommen, um sich mit den Abhängigkeiten vom US-Finanzsystem und vom US-Dollar zu beschäftigten und diese möglicherweise etwas zu reduzieren, sagte Branson. Die Bafin wolle sich die sogenannten Währungsinkongruenzen bei größeren deutschen Banken nun näher anschauen. Das bedeutet, dass Geldhäuser Liquiditätsunterdeckungen in einer Währung mit Überschüssen in einer anderen Währung kompensieren.
Diese Praxis sei erlaubt und fuße auf der Annahme, dass die Währungsmärkte immer liquide seien und dass die Notenbanken im Notfall Liquiditätshilfen in jeglicher Währung zur Verfügung stellten, sagte der Bafin-Chef. Er gehe zwar weiter davon aus, dass dieses System funktioniere, aber: „Vielleicht sind diese alten Gewissheiten nicht so robust, wie wir gedacht haben.“
Die Banken und auch die Bafin befassten sich deshalb mit der Frage, welche Konsequenzen es hätte, wenn dieses System nicht mehr funktionieren sollte. „Wir müssen in den Szenarien denken“, sagte Branson. „Auch wenn sie unwahrscheinlich sind, müssen wir wissen, wo unser System verwundbar ist.“