Finmarie-Gründerin: „Wir wollen mehr Geld in die Hände von Frauen bringen“
Karolina Decker gründete 2018 das Fintech-Unternehmen Finmarie.
Foto: Foto Vogt GmbH für Euroforum/ HandelsblattFrankfurt. Geldanlagen wie Aktiendepots und ETFs sind gerade in Zeiten hoher Inflation für viele Sparer attraktiv. Doch bei vielen Deutschen bleibt das Ersparte auf dem Konto liegen – vor allem bei Frauen. Das gilt es zu ändern, lautet eine zentrale Forderung beim Banken-Gipfel des Handelsblatts am Donnerstag.
Das 2018 gegründete Fintech-Unternehmen Finmarie von Decker möchte das ändern. Sie hat eine Finanzberatung für finanzielle Bildung und mehr Selbstbestimmung im Umgang mit dem eigenen Vermögen gegründet. „Viele Frauen wollen ihr Geld anlegen, wissen aber oft nicht, wie sie vorgehen sollen“, sagte Decker.
Damit möchte die Gründerin den Finanzmarkt transparenter und zugänglicher für Frauen machen. „Wir wollen mehr Geld in Hände von Frauen bringen und sie auf ihrem Weg zum Investieren begleiten“, erklärte Decker in Frankfurt vor rund 500 Teilnehmern.
Viele Frauen hätten das nötige Geld und wollten es auch nachhaltig anlegen, so Decker. Deutschland könne es sich daher nicht leisten, Frauen als Zielgruppe beim Thema Geldanlage nicht wahrzunehmen. Ihnen werde „oft die Kompetenz im Finanzbereich abgesprochen“, kritisiert auch Anne Connelly vom Finanznetzwerk Fondsfrauen.
Viele Frauen fürchten sich vor Altersarmut
Fehlende finanzielle Bildung bei Frauen kann sich besonders auf die Vorsorge im Alter auswirken: Laut einer Umfrage von JP Morgan ist die Angst vor Altersarmut bei Frauen in Deutschland mit 48 Prozent deutlich ausgeprägter als bei Männern (34 Prozent). Zur Angst vor Altersarmut trägt auch das eher vorsichtige Anlageverhalten bei.
Karolina Decker hat vor ihrer Gründung mehr als zehn Jahre bei internationalen Banken gearbeitet, unter anderem bei der Deutschen Bank. Dabei fiel ihr immer wieder auf, wie männerdominiert die Branche ist und wie wenig Frauen als Kundinnen in der Geldanlage wahrgenommen werden. „Das Marktpotenzial für Frauen wurde kaum erkannt“, erinnert sich die Fintech-Gründerin.
Neben einer eigenen App bietet Finmarie auch klassische Finanzcoachings und weitere Angebote im Bereich Finanzbildung an. Aufgrund der steigenden Nachfrage holte Decker 2021 mit Rica Klitzke und Leitha Matz zwei weitere Mitgründerinnen an Bord.
DHDL-Jurorin Tijen Onaran "Ich habe immer diese permanente Angst, dass morgen einfach alles weg ist"
Ende 2021 schloss das Fintech seine erste Finanzierungsrunde ab. 1,4 Millionen Euro konnte das Unternehmen von seinen Investoren einsammeln. Bis dahin hatte sich Finmarie mit Eigenkapital finanziert. Zu den Investoren gehören unter anderem Wall Street Online und der Early-Stage-Investor High-Tech Gründerfonds (HTGF). In den kommenden Jahren will sich Karolina Decker auf das Wachstum und die nachhaltige Entwicklung des Fintechs konzentrieren. Man wolle „die größte Finanzplattform für Frauen von Frauen“ werden.