Fondsgesellschaft: Deutsche Bank prüft externen Aufsichtsratschef für DWS
Die Fondsgesellschaft benötigt ab November einen neuen Aufsichtsratschef.
Foto: REUTERSFrankfurt. Die Fondsgesellschaft DWS ist aus Sicht einiger Investoren noch immer zu eng an ihren Hauptaktionär Deutsche Bank gebunden. Bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef für die Fondstochter könnte die Bank nun auch ein Signal an diese kritischen Aktionäre senden. Der künftige Aufsichtsratschef der DWS werde nicht unbedingt ein Deutsche-Bank-Manager sein, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Weder die Deutsche Bank noch die DWS wollten sich zu Personalspekulationen äußern.
Die DWS braucht einen neuen Aufsichtsratschef, weil Amtsinhaber Karl von Rohr diesen Posten Ende Oktober aufgeben wird. Er wird zu diesem Zeitpunkt auch den Vorstand der Deutschen Bank verlassen. Im Aufsichtsrat der DWS will von Rohr dennoch bleiben, aber als einfaches Mitglied. Dazu lässt er sich auf der nächsten Hauptversammlung im Juni auch noch einmal in das Gremium wählen.
In Kürze wird die Bank bekannt geben, wer künftig im Vorstand für die DWS zuständig sein wird. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte Finanzchef James von Moltke ins Spiel gebracht. Der Manager ist bereits Mitglied des Gemeinsamen Ausschusses der DWS, eines Gremiums, das zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstand angesiedelt ist. In Finanzkreisen wird betont, dass er damit nicht automatisch in Personalunion auch Aufsichtsratschef werde.
Die DWS hatte bei der Rücktrittsankündigung von Rohrs bereits mitgeteilt, der DWS-Aufsichtsrat werde „einen geordneten Prozess starten, um in den kommenden Monaten einen neuen Vorsitzenden“ zu bestimmen. Damit hatte die Fondsgesellschaft angedeutet, dass sie auch externe Kandidatinnen und Kandidaten prüfen wird.
Mit einem externen Kandidaten für den Posten würde die Deutsche Bank auf die unabhängigen Aktionäre der Fondsgesellschaft zugehen. Die DWS ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, die Deutsche Bank hat in dieser ungewöhnlichen und im Ausland unbeliebten Gesellschaftsstruktur als Großaktionär ohnehin sehr viel Einfluss auf die DWS.
Genau dieser Umstand könnte es aber auch schwer machen, geeignete externe Kandidaten zu finden. Denn in dieser Struktur hat ein Aufsichtsrat – und damit ein Aufsichtsratschef – weniger zu sagen als in einer normalen Aktiengesellschaft. In diesem Fall wäre die DWS doch wieder gezwungen, die Position an einen Deutsch-Banker zu geben.
Sollte James von Moltke künftig die DWS im Vorstand der Deutschen Bank verantworten, könnte er sich auf der nächsten Hauptversammlung am 15. Juni in das Gremium wählen lassen. Da auch Karl von Rohr noch einmal kandidieren will, müsste dann ein anderer Aufsichtsrat das Gremium verlassen. Neben unabhängigen Aufsichtsräten sitzt derzeit außer Karl von Rohr auch noch IT-Vorstand Bernd Leukert im DWS-Aufsichtsrat.