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Frauen in FinanzunternehmenAllein unter Männern

Nur wenige Frauen schaffen es bei Banken und Sparkassen nach oben. Gerade einmal jedes 25. Vorstandmitglied der 100 größten Finanzhäuser ist weiblich. Nun drohen gesetzliche Vorgaben, um die Quote zu verbessern.Martin Dowideit 16.01.2013 - 07:40 Uhr Artikel anhören

Wenn Birgit Roos, Chefin der Stadtsparkasse Krefeld, auf Dienstreisen Kollegen trifft, sind das fast immer Männer.

Foto: Frank Beer für Handelsblatt

Düsseldorf. Bei der Nassauischen Sparkasse kennt man das Problem: Fast 60 Prozent der Berufseinsteiger bei der achtgrößten Sparkasse des Landes sind Frauen. Bei Positionen mit erster Führungsverantwortung liegt die Frauenquote bei etwas unter 50 Prozent und von 158 Führungskräften sind 24 weiblich. Der Vorstand des Instituts ist eine Männerdomäne.

Das Institut mit Sitz in Hessen ist nicht allein. In der gesamten Kreditwirtschaft sind 57 Prozent der Beschäftigten weiblich. Doch zu den Führungsetagen hin sinkt die Frauenquote drastisch. Eine aktuelle Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt: Gerade einmal 4,2 Prozent der Vorstandsmitglieder der hundert größten Banken und Sparkassen sind Frauen. Und das ist schon eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr als die Quote 3,2 Prozent betrug. Vor sechs Jahren waren es 2,5 Prozent.

Frauenquote in Vorständen der 100 größten Banken
2010: 2,0 Prozent2011: 2,5 Prozent2012: 3,6 Prozent
2010: 4,2 Prozent2011: 5,4 Prozent2012: 5,1 Prozent
2010: 3,8 Prozent2011: 3,3 Prozent2012: 4,6 Prozent

„Sollte die Finanzbranche es in absehbarer Zeit nicht schaffen, deutliche Fortschritte hinsichtlich der Repräsentanz von Frauen in Spitzengremien zu erzielen, wird der politische Druck voraussichtlich steigen“, warnen die Forscher. Das Damoklesschwert einer Frauenquote hängt über der Branche. Weder bei Commerzbank noch bei Deutscher Bank gibt es eine Frau im Vorstand.

„Ich werde nicht in den Ruhestand gehen, bevor wir nicht eine Frau im Vorstand haben“, hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen im vergangenen Jahr als bescheidenes Ziel für das eigene Haus verkündet. Auch die Sparkassen haben das Ziel, den Frauenanteil zu erhöhen und haben dazu einige Initiativen gestartet.

Das DIW schaut sich auch die 61 größten Versicherer an und kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Von 384 Vorständen sind 22 Frauen (Quote: 5,7 Prozent). Im Vorjahr waren es 3,6 Prozent und vor sechs Jahren 2,5 Prozent. Auch sehr große Versicherungen haben Frauen im Vorstand: Allianz, Ergo und Axa.

Frauenquote in Aufsichtsgremien der 100 größten Banken
2010: 16,5 Prozent2011: 16,8 Prozent2012: 18,5 Prozent
2010: 16,7 Prozent2011: 15,5 Prozent2012: 15,8 Prozent
2010: 15,9 Prozent2011: 16,6 Prozent2012: 17,2 Prozent

Mehr weibliche Vertreter gibt es in den Aufsichtsgremien der Finanzhäuser. Die Frauenquote der Aufsichts- und Verwaltungsräte der Banken und Sparkassen beträgt 17,8 Prozent, liegt aber nur etwas über dem Wert von vor sechs Jahren (15,1 Prozent). Aber fast zwei Drittel der weiblichen Aufseher gehören zum Arbeitnehmerlager. Bei Versicherungen sind 15,3 Prozent aller Aufseher weiblich.

Sparkassen NRW: Die Spitzenverdiener
Sparkasse WestmünsterlandHeinrich-Georg Krumme484.200 Euro
Sparkasse BochumVolker Goldmann489.000 Euro
Stadtsparkasse WuppertalPeter Vaupel500.000 Euro (geschätzt)
Sparkasse LeverkusenManfred Herpolsheimer522.000 Euro
Sparkasse EssenHans Martz542.800 Euro
Sparkasse Köln-BonnArtur Grzesiek578.000 Euro
Sparkasse Münsterland OstMarkus Schabel593.000 Euro
Sparkasse AachenHubert Herpers650.000 Euro (geschätzt)
Stadtsparkasse DüsseldorfPeter Fröhlich (bis Juni 2012)664.000 Euro
Kreissparkasse KölnAlexander Wüerst756.000 Euro(Daten für das Geschäftsjahr 2011, Quelle: Bundesanzeiger, Schätzungen)

Die Nassauische Sparkasse hat erforscht, wie es zu der geringen Quote kommt – wohl auch aus Angst vor einer gesetzlichen Quote. Die befragten Beschäftigten schätzen den tatsächlichen Frauenanteil der Führungskräfte richtig ein – und drei Viertel der Frauen halten den Wert für zu niedrig.

Männer dominieren die Spitzenetagen und wollen nicht noch mehr Frauen in der Führung sehen. Eine Steigerung des Frauenanteils werde die Unternehmensentwicklung befördern, meinen 78 Prozent der Frauen – aber nur 47 Prozent der Männer. Das weist auf das Phänomen der „Gläsernen Decke“ hin, wonach Frauen beim Aufstieg in der mittleren Ebene hängenbleiben.

Als Hemmnis für den weiblichen Aufstieg gilt bei den Sparkassen-Mitarbeitern, dass Teilzeitarbeit als Führungskraft kaum möglich ist und Beförderungen schwierig sind, da Vorgesetzte fürchten, die Mitarbeiterin durch Familiengründung wieder zu verlieren.

Die größten Sparkassen Deutschlands
Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.
Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.
2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.
Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.
Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.
Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.
Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.
Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.
Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.
Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Auch wenn die Sparkassen und Banken beteuern, die Frauenquote etwa durch Teilzeitmodelle erhöhen zu wollen: Die DIW-Bestandsaufnahme spricht eine deutliche Sprache. In 83 der 100 Geldhäuser gibt es keine Frau im Vorstand (Vorjahr: 88). In keinem Vorstand gibt es mehr als eine Frau. Aber immerhin drei Frauen sitzen dem Vorstand vor: Manuela Better bei der Deutschen Pfandbriefbank (in der die Hypo Real Estate aufging), Birgit Roos bei der Stadtsparkasse Krefeld und Eva Wunsch-Weber bei der Frankfurter Volksbank.

Infografik

Frauenquote bei Banken weiter niedrig

„Ganz offensichtlich sind deutlich größere Schritte in absehbarer Zeit notwendig, damit der Anteil von Frauen auch nur annähernd dem der Männer entspricht. Seit 2006 stieg der Frauenanteil in den Vorständen jahresdurchschnittlich nur um 0,3 Prozentpunkte“, so die Forscher.

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Bei den untersuchten Versicherungen gibt es nur eine Frau an der Spitze eines Vorstands. Birgit König leitet die Allianz Private Krankenversicherungs-AG – sie ist die erste Frau an einer Spitze einer großen Versicherung seit Start der DIW-Erhebung im Jahr 2006.

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