Frauen in Finanzunternehmen: Allein unter Männern
Wenn Birgit Roos, Chefin der Stadtsparkasse Krefeld, auf Dienstreisen Kollegen trifft, sind das fast immer Männer.
Foto: Frank Beer für HandelsblattDüsseldorf. Bei der Nassauischen Sparkasse kennt man das Problem: Fast 60 Prozent der Berufseinsteiger bei der achtgrößten Sparkasse des Landes sind Frauen. Bei Positionen mit erster Führungsverantwortung liegt die Frauenquote bei etwas unter 50 Prozent und von 158 Führungskräften sind 24 weiblich. Der Vorstand des Instituts ist eine Männerdomäne.
Das Institut mit Sitz in Hessen ist nicht allein. In der gesamten Kreditwirtschaft sind 57 Prozent der Beschäftigten weiblich. Doch zu den Führungsetagen hin sinkt die Frauenquote drastisch. Eine aktuelle Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt: Gerade einmal 4,2 Prozent der Vorstandsmitglieder der hundert größten Banken und Sparkassen sind Frauen. Und das ist schon eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr als die Quote 3,2 Prozent betrug. Vor sechs Jahren waren es 2,5 Prozent.
„Sollte die Finanzbranche es in absehbarer Zeit nicht schaffen, deutliche Fortschritte hinsichtlich der Repräsentanz von Frauen in Spitzengremien zu erzielen, wird der politische Druck voraussichtlich steigen“, warnen die Forscher. Das Damoklesschwert einer Frauenquote hängt über der Branche. Weder bei Commerzbank noch bei Deutscher Bank gibt es eine Frau im Vorstand.
„Ich werde nicht in den Ruhestand gehen, bevor wir nicht eine Frau im Vorstand haben“, hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen im vergangenen Jahr als bescheidenes Ziel für das eigene Haus verkündet. Auch die Sparkassen haben das Ziel, den Frauenanteil zu erhöhen und haben dazu einige Initiativen gestartet.
Mehr weibliche Vertreter gibt es in den Aufsichtsgremien der Finanzhäuser. Die Frauenquote der Aufsichts- und Verwaltungsräte der Banken und Sparkassen beträgt 17,8 Prozent, liegt aber nur etwas über dem Wert von vor sechs Jahren (15,1 Prozent). Aber fast zwei Drittel der weiblichen Aufseher gehören zum Arbeitnehmerlager. Bei Versicherungen sind 15,3 Prozent aller Aufseher weiblich.
Die Nassauische Sparkasse hat erforscht, wie es zu der geringen Quote kommt – wohl auch aus Angst vor einer gesetzlichen Quote. Die befragten Beschäftigten schätzen den tatsächlichen Frauenanteil der Führungskräfte richtig ein – und drei Viertel der Frauen halten den Wert für zu niedrig.
Männer dominieren die Spitzenetagen und wollen nicht noch mehr Frauen in der Führung sehen. Eine Steigerung des Frauenanteils werde die Unternehmensentwicklung befördern, meinen 78 Prozent der Frauen – aber nur 47 Prozent der Männer. Das weist auf das Phänomen der „Gläsernen Decke“ hin, wonach Frauen beim Aufstieg in der mittleren Ebene hängenbleiben.
Als Hemmnis für den weiblichen Aufstieg gilt bei den Sparkassen-Mitarbeitern, dass Teilzeitarbeit als Führungskraft kaum möglich ist und Beförderungen schwierig sind, da Vorgesetzte fürchten, die Mitarbeiterin durch Familiengründung wieder zu verlieren.
Auch wenn die Sparkassen und Banken beteuern, die Frauenquote etwa durch Teilzeitmodelle erhöhen zu wollen: Die DIW-Bestandsaufnahme spricht eine deutliche Sprache. In 83 der 100 Geldhäuser gibt es keine Frau im Vorstand (Vorjahr: 88). In keinem Vorstand gibt es mehr als eine Frau. Aber immerhin drei Frauen sitzen dem Vorstand vor: Manuela Better bei der Deutschen Pfandbriefbank (in der die Hypo Real Estate aufging), Birgit Roos bei der Stadtsparkasse Krefeld und Eva Wunsch-Weber bei der Frankfurter Volksbank.
„Ganz offensichtlich sind deutlich größere Schritte in absehbarer Zeit notwendig, damit der Anteil von Frauen auch nur annähernd dem der Männer entspricht. Seit 2006 stieg der Frauenanteil in den Vorständen jahresdurchschnittlich nur um 0,3 Prozentpunkte“, so die Forscher.
Bei den untersuchten Versicherungen gibt es nur eine Frau an der Spitze eines Vorstands. Birgit König leitet die Allianz Private Krankenversicherungs-AG – sie ist die erste Frau an einer Spitze einer großen Versicherung seit Start der DIW-Erhebung im Jahr 2006.