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Geschäftskonten Französisches Fintech Qonto will in Deutschland durchstarten

Unternehmer brauchen längst keine klassische Bank mehr, um Konten zu eröffnen. Jetzt will ein französisches Start-up den deutschen Markt aufmischen.
08.01.2020 - 06:29 Uhr Kommentieren
Die französische Digitalbank hat sich auf Firmenkunden spezialisiert und startete 2019 in Deutschland. Quelle: Qonto
Finanzplanung mit Qonto

Die französische Digitalbank hat sich auf Firmenkunden spezialisiert und startete 2019 in Deutschland.

(Foto: Qonto)

Frankfurt Der Frust über das eigene Geschäftskonto muss nur groß genug sein, dann gründet sich das Banking-Start-up fast von allein. Dieser Eindruck entsteht, wenn man die Gründergeschichten der Startups Holvi, Kontist, Penta und Qonto hört. Sie seien mit dem Service und den Funktionen ihrer Bankkonten unzufrieden gewesen und wollten es nun besser machen, berichten ihre Erschaffer unisono.

Qonto ist der Neuling in dieser Reihe. Das Start-up aus Frankreich tummelt sich seit April 2019 auf dem deutschen Markt, befand sich aber bisher noch in der Testphase. Das Marketing soll jetzt beginnen. Es kommt Bewegung in den Markt, denn auch Fyrst, ein Angebot der Deutschen Bank, tritt nach einem leisen Start nun die Werbeoffensive los.

Die jeweiligen Zielgruppen der jungen Anbieter reichen von Freiberuflern und Selbstständigen bis hin zu Firmen mit bis zu 250 Mitarbeitern. Insbesondere Selbstständige und Kleinunternehmer wurden von traditionellen Banken lange vernachlässigt. Das Problem: Sie sind anspruchsvoller als Privatkunden, doch im Gegensatz zu großen Firmenkunden verdienen Banken mit ihnen weniger Geld. Dabei ist die Zielgruppe groß. In Deutschland gab es zuletzt allein mehr als zwei Millionen Solo-Selbstständige und mehr als drei Millionen Unternehmen mit maximal neun Mitarbeitern.

Sogenannte Smartphonebanken wie N26 und Revolut haben sich in einer ersten Welle auf Privatkunden konzentriert. Nach Ansicht von Carsten Baumgärtner, Senior Partner bei der Beratung BCG, gibt es aber auch im Geschäftskundensegment großes Potenzial für digitale Anbieter. „Bei klassischen Banken sind viele Prozesse noch immer relativ komplex, gerade die jüngere Generation von Unternehmern möchte ein einfaches Banking mit Funktionen, die das Finanzmanagement erleichtern“, sagt der Berater.
Qonto ist im Sommer 2017 in Frankreich als Marke des Unternehmens Olinda an den Markt gegangen und offeriert seine Konten auch in Spanien und Italien. Investoren haben bislang rund 32 Millionen Euro in die Firma gesteckt, darunter Valar Ventures, der Fonds des prominenten Investors Peter Thiel, der auch an N26 beteiligt ist.

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    Leistungen der Anbieter unterscheiden sich stark

    Eine eigene Banklizenz hat Qonto noch nicht. Laut Philipp Adrian Pohlmann, seit Kurzem Deutschlandchef des Fintechs, steht diese jedoch auf der Agenda. Bislang agiert die Firma als Zahlungsinstitut und lässt die Kundeneinlagen von der französischen Bank Crédit Mutuel Arkéa verwahren. Zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs nutzt sie aber bereits ein eigenes Kernbanksystem.

    Pohlmann, der in Maastricht VWL studierte und zuletzt beim Marktforscher App Annie angestellt war, arbeitet mit seinem zwölfköpfigen Team von Paris aus. „Ich werde viel in Deutschland unterwegs sein, aber für den Anfang wollten die Gründer gerne alle Mitarbeiter an einem Ort versammeln“, sagt der 32-Jährige. Insgesamt seien das aktuell rund 180 Personen. Formal sei dennoch eine Zweigniederlassung in Deutschland gegründet worden. „Zudem werden wir auch von der Finanzaufsicht Bafin reguliert und planen, im zweiten Quartal Konten mit deutscher IBAN anzubieten“, so Pohlmann. Bis dahin haben die Konten eine französische Kontokennung.

    Anders als die Konkurrenten bietet Qonto keine kostenlose Kontovariante. Die Preise liegen bei neun, 29 oder 99 Euro pro Monat – zuzüglich Mehrwertsteuer. Je höher der Preis, desto mehr Nutzer können auf das Konto zugreifen, desto mehr Überweisungen und Lastschriften sind inklusive und desto mehr Zusatzfunktionen gibt es. Ab der zweiten Preisstufe können Unternehmer etwa Sammelüberweisungen ausführen, ab der dritten wird automatisch die fällige Mehrwertsteuer berechnet. Bei den Konkurrenten bewegen sich die maximalen Kontopreise zwischen zehn und 98 Euro pro Monat.

    Die Leistungen der Anbieter unterscheiden sich stark. So ist zum Teil die Zahl der gebührenfreien Überweisungen begrenzt. Jede weitere, die ein Unternehmer aufgibt oder teils auch erhält, wird dann bepreist. Auch die Kosten für Kreditkarten und Bargeldabhebungen variieren. Größere Unterschiede gibt es zudem bei den Zusatzdienstleistungen. Alle Anbieter wollen ihren Kunden bei der Buchhaltung helfen. Zum Teil können die Nutzer ihre Papierbelege per Smartphone fotografieren und an passender Stelle speichern. Neben Qonto wirbt auch Kontist mit einer automatischen Berechnung der fälligen Mehrwertsteuer.

    Hinzu kommen Kooperationen mit Anbietern von Buchhaltungssoftware. So bietet Kontist etwa einen Paketpreis mit Zugang zu Lexoffice – dem Buchhaltungsprogramm des Kontist-Gesellschafters Haufe Group. Auch Penta, Holvi und Fyrst bieten solche Verbindungen zu Buchhaltungsprogrammen, während Qonto laut Pohlmann für das zweite Quartal Partnerschaften anvisiert.

    Wer auf Dauer besteht, ist noch offen

    Auch ins Kreditgeschäft wagen sich die Neulinge langsam vor. Aus Sicht von Berater Baumgärtner ist das ein wichtiges Feld, schließlich sei der einfache Zugang zu Finanzierungen gerade für kleine Unternehmen häufig schwierig. „Auf dem Markt gibt es bereits einige digitale Kreditanbieter, Kooperationen mit den Smartphonebanken können sinnvoll sein“, so Baumgärtner. Penta hat eine solche Kooperation kürzlich gestartet. So können Penta-Kunden über die Banking-Plattform auf Kredite des Anbieters Iwoca zugreifen. Fyrst bietet mithilfe des Partners Bibby Liquiditätsmanagement per Factoring an.

    Welche Anbieter auf Dauer bestehen werden, scheint momentan noch völlig offen. Ein Selbstläufer ist das Geschäftsmodell nicht. So hatte sich die Smartphonebank Hufsy im vergangenen Sommer entschieden, ihr Geschäft einzustellen. In einer knapp zweijährigen Betaphase – also mit einer Art Testversion des Angebots – hatte sie nur etwa 1000 Kunden gewonnen.

    Qonto hat bislang nach eigenen Angaben mehr als 65.000 Kunden, davon in Deutschland bisher wohl weniger als 1.000. Bei Penta sind es hierzulande 14.000. Holvi, das ursprünglich in Finnland gestartet war und 2016 von der spanischen Großbank BBVA übernommen wurde, spricht von „150.000 aktiven Kunden, circa 40 Prozent davon sind in Deutschland“. Kontist nennt keine konkrete Zahl, „wir haben unsere Kundenzahl 2019 mehr als verdoppelt“, sagt jedoch Co-Geschäftsführerin Sibylle Strack. Fyrst spricht von „mehreren Tausend“ Kunden.

    Ergänzt wird die Auswahl für Unternehmenskunden noch durch die Angebote von N26 und Revolut, die neben ihrem Fokus auf Privatkunden ebenfalls Konten für Selbstständige bieten. „Am Markt ist genug Platz für mehrere digitale Geschäftskundenbanken. Wer sich durchsetzt, wird auch davon abhängen, wie schnell traditionelle Banken ihre Systeme umstellen oder eigene schlagkräftige digitale Angebote etablieren“, sagt Baumgärtner.

    Fyrst will zur Etablierung seines Angebots nun mit Werbung beitragen: Zunächst hatte es nur in sozialen Netzwerken und Newslettern auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt wird nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Bank vermehrt Werbung in ICE-Zügen, auf Infoscreens in Bahnhöfen, und mobilen Plakaten geschaltet und in 100 Gründerzentren werden Flyer verteilt.

    Das Angebot an Geschäftskonten in Deutschland wächst also deutlich, doch Unternehmer müssen genau vergleichen, welches Konto für sie das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet.

    Mehr: Jahresausblick Fintech – Diese Herausforderungen müssen Finanz-Start-ups 2020 bestehen.

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