1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Banken
  5. IWF-Bericht: Das sind die sechs größten Gefahren für das globale Finanzsystem

IWF-BerichtDas sind die sechs größten Gefahren für das globale Finanzsystem

In seinem halbjährlichen Bericht identifiziert der Internationale Währungsfonds gleich mehrere Risiken für die Finanzstabilität. Er warnt vor voreiligem Optimismus.Yasmin Osman 10.10.2023 - 11:30 Uhr Artikel anhören

Handel an der Wall Street in New York: Der IWF sieht die Banken als größten Risikofaktor für die Finanzmärkte.

Foto: REUTERS

Marrakesch. Mehr als ein halbes Jahr nach der Bankenkrise im Frühjahr dieses Jahres hat sich die Stimmung an den Finanzmärkten aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) gebessert. Die Furcht vor einem Dominoeffekt am Bankenmarkt ist der Hoffnung gewichen, dass die Inflation zügig zurückgeht und die Weltwirtschaft trotz der Zinserhöhungen weich landet.

Doch der IWF warnt in seinem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht vor voreiligem Optimismus. Aus seiner Sicht gibt es mehrere Gefahrenherde, die zu Turbulenzen an den Finanzmärkten oder zu hohen Verlusten für Finanzinstitute führen könnten.

„Die Risiken für die Finanzstabilität bleiben erhöht, wie schon im April“, heißt es in dem Bericht. Im April hatte der IWF seinen letzten Report veröffentlicht.

1. Schwache Banken

Die akute Phase der Bankenkrise vom Frühjahr ist vorbei, doch die Lage der Branche ist aus Sicht des IWF weniger stabil, als es scheint. Er hat einen umfassenden globalen Stresstest unter 900 Banken durchgeführt. Dabei untersuchten die Experten, wie gut die Institute mit den aktuellen Konjunkturprognosen zurechtkommen und wie mit einer Stagflation, also einer Kombination aus Wirtschaftsabschwung und Inflation.

Im sanfteren Weltbank-Szenario fielen etwa 55 Kreditinstitute durch schwache Ergebnisse auf, im Stagflations-Szenario sogar 215 Banken, die für 42 Prozent der globalen Vermögenswerte der Bankenbranche stehen. Davon betroffen waren auch global systemrelevante Banken.

215
Banken
sieht der IWF für den Fall einer stagnierenden Wirtschaft bei gleichzeitig steigenden Preisen schlecht aufgestellt.

Als schwach galt ein Ergebnis, wenn die Eigenkapitalquote des Instituts dabei unter die aufsichtsrechtliche Mindestvorgabe von sieben Prozent rutschte oder wenn sich die Kapitalquote um mehr als fünf Prozentpunkte verringerte.

Schwache Banken fanden sich überall, vor allem in Industrieländern, aber auch in China und anderen Schwellenländern. Sie hatten mehrere Gemeinsamkeiten, etwa eine geringe Profitabilität sowie eine geringe Börsenbewertung.

Für die Finanzstabilität ist das aus Sicht des IWF deshalb ein Problem, weil es bei Bankenkrisen oft zu Dominoeffekten kommt, bei denen Krisenbanken weitere Institute ins Wanken bringen. Der IWF fordert daher „dringend“ eine Stärkung der Bankenbranche durch eine strenge, proaktive Aufsicht über die Institute.

Zum einen sollen Bankenaufseher genau darauf achten, dass Banken genug Puffer für ihre Risiken bilden. Zum anderen sind aus Sicht des IWF strengere Vorschriften nötig, insbesondere für Liquiditäts- und Zinsrisiken sowie für die Abwicklung von Banken.

Bestehende Regeln sollten aus IWF-Sicht strenger ausgelegt werden, aber auch bei den international getroffenen Vereinbarungen sollte nachgeschärft werden, rät der IWF.

2. Schwere Zeiten für Schuldner

Die gestiegenen Zinsen sind eine große Belastung für Schuldner. Der IWF hebt unter anderem die Lage in einigen Entwicklungs- und Schwellenländern hervor.

Die Schulden belasten weniger Schwellenländer mit Ölvorkommen, sondern Staaten mit geringem Einkommen. Ihnen rät der IWF, bei sich anbahnenden Zahlungsschwierigkeiten frühzeitig auf ihre Gläubiger zuzugehen und über eine Restrukturierung der Schulden zu verhandeln.

Der Internationale Währungsfonds warnt, dass die hohen Zinsen allerdings auch für private Haushalte und Unternehmen eine Herausforderung darstellen, etwa in der Immobilienbranche.

3. Abwärtsrisiken am Immobilienmarkt

Die Fragilität des Gewerbeimmobilienmarkts ist aus Sicht des IWF eine „bedeutende Quelle für Kreditrisiken für die Finanzbranche“. Nicht nur Banken haben viele Kredite in der Gewerbeimmobilienbranche vergeben, sondern auch weniger regulierte Finanzunternehmen wie Immobilienfonds oder Versicherer.

Viele dieser Kreditengagements sind gefährdet: Wirtschaftlich geht es der Branche schlecht, weil sich seit der Pandemie die Nachfrage etwa nach Büroimmobilien verringert hat. Banken halten sich wegen der schlechteren Branchenaussichten mit Krediten zurück, zugleich müssen viele der Immobilienunternehmen in den nächsten zwei Jahren umschulden.  

Das Volumen der Darlehen mit gewerblichem Immobilienbezug beträgt in Europa zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), in den USA sind es 18 Prozent. Der Anteil von gewerblichen Immobilienkrediten am Gesamtvolumen fauler Kredite liegt in Europa bei 30 Prozent. Besonders exponiert in der Branche sind laut IWF vor allem kleinere und mittelgroße Banken.

Bankenaufseher sollen genau hinsehen, ob die Institute genug Risikovorsorge für solche Kredite bilden. Viele Aufsichtsbehörden haben wegen der Risiken Banken dazu verpflichtet, zusätzliche Kapitalpuffer für solche Engagements zu bilden. Dadurch wird es für solche Unternehmen allerdings noch schwerer, an eine Finanzierung zu kommen. Der IWF fordert die Behörden nun dazu auf, zu prüfen, ob sie auf diese Extra-Anforderungen nicht verzichten können, um die Probleme nicht weiter zu verschärfen.

4. Fragile Finanzmärkte

Ein bedeutendes Risiko sind aus Sicht des IWF scharfe Preiskorrekturen an den Finanzmärkten, ausgelöst durch Überraschungen auf dem Gebiet der Geldpolitik. Ob der Kampf gegen die hohen Inflationsraten bereits so gut wie gewonnen ist und sich der Zinserhöhungszyklus dem Ende zuneigt, ist unter Investoren umstritten.

Entsprechend unterschiedlich haben sich Investoren positioniert. Viele Vermögensverwalter setzen auf eine Zinspause oder auch eine Zinswende und sind wieder in den Staatsanleihemarkt eingestiegen. Eine Reihe von Investoren, die sich für ihre Engagements hoch verschuldet haben, hält dagegen und setzt auf fallende Kurse.

Insbesondere dann, wenn Investoren feststellen, dass die Inflation hartnäckiger ist als gedacht und die Zinsen länger hoch bleiben, könnte das eine Verkaufswelle am Anleihemarkt auslösen.

Einige Märkte für Staatsanleihen, darunter auch der Markt für US-Staatsanleihen, sind aber nicht besonders liquide.

Sollte es zu einer Verkaufswelle kommen, könnten die Preise für Staatsanleihen deutlich fallen. So eine Preiskorrektur könnte wiederum weitere Investoren dazu zwingen, sich ebenfalls von solchen Wertpapieren zu trennen.

5. Wachsende Schattenbanken

Neben Banken haben auch Schattenbanken wie etwa offene Immobilienfonds oder Versicherer in wachsendem Maße in Gewerbeimmobilien oder andere Kreditarten investiert. Diese Nichtbanken sind weniger stark überwacht wie Banken. Deshalb hält es der IWF für „dringend geboten“, die systemischen Risiken, die aus diesem Bereich stammen, besser zu überwachen.

Die Finanzaufseher sollen mehr Daten sammeln. Dadurch sollen sie in der Lage sein, sich anbahnende Systemrisiken frühzeitig zu erkennen. Außerdem sollen sie im Zweifel für mehr Liquiditätspuffer sorgen und eine zu hohe Verschuldung verhindern.

Ein weiterer Vorschlag sind Mindesthaltefristen für offene Immobilienfonds. Der Hintergrund: Offene Immobilienfonds können in Bedrängnis geraten, wenn viele Anleger kurzfristig ihre Fondsanteile zurückgeben.

6. Finanzstabilität Chinas

Verwandte Themen
China
Europa
Inflation
Konjunktur

In China wirkt sich die Krise am Bau- und Immobilienmarkt zunehmend auch auf die Finanzlage von Lokalregierungen aus. Investoren machen sich zunehmend Sorgen über die Zahlungsfähigkeit von Finanzierungsvehikeln der Provinzregierungen, die Infrastrukturinvestitionen und andere Investitionen ermöglichen.

Sie sind hochverschuldet und generieren kaum Einnahmen. Ihre Kreditwürdigkeit hängt vom Zahlungswillen der lokalen Regierung ab. Davon stark betroffen sind auch Banken, da sie hinter einem großen Teil der Kredite stehen

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt