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KfW-Kreditmarktausblick Neugeschäft der Banken mit Krediten wächst deutlich langsamer

Die Zurückhaltung vieler Firmen hinterlässt Bremsspuren im Kreditneugeschäft. Für in Deutschland aktive Banken ist das ein schlechtes Omen.
12.01.2020 - 17:21 Uhr Kommentieren
Die Insolvenz des Automobilzulieferers Eisenmann ist ein Beispiel dafür, dass die Risiken der Banken in der Kreditvergabe an Unternehmen mittlerweile wieder steigen. Quelle: Eisenmann
Automobilproduktion bei Eisenmann

Die Insolvenz des Automobilzulieferers Eisenmann ist ein Beispiel dafür, dass die Risiken der Banken in der Kreditvergabe an Unternehmen mittlerweile wieder steigen.

(Foto: Eisenmann)

Frankfurt Lange schien es so, als wäre das Kreditgeschäft mit Unternehmen in Deutschland gegen die gesamtwirtschaftlichen Schwächesignale gefeit. Doch nun zeigen sich deutliche Anzeichen für eine Wende.

Im dritten Quartal 2019 wuchs das Neugeschäft der Banken mit Darlehen an Firmen und Selbstständige im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 4,6 Prozent. Das ist ein deutlicher Rücksetzer im Vergleich zu den sieben Prozent Plus im zweiten Quartal 2019 und die schwächste Zuwachsrate seit Ende 2017.

Das ist das Ergebnis des aktuellen Kreditmarktausblicks der KfW-Bankengruppe, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die Prognosen der Förderbank sind noch pessimistischer: Im abgelaufenen vierten Quartal dürfte das Wachstum im Neugeschäft auf 2,8 Prozent geschrumpft sein, und für das laufende Vierteljahr rechnen die KfW-Volkswirte sogar mit einem Rückgang auf 2,5 Prozent.

Für die in Deutschland aktiven Banken ist das kein gutes Omen: Angesichts niedriger Zinsen und eines erbitterten Wettbewerbs im Firmenkundengeschäft verdienen die Kreditinstitute immer weniger an einem Kredit. Viele Kreditinstitute versuchten deshalb zuletzt, die schrumpfenden Zinsmargen durch einen Ausbau des Kreditgeschäfts zu kompensieren. Die KfW-Analyse legt nahe, dass sich diese Strategie nun immer schwerer durchhalten lassen wird – was die Verdienstmöglichkeiten der Branche weiter beschränken dürfte.

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    Die KfW-Umfrage umfasst nicht alle Arten von Krediten. An Neu- und Umstrukturierungen von Darlehen, die aber nicht als Neugeschäft zählen, verdient die Branche nach wie vor.

    „Viele Firmen wollen Stabilität in ihrem Bankenkreis herstellen und ihre Finanzierung langfristig absichern“, erklärt Christine Rademacher, die für die Commerzbank den Bereich für strukturierte Finanzierungen für den Mittelstand leitet. Außerdem sorge der Kauf und Verkauf von Firmen für Geschäftsmöglichkeiten für die Banken, die den entsprechenden Finanzierungsbedarf abdecken würden, egal ob es um Übernahmen durch andere Unternehmen oder durch Finanzinvestoren gehe.

    Vorsichtige Unternehmen, vorsichtige Banken

    Das stellt den Befund der KfW nicht infrage, sondern mindert ihn allenfalls etwas ab. Denn auch Rademacher räumt ein: „Wir nehmen seit ein, zwei Monaten auch wahr, dass die Wachstumsdynamik im Kreditgeschäft mit Unternehmen abgenommen hat, das gilt insbesondere für die Nachfrage nach Investitionskrediten“, erläutert die Bankerin. „Wir hören von den Unternehmen, dass sie sich mit Blick auf das unsichere geopolitische Umfeld mit Investitionen eher zurückhalten und abwarten.“

    Diese Einschätzung deckt sich wiederum mit der Analyse der KfW, die seit Längerem einen Rückgang bei den langfristigen Krediten beobachtet, hinter denen meist die für eine Volkswirtschaft relevanteren Investitionskredite stehen. „Das liegt vor allem an der sinkenden Nachfrage seitens der Unternehmen. Wegen der schwächeren Konjunkturlage verliert die Investitionstätigkeit der deutschen Firmen an Kraft“, erklärt die KfW-Chefvolkswirtin Friederike Köhler-Geib.

    Grafik

    Verantwortlich für die optisch starken Wachstumsraten waren ihrer Analyse zufolge vor allem kurzfristige Darlehen. Solche Kredite werden häufig für den Lageraufbau benötigt, wenn sich die Ware nicht mehr so schnell abverkaufen lässt. „Da die Unternehmen die Lager im darauffolgenden Quartal wieder stärker räumten, ist auch der Rückgang der Nachfrage bei den kurzen Laufzeiten keine Überraschung“, so Köhler-Geib.

    Die Zurückhaltung der Unternehmen ist aber nicht der einzige Grund für das schwächere Wachstum im Neugeschäft, wie Köhler-Geib beobachtet. „Allmählich verhalten sich auch die Banken vorsichtiger, da wegen der schwächeren Wirtschaftslage die Risiken aus Krediten höher eingeschätzt werden.

    Diese Sorge kommt nicht von ungefähr: Nachdem die robuste Konjunktur lange Zeit verhinderte, dass Unternehmenskredite in nennenswertem Umfang platzten, deutet sich nun eine Wende an. Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung Bain ist die Kreditrisikovorsorge im ersten Halbjahr 2019 um 17 Prozent gestiegen.

    Dennoch kommt es laut Köhler-Geib „noch nicht so häufig“ vor, dass Banken einem Unternehmen ein Darlehen verweigern. „Die Ablehnungsquote bei der Kreditvergabe ist nach wie auf einem niedrigen Niveau“, sagt die KfW-Chefvolkswirtin. Allerdings schauen die Banken genauer hin.

    Zwar gibt es nach Beobachtung von Commerzbankerin Rademacher keine „Ausschlussbranchen“, die keine Kredite bekommen. „Aber bei uns wie bei allen anderen findet natürlich eine gründliche Einzelkreditbetrachtung statt“, erklärt sie. „Zum Beispiel im Automobilzuliefererbereich, in dem in Teilen ein steigender Kreditbedarf zu beobachten ist, wird genau hingesehen und nachgefragt“, so Rademacher. Insgesamt würden die Banken auf die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle blicken.

    Firmenkundengeschäft rechnet sich kaum

    Gemessen an den ökonomischen Störfaktoren wie die zahlreichen Handelskonflikte, die Unsicherheit um den Brexit und die rezessive Entwicklung in der deutschen Industrie hat sich das Kreditgeschäft der Banken dennoch erstaunlich lange robust gezeigt. Seit Herbst 2016 gab es nun 13 Quartale mit positiven Wachstumsraten. Laut KfW ist das die längste Periode mit positivem Wachstum des Kreditneugeschäfts seit dem Start der Euro-Zone.

    Für diesen ungewöhnlichen Boom macht Köhler-Geib nicht zuletzt auch die in Deutschland häufig kritisierte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verantwortlich. „Das hat die deutsche Wirtschaft und damit das Kreditneugeschäft sehr gestützt. Ohne die Geldpolitik hätten die Investitionen viel stärker leiden müssen angesichts der übrigen konjunkturellen Rahmenbedingungen“, sagt sie. „Diese positiven Effekte laufen jetzt aber aus, weil die Spielräume der EZB kleiner werden. Es wird für sie immer schwieriger, für weitere Anreize zu sorgen.“

    Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich das Wachstum zuletzt nicht mehr für alle gerechnet hat angesichts des harten Wettbewerbs um Firmenkunden. Laut Bain ist die Eigenkapitalrendite im deutschen Firmenkundengeschäft im ersten Halbjahr 2019 um vier Prozentpunkte auf sieben Prozent gesunken.

    Damit liegt dieser Wert unter den Eigenkapitalkosten der Institute, die Bain auf sieben bis zehn Prozent taxiert. „Die Branche ist an einem Punkt angekommen, an dem sie Geld zu verbrennen beginnt“, stellte Bain-Partner Christian Graf fest.

    Mehr: Das Geschäft der europäischen Geldhäuser bleibt schwach. Besonders düster sieht es für die deutschen Banken aus. Eine Leidensgeschichte in fünf Grafiken.

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