KMU-Finanzierer: Iwoca erhält Kreditlinie in Höhe von 175 Millionen Euro
Frankfurt. Im Markt zur Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) herrscht weiter viel Bewegung: Nun hat sich das deutsch-britische Fintech Iwoca eine Kreditlinie in Höhe von 175 Millionen Euro gesichert – ausschließlich für den deutschen Markt. „Mit der neuen Kreditlinie wollen wir unser Geschäft in Deutschland stärken und ausbauen“, sagte Christoph Rieche, Mitgründer und Chef von Iwoca, dem Handelsblatt. Die Mittel werden von der US-Bank Citi sowie vom Vermögensverwalter Insight Investment bereitgestellt.
Aktuell verfügt Iwoca in Deutschland nach eigenen Angaben über Kredite von mehr als 100 Millionen Euro. „Das wollen wir bis Jahresende verdoppeln“, sagt Rieche. Zum Vergleich: Ende 2022 lag die Höhe der zur Verfügung stehenden Kredite bei mehr als 50 Millionen Euro.
Iwoca vergibt selbst Kredite an Selbstständige und KMUs in einer Höhe von bis zu 500.000 Euro, ermöglicht es aber auch anderen Unternehmen, ihren Geschäftskunden Kredite anzubieten. Unter anderem kooperiert Iwoca mit der Commerzbank, Ebay oder dem Finanzdienstleistungs-Fintech Qonto.
In dem Segment hat Iwoca allerdings einige Konkurrenz: Erst in der vergangenen Woche hatte das Berliner Fintech Banxware ein erstes Produkt in Kooperation mit der Hypovereinsbank (HVB) an den Start gebracht. Seitdem können Firmenkunden der deutschen Unicredit-Tochter digital Sofortfinanzierungen beantragen. Mit dem Angebot will die Bank ihren Geschäftskunden Kredite „einfacher zugänglich machen und das Geschäft auf mittelständische Kunden im In- und Ausland ausweiten“, wie es in einer Mitteilung der HVB heißt.
Ende April hatte bereits die Schweizer Kreditplattform Teylor den krisengeplagten Konkurrenten Creditshelf gekauft. Die Schweizer bauen damit ihre Marktposition aus und wollen die Konsolidierung im Fintech-Sektor weiter vorantreiben. „Diese Akquisition ist ein wichtiger Meilenstein für Teylor, aber nur die erste von vielen geplanten Transaktionen“, sagte Unternehmenschef Patrick Stäuble bei der Übernahme.
Expansion im Blick
Die Beispiele zeigen: Der Markt für KMU-Kredite ist umkämpft und nachgefragt. „Die Inflation sowie die damit verbundenen höheren Einkaufspreise führen dazu, dass unsere Kunden mehr Liquidität brauchen“, sagte Iwoca-Chef Rieche. Banken würden sich bislang schwertun, das Segment zu unterstützen.
Iwoca selbst ist bislang in Deutschland und Großbritannien aktiv. Neben der Kreditlinie von Citi für den deutschen Markt erhält Iwoca nach eigenen Angaben auch noch eine neue Refinanzierungslinie nur für den britischen Markt. 140 Millionen Euro stellen die Bank Barclays und die Investmentgesellschaft Värde Partners bereit.
Iwoca-Chef Rieche erwägt auch eine Expansion: „Wir schauen uns weitere Märkte an“, sagte er. Die Kreditvergabe finde aber lokal statt, deshalb sei es schwieriger, in viele verschiedene Märkte zeitgleich zu expandieren. Das Fintech hatte in der Vergangenheit bereits eine Expansion nach Spanien und Polen versucht, musste sich nach kurzer Zeit aber wieder aus den Märkten zurückziehen.