Landesbank: Immobiliengeschäft belastet Ergebnis der Helaba mit 225 Millionen Euro
Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) musste im ersten Halbjahr nach eigenen Angaben Belastungen aus dem Immobiliengeschäft in Höhe von rund 225 Millionen Euro verarbeiten.
Foto: dpaFrankfurt. Die Folgen der Immobilienkrise treffen auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba): Das Institut hat von Januar bis Juni dieses Jahres Belastungen aus dem Immobiliengeschäft in Höhe von 225 Millionen Euro verbucht. Das teilte die Bank am Donnerstag mit.
Darin enthalten sind eine im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 28 Prozent höhere Risikovorsorge im Kreditgeschäft in Höhe von 108 Millionen Euro sowie ein Rückgang des Ergebnisses aus als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien um ebenfalls 28 Prozent auf 86 Millionen Euro.
„Die Zyklizität in der Industrie ist uns bekannt“, sagte Immobilienvorstand Christian Schmid bei der Präsentation der Zahlen mit Blick auf den Immobiliensektor. Deswegen habe sich die Bank in den vergangenen Jahren auch immer sehr konservativ aufgestellt und nur ein moderates Wachstum ausgewiesen.
Die Bank ist laut dem Vorstandsmitglied „nicht jeder Opportunität gefolgt, die die Märkte ob des billigen Geldes geboten haben“. Dennoch sei die Dynamik der Zinswende auch für die Helaba neu.
Die Immobilienmärkte stehen weltweit wegen der steigenden Zinsen stark unter Druck, denn die Refinanzierungskosten haben innerhalb kurzer Zeit sprunghaft zugelegt. Konzerne müssen Objekte verkaufen, um die Anleihen noch bedienen zu können. Vor allem betroffen sind Bürogebäude. Der Homeoffice-Trend erschwert im Büromarkt zudem die Planung. Das macht sich vor allem in den USA bemerkbar.
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Die Helaba hat selbst vier kritische Risikocluster im Immobiliengeschäft ausgemacht: Dazu gehören die Projektentwicklung, der US-Büromarkt, Handelsimmobilien sowie Geschäfte mit hohen Beleihungsausläufen.
Banken haben jedoch in den vergangenen Jahren signifikante Portfolios an gewerblichen Immobilienkrediten aufgebaut. Zu den Instituten mit einem großen Volumen an gewerblichen Immobilienkrediten zählt etwa die Aareal Bank. Das Geldhaus hat ein rund 3,9 Milliarden Euro schweres Portfolio an rund 50 Darlehen für Büroimmobilien in den USA. Allein im zweiten Quartal musste der Kreditgeber deshalb rund 100 Millionen Euro zur Seite legen.
Auch andere Landesbanken bildeten Rückstellungen
Aber auch die Landesbanken haben mittlerweile beachtliche Portfolios. So summiert sich das Brutto-Kreditvolumen des BayernLB-Konzerns zur Jahreshälfte auf 67 Milliarden Euro. Die LBBW kommt auf ein Finanzierungsvolumen von 56 Milliarden Euro. Deshalb haben beide Institute von Januar bis Juni dieses Jahres ebenfalls Rückstellungen gebildet.
Bei der BayernLB belief sich die Risikovorsorge im Geschäftsfeld Immobilien im ersten Halbjahr auf etwa 125 Millionen Euro. Bei der LBBW betrugen die pauschalen Adjustments für das Segment Immobilien und Projektfinanzierungen im gleichen Zeitraum rund 83 Millionen Euro. Mit pauschalen Adjustments bereiten sich Banken auf mögliche Kreditausfälle vor, ohne dass es bereits konkrete Vorfälle gibt.
Die Helaba kommt auf ein Bruttokreditvolumen von 44,3 Milliarden Euro, wobei der deutsche Anteil im Portfolio ebenso wie bei den anderen Landesbanken hoch ist. „Seit Herbst letzten Jahres haben wir unser Neugeschäft in der Immobilienfinanzierung spürbar zurückgefahren“, sagte Schmid. Das Neugeschäft belief sich in diesem Segment auf 1,9 Milliarden Euro, nach 4,2 Milliarden im Vorjahreshalbjahr.
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Das Geldinstitut sieht laut einer Präsentation für die Halbjahreszahlen den „Großteil des Immobilienportfolios mit beherrschbarem Risiko“. Dennoch seien „selektive Ratingverschlechterungen und Vorsorgebedarf insbesondere bei Büro- sowie Handelsimmobilien zu beobachten“, heißt es weiter.
Trotz der zusätzlichen Belastungen zeigt sich die Bank zuversichtlicher für dieses Jahr. Im ersten Halbjahr steigerte das Institut den Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 2,8 Prozent auf 336 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss legte um fast 23 Prozent auf 817 Millionen Euro zu.
„Dank unseres breit diversifizierten Geschäftsmodells konnten wir die Folgen der schwächeren Immobilienmärkte kompensieren“, sagte Helaba-Vorstandschef Thomas Groß. Die Bank sei in herausforderndem Umfeld krisenfest. „Unser Ergebnisziel für 2023 liegt deshalb am oberen Rand der bisher genannten Bandbreite von 500 bis 700 Millionen Euro.“ 2022 hatte die Helaba 633 Millionen Euro Vorsteuergewinn ausgewiesen.
Mit Agenturmaterial.