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Nachranganleihe Investoren reißen sich um riskantes Deutsche-Bank-Papier

Die Nachfrage nach der neuen Nachranganleihe der Bank übertrifft das Angebot um das Zehnfache. Vor Kurzem wäre das Papier wohl noch ein Ladenhüter gewesen.
12.02.2020 - 17:54 Uhr Kommentieren
Deutsche Bank platziert erfolgreich riskante Anleihe Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Noch vor wenigen Monaten hätte die Deutsche Bank für eine Nachranganleihe kaum genug Abnehmer zu vertretbaren Konditionen gefunden. Nun reißen sich Investoren um einen neuen AT1-Bond.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Deutsche Bank hat für eine riskante Nachranganleihe ohne große Schwierigkeiten Käufer gefunden. Die Auftragsbücher für das Wertpapier waren mit Bestellungen im Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro gefüllt. Damit übertraf die Nachfrage das Angebot um das Zehnfache, denn letztlich platzierte die Deutsche Bank nur Bonds im Umfang von 1,25 Milliarden US-Dollar (etwa 1,15 Milliarden Euro).

Das große Interesse an der Anleihe, die als zusätzliches Kernkapital (Additional Tier 1, AT1) und damit als Teil der Eigenkapitalausstattung gilt, ist alles andere als selbstverständlich. Besitzern solcher AT1-Anleihen drohen hohe Verluste, wenn sich eine Bank in einer Notsituation befindet. Bei der Dollar-Anleihe der Deutschen Bank etwa kommt es zu Abschreibungen, sobald die harte Kernkapitalquote – darunter versteht man das Aktienkapital plus Rücklagen – unter die Schwelle von 5,125 Prozent fällt.

Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, dass die Deutsche Bank eine solche Nachranganleihe am Kapitalmarkt platziert. „Noch vor ein paar Monaten wäre das undenkbar gewesen, aber eine Kombination aus günstigen Marktbedingungen und einer sich verbessernden Investorenstimmung mit Blick auf die Deutsche Bank hat die Landschaft verändert“, schreibt Simon Adamson vom unabhängigen Analysehaus Creditsights.

„Viele Marktteilnehmer befinden sich händeringend auf der Jagd nach Renditen und scheinen die Risiken oftmals zu vernachlässigen“, meint Andreas Meyer, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Aramea. Doch die Kombination aus den zuletzt sinkenden Risikoprämien auf Ausfallversicherungen auf die Deutsche Bank sowie der generelle Markttenor sorgten dafür, dass „selbst“ die Deutsche Bank wieder den AT1-Markt anzapfen könne.

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    Finanzkreisen zufolge handelt es sich bei zwei Dritteln der Käufer um große Kapitalsammelstellen wie etwa Fonds, weitere acht Prozent landeten bei Versicherern. Etwa elf Prozent der Emission kauften Banken, weitere zwölf Prozent Hedgefonds. 57 Prozent der Käufer stammen aus den USA, jeweils etwa elf Prozent aus Asien oder Europa. Auch viele britische Investoren griffen zu – 17 Prozent der Emission landeten bei ihnen.

    „Für die Deutsche Bank ist die Emission ein Signal der Stärke“, sagt Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. Denn wenn die Bank zu einem vertretbaren Preis diese Art von Nachranganleihe platzieren könne, finde sie auch für jede andere Art von Fremdkapital Investoren. „Im Augenblick kann die Bank zwar nicht unbedingt die Herzen der Investoren erobern, aber vieles läuft in die richtige Richtung“, so Hünseler.

    Der jährliche Zinskupon für die Anleihe beträgt bis April 2026 sechs Prozent. Das liegt noch unter den anfänglichen Schätzungen für den Kupon und zeigt, wie groß die Nachfrage gewesen sein muss. „Zwar muss die Bank Investoren nach wie vor eine Extraprämie bieten, aber das Ausmaß ist wirtschaftlich erträglich“, sagt Hünseler.

    Eine Kündigung als „gutes Zeichen“

    Die AT1-Emission weckt bei Anlegern die Hoffnung, die Bank würde im Gegenzug für den neuen Bond nun eine ältere AT1-Anleihe kündigen, die das gleiche Volumen wie der neue Bond hat und die im April erstmals gekündigt werden könnte. Das Geldhaus kann das tun, muss es aber nicht. Sie benötigt dafür außerdem eine Genehmigung der Bankenaufsicht. Eine Kündigung der ausstehenden AT1-Anleihe, die einen Kupon von 6,25 Prozent hat, wäre aus Sicht von Aramea-Fondsmanager Meyer „ein gutes Zeichen für die Bank, den deutschen Bankenmarkt und die Assetklasse AT1“. Auch die Aareal Bank habe eine AT1-Anleihe ausstehen, die zum gleichen Zeitpunkt abläuft.

    Die Deutsche Bank hatte Investoren vor Kurzem allerdings davor gewarnt, im Falle einer Neuemission fest davon auszugehen, dass sie alte AT1-Bonds kündigt, nur weil sie neue begibt. Es galt zwar lange als ungeschriebenes Gesetz, dass Banken zum frühestmöglichen Zeitpunkt solche Bonds kündigen.

    Allerdings hatte vor rund einem Jahr schon die spanische Großbank Santander dagegen verstoßen. Und auch die Deutsche Bank verzichtete im Krisenjahr 2008 entgegen den Erwartungen vieler Investoren auf die Kündigung einer nachrangigen Anleihe.

    Ökonomisch sinnvoll wäre eine Kündigung des Dollar-Bonds nur bedingt. Um die regulatorischen Möglichkeiten solcher AT1-Bonds voll zu nutzen, benötigt die Deutsche Bank die aktuelle Emission. Kreditinstitute können solche Nachranganleihen in einem gewissen Ausmaß nutzen, um ihre von den Aufsehern verordneten Kapitalauflagen zu erfüllen.

    Bei der Deutschen Bank beträgt dieser Rahmen 2,5 Milliarden Euro, von denen die Bank bislang erst 1,8 Milliarden Euro ausgeschöpft hat. Statt die etwa gleichgroße Dollar-Nachranganleihe zu kündigen, könnte die Bank deshalb auch entweder gar nichts tun – oder eine weniger wertvolle Anleihe kündigen. Denn das Institut hat auch noch einige Uralt-Anleihen im Umlauf, die aus der Zeit vor der Finanzkrise stammen und deshalb schrittweise ihre regulatorische Anerkennung als Eigenkapitalersatz verlieren.

    Für einen 0,8 Milliarden Dollar schweren Nachrangbond aus dieser Vorkrisenzeit muss die Bank bis heute 6,5 Prozent Zinsen zahlen.

    Mehr: Rückenwind für Sewing: Capital Group wird Großaktionär der Deutschen Bank

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