Sabadell und BBVA: Madrid blockiert geplante Bankenfusion bis zu fünf Jahre
Madrid. Die spanische Regierung hat die Übernahme der katalanischen Bank Sabadell durch die spanische Großbank BBVA im Wert von 14 Milliarden Euro am Dienstag zwar grundsätzlich genehmigt. Sie fordert im Gegenzug aber, dass beide Banken drei Jahre lang ihr Geschäft getrennt fortführen. Dieser Zeitraum kann auf fünf Jahre erhöht werden.
Der spanische Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo begründete die Auflagen damit, dass die Regierung das allgemeine Interesse schützen wolle. So dürften die Institute in der Übergangszeit unter anderem keine Mitarbeiter als Folge der Übernahme entlassen oder Büros schließen.
Die Finanzierungsbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen, bei denen vor allem Sabadell stark ist, müssten beide Banken weiter unabhängig voneinander festlegen. „Wir schützen die Arbeitnehmer, wir schützen die Unternehmen, wir schützen die Finanzkunden“, sagte Wirtschaftsminister Cuerpo am Dienstag auf der wöchentlichen Pressekonferenz der Regierung.
Entscheidung bringt große Unsicherheit
Die Entscheidung bedeutet einen Rückschlag für die BBVA-Führung. Sie hatte die geplante Übernahme bereits vor einem Jahr angestoßen. Die Bank will damit ihr Geschäft auf dem Heimatmarkt stärken und unabhängiger vom schwankungsanfälligen Geschäft in Schwellenländern werden, in denen sie vergangenes Jahr 61 Prozent ihres Jahresergebnisses erzielt hatte.
Sabadell ist Spaniens viertgrößte Bank und stark in der wirtschaftlich erfolgreichen Region Katalonien verwurzelt. Sie wehrt sich gegen die Übernahme. Durch einen Zusammenschluss würde ein Bankengigant entstehen, der zu den zehn größten Instituten in Europa gehört. Die BBVA-Führung muss nun entscheiden, ob sie weiterhin an der Übernahme festhält.
Die Aktien reagierten nur leicht. Sabadell verlor nach der Ankündigung zunächst ihren Tagesgewinn von 1,45 Prozent, lag am Nachmittag aber wieder knapp über Vortagesniveau. BBVA stand am Nachmittag zwei Prozent höher als am Vortag.
Bankexperten äußern Skepsis
Experten sind skeptisch. „Drei weitere Jahre das Geschäft zu separieren, hätte den Deal sicher nicht aufgehalten, denn die Integration braucht ohnehin Zeit“, sagt Christian Eufinger, Bankenexperte der spanischen Business-School IESE. Eine Verlängerung auf fünf Jahre sei aber ein Risiko, denn bis dahin könne sich viel verändern.
Die spanische Politik hatte sich von Beginn an gegen den Deal gestellt. Der politische Widerstand ist vor allem in Katalonien groß, weil eine Übernahme als kultureller Verlust angesehen würde. Die spanische Regierung ist auf die Stimmen der katalanischen Parteien im Parlament angewiesen. Die spanische Wettbewerbsaufsicht CNMC hatte die Übernahme im April unter Auflagen genehmigt.
Auch in anderen Ländern stemmen sich Regierungen gegen Bankenübernahmen. Italien hat Unicredit harte Auflagen für die geplante Übernahme des heimischen Konkurrenten Banco BPM gemacht. In Deutschland hat die Bundesregierung deutlich gemacht, dass sie gegen den Kauf der Commerzbank durch Unicredit ist.