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Smartphone-Banken Revolut, Monzo, Starling – Britische N26-Konkurrenten trotzen dem Brexit

Während sich die deutsche Smartphonebank N26 von der Insel zurückzieht, lässt der Brexit die britischen Anbieter Revolut, Monzo und Starling kalt.
17.02.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die britischen Banken haben vorgesorgt. Quelle: Bloomberg
Blick auf den Finanzdistrikt Londons

Die britischen Banken haben vorgesorgt.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt, London Der richtige Pass kann Türen öffnen. Das gilt für Urlauber, die im Ausland ein Visum beantragen, das gilt für Arbeitnehmer, die im Ausland einen neuen Job antreten, und es gilt auch für Finanz-Start-ups, die ihr Geschäft auf andere Länder ausdehnen. An der Grenze zwischen der Europäischen Union und Großbritannien wird die Passkontrolle im Zuge des Brexits bald verschärft – das betrifft auch „Pässe“ der Finanzaufsicht.

Doch während sich die deutsche Smartphone-Bank N26 deshalb gerade von der Insel zurückzieht, nehmen es die britischen Konkurrenten gelassen. Sie haben der Problematik bereits vorgebeugt oder verfolgen andere Expansionsziele – aus betriebswirtschaftlicher Sicht womöglich eine kluge Entscheidung.

N26, das von Investoren mit 3,5 Milliarden Dollar am höchsten bewertete deutsche Fintech, ist rasant gewachsen: Fünf Jahre nach dem Marktstart hat die junge Bank heute Kunden aus 26 Ländern. In Europa hat dabei die erleichterte „Passkontrolle“ geholfen. Für den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) – also die nun 27 EU-Länder plus Island, Liechtenstein und Norwegen – gilt: Wer in einem dieser Länder eine Lizenz als Bank, als E-Geldinstitut oder als Zahlungsinstitut hat, darf seine Dienstleistung auch in den anderen Ländern anbieten. Juristen sprechen von Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit und bezeichnen das Verfahren als „passporting“ – der „Pass“ – also die Erlaubnis der nationalen Behörde – wird in ein anderes Land übertragen.

Hohes Marktpotenzial

Zwischen der EU und Großbritannien ist damit nun Schluss. Nach aktuellem Stand gibt es noch eine Übergangsphase bis zum 31. Dezember dieses Jahres, „danach benötigen britische Institute eine Erlaubnis in einem der EU-Mitgliedstaaten und umgekehrt“, sagt Frank Müller, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der auf die Finanzbranche spezialisierten Kanzlei Annerton. N26 hat das jüngst zum Anlass genommen, seinen Rückzug aus Großbritannien zu verkünden. Der hohe Aufwand für eine britische Lizenz stand offenbar in keinem guten Verhältnis zum begrenzten Marktpotenzial.

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Standort erkennen

    Für die britischen Konkurrenten ist eine EU-Lizenz dagegen ungleich interessanter, sagt Peter Barkow, Gründer des Analysehauses Barkow Consulting. „Schließlich erhalten sie damit Zugang zu mehr als 450 Millionen Kunden, im Vergleich zu nur 66 Millionen Briten.“

    Insbesondere das Marktpotenzial in Deutschland wird nach Ansicht von Jürgen Moormann, Professor für Bankmanagement an der Frankfurt School of Finance & Management, von Anbietern aus dem Ausland aber häufig überbewertet: „Wir haben zwar eine starke Wirtschaft, mehr als 80 Millionen Einwohner und ein hohes Durchschnittseinkommen, aber es gibt hier auch schon sehr viele Banken“, sagt Moormann. „Und verglichen mit den Angeboten von Direktbanken und manchen Banking-Apps von Filialbanken kann ich das Alleinstellungsmerkmal von Smartphone-Banken noch immer nicht erkennen.“

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    Der Anbieter Revolut fährt bisher die aggressivste Wachstumsstrategie unter den britischen Herausforderern. Mit der Ankündigung: „Wir wollen die Party der traditionellen Banken beenden“ trat er im Herbst 2017 in den deutschen Markt ein. Daneben ist das Angebot laut Revolut für Kunden aus 35 weiteren Märkten, davon fünf außerhalb Europas, verfügbar.

    Wie bei den Konkurrenten bedeutet das jedoch nicht, dass das Unternehmen in allen Ländern eine Niederlassung hat. Auf Filialen mit Ansprechpartnern für die Kunden verzichten sie sowieso, haben aber in den meisten Ländern auch keine Büros.

    Acht Millionen Kunden

    Die Kunden scheinen dennoch interessiert. Revolut hat nach eigenen Angaben mehr als acht Millionen Kunden. Gegründet wurde die Firma 2015 von den ehemaligen Bankern Nikolay Storonsky und Vlad Yatsenko, die zunächst auf Kunden zielten, die über Länder- und Währungsgrenzen hinweg Geld transferieren wollen. Inzwischen wollen sie Revolut zu einer globalen Bank machen.

    Aktuell agiert Revolut nicht mit einer Banklizenz, sondern nur mit E-Geldlizenzen aus Großbritannien und Litauen. Zwar hat die Firma seit Ende 2018 auch eine Banklizenz in Litauen, aber die wird entgegen zwischenzeitlichen Ankündigungen noch nicht genutzt. In diesem Jahr werde sie zunächst in Litauen zum Einsatz kommen, teilte Revolut auf Anfrage des Handelsblatts mit. Aktuell gebe es noch keine unmittelbaren Pläne, sie auch in andere Länder zu übertragen. So oder so scheint das Unternehmen für den Brexit erst einmal gerüstet.

    Auch der britische Wettbewerber Monese ist mit einer E-Geldlizenz in Deutschland aktiv, die Lizenz stammt aus Belgien. Mit dieser beschränkten Erlaubnis dürfen die Unternehmen keine Einlagen ihrer Kunden verwalten und keine Kredite vergeben. Revolut lässt die Kundeneinlagen im Hintergrund von den britischen Banken Barclays und Lloyds verwahren. Monese gibt die kooperierenden Geldhäuser nicht bekannt.

    Der Vorteil der E-Geldlizenz ist, dass die Unternehmen weniger strenge Vorgaben der Finanzaufsicht erfüllen müssen als eine Bank. „Viele britische Fintechs haben keine Banklizenz und werden auch in Zukunft keine brauchen“, sagt Tim Levene, der mit seinem Risikokapitalfonds Augmentum Capital in Monese investiert hat.

    Allein die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen reicht aus Sicht von Bankprofessor Moormann nicht aus. „Die Flagge auf ein Land zu setzen und dort ein paar Tausend Kunden zu gewinnen mag gut für das Ego der Fintech-Gründer sein, doch betriebswirtschaftlich ist das noch kein Erfolg, man muss mit den Kunden auch Geld verdienen.“

    Hinzu komme: „Die Mentalitätsunterschiede innerhalb Europas werden dramatisch unterschätzt. Um in Frankreich erfolgreich zu sein, muss man die Kunden ganz anders ansprechen als in Deutschland, diese Individualisierungen kosten viel Geld“, so Moormann. „Nachhaltiger ist es aus meiner Sicht, wenn man zuerst den Heimatmarkt stärkt.“

    So hat es die britische Starling Bank gemacht. Sie wurde 2014 von der Bankerin Anne Boden gegründet und hat seit Sommer 2016 eine Banklizenz in Großbritannien. Noch ist sie ausschließlich in der Heimat aktiv. Aktuell bewirbt sie sich um eine Banklizenz in Irland. Wie das Unternehmen dem Handelsblatt mitteilte, will es dort noch in diesem Jahr das Geschäft aufnehmen und plant, danach in die Niederlande, Frankreich und Deutschland zu gehen. Ursprünglich war der EU-Start schon für das erste Quartal geplant, doch die Pläne haben sich verzögert. Die Bank hat gerade eine Finanzierungsrunde über 78 Millionen Dollar abgeschlossen. Das Geld soll für die Expansion verwendet werden.

    Kein Weg an der EU vorbei

    Die Tandem Bank hat eine britische Banklizenz, seit sie 2018 die Harrods Bank übernommen hat. Im Mai 2018 hatte die Firma der britischen Finanzaufsicht gemeldet, dass sie die Absicht hat, in Deutschland aktiv zu werden. Deshalb taucht sie im Unternehmensregister der Bafin auf. Noch ist hierzulande jedoch kein Engagement zu erkennen.

    Auf Anfrage des Handelsblatts gab das Unternehmen keine Auskunft. „Eine solche Anzeige bedeutet nicht, dass man auch tätig werden muss, gut möglich, dass sich die Ziele der Unternehmen zwischenzeitlich geändert haben“, sagt Anwalt Müller.

    Nach Ansicht von Torsten Lund, Partner bei der Unternehmensberatung Berg Lund & Company, führt für die Briten aber kein Weg an der EU vorbei. „Zur Erreichung ihrer ambitionierten Wachstumsziele werden die britischen Challenger-Banken im EU-Raum angreifen müssen“, sagt er.

    Monzo, mit 3,9 Millionen Kunden einer der Marktführer in Großbritannien, hat sich hingegen zuerst für die Expansion in die USA entschieden. „Das kann aus britischer Sicht eine gute Idee sein, weil die Kulturen ähnlich sind und das Angebot aus Kundensicht kaum angepasst werden muss“, sagt Moormann.

    Wie N26, das seit Juli 2019 in den USA aktiv ist, ist auch Monzo dort nicht gleich mit einer eigenen Banklizenz gestartet, sondern kooperiert mit einer Partnerbank, der Sutton Bank im US-Bundesstaat Ohio. „Solche Kooperationen bieten sich an, wenn man den Aufwand scheut, der einmalig und laufend mit einer Lizenz verbunden ist, und den Markt erst einmal beschnuppern möchte“, sagt Anwalt Müller. Auch für britische Institute, die in Europa aktiv werden wollen, könnte das eine Lösung sein.

    Mehr: N26 – Deutschlands wertvollstes Fintech kann Erträge in Millionenhöhe vorweisen, doch Angaben zur Kundenzahl wecken Zweifel. Viel zu tun hat das Fintech gerade bei der Personalaufstellung.

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