Finanzbarometer: Konkurrenz der Firmen um Kredite wird härter
Frankfurt. Für deutsche Unternehmen ist es schwieriger geworden, Kredite zu erhalten. Die Unternehmen fragen in der Hoffnung auf bessere konjunkturelle Zeiten zwar wieder mehr Darlehen nach. Allerdings halten sich die Banken „angesichts der aktuell noch eher schwachen Verfassung“ der Firmen im Moment weiterhin zurück.
Das ist eines der zentralen Ergebnisse des S-Finanzklimas für das zweite Quartal. Dieser Sentiment-Indikator wird von der Dekabank berechnet, dem Wertpapierdienstleister der Sparkassen, und spiegelt eine Umfrage unter 353 Managern der Finanzgruppe wider.
Die regelmäßig vom Handelsblatt veröffentlichte Auswertung basiert auf den Salden von positiven und negativen Antworten. Ein Indexwert von 100 steht für ein neutrales Ergebnis, ein Wert von 200 für eine komplett positive Einschätzung.
Im zweiten Quartal ist die Umfrage zum Kreditklima, dem Saldo aus der Kreditvergabebereitschaft der Sparkassen und der erwarteten Kreditnachfrage, erstmals unter die 100er-Marke gefallen. Der Wert liegt für die Monate April bis Juni nur noch bei rund 92 Punkten, nach 113 Zählern im ersten Quartal.
Erholung im Schneckentempo
Nach Einschätzung der Dekabank ist diese Konstellation für einen konjunkturellen Wendepunkt nicht ungewöhnlich. „Die Wirtschaft ist weiter auf Normalisierungskurs nach den großen Belastungen aus der Zeit der Corona- und Energiekrise. Die Inflation ist gesunken, die Konjunktur erholt sich, der Zins ist zurückgekehrt“, meint Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.
Die Sparkassen erwarten zwar eine konjunkturelle Erholung in Deutschland – allerdings „im Schneckentempo“. Laut der Umfrage hat sich das Konjunkturklima im zweiten Quartal von 76 Punkten auf 100,5 Zähler verbessert. Dabei verbesserte sich die Einschätzung der aktuellen Konjunkturlage nur unwesentlich.
Die Konjunkturperspektiven schätzen die Bankmanager mit 105 Punkten besser ein. Grund für den Optimismus für das zweite Halbjahr: „Die Konsumenten gewinnen dank der sinkenden Inflation und eines anhaltend hohen Lohnwachstums Kaufkraft zurück, während gleichzeitig die Bremswirkung der restriktiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nachlässt.“
Auch nach Einschätzung der staatlichen Förderbank KfW tun sich die deutschen Banken mit der Vergabe von neuen Krediten nach wie vor schwer. Der jüngste Kreditmarktausblick der KfW zeigt, dass das Neugeschäft mit Darlehen im ersten Halbjahr hinter dem Vorjahresniveau zurückblieb. Allerdings hat sich der Rückgang bereits deutlich verlangsamt: Zwischen Januar und März betrug das Minus noch 3,9 Prozent; zwischen April und Juni waren es nur noch zwei Prozent.
Für die KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib ist die Talsohle bei der Kreditvergabe in Deutschland damit durchschritten. „Im dritten Quartal dürfte es erstmals seit dem vierten Quartal 2022 wieder ein positives Wachstum geben“, betont die Expertin.