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Stripe-Gründer John Collison Der jüngste Selfmade-Milliardär kritisiert das Silicon Valley

Der Co-Gründer des Bezahldienstes Stripe wünscht sich von US-Technologiekonzernen mehr Demut – und will seine Firma nicht mit Paypal vergleichen.
05.06.2018 - 10:56 Uhr Kommentieren
Silicon Valley: Stripe wird zum wertvollsten Start-up Quelle: Bloomberg
John Collison, Mitgründer des Bezahldienstes Stripe

Ein Leben wie aus einem übertriebenen Drehbuch.

(Foto: Bloomberg)

San Francisco Wenn John Collison nachdenkt, kneift er die Augen zusammen. Seine Antworten wenige Sekunden später sind druckreif und gefärbt vom irischen Akzent der alten Heimat. Der 27-Jährige gilt als Wunderkind des Silicon Valleys. Vor sieben Jahren gründete er mit seinem älterer Bruder Patrick den Bezahldienst Stripe. Heute wird das Start-up mit mehr als neun Milliarden Dollar bewertet und beschäftigt 1.000 Mitarbeiter.

Zwei Brüder wandern nach dem Abitur von Irland ins Silicon Valley aus, wo sie zu den jüngsten Selfmade-Milliardären der Welt aufsteigen. Ist Ihnen mal aufgefallen, dass Ihre Geschichte wie ein schlechtes Drehbuch klingt?
Ja, das ist vielleicht nicht ganz normal. Als wir damals losgezogen sind, haben wir das auch nicht vorausgesehen. In Irland aufgewachsen zu sein, war aber tatsächlich sehr wichtig. Es hilft uns, global zu denken. Wir wollen Start-ups unterstützen, in alle Ecken der Welt zu expandieren. Die Aufgabe kann man nicht aus einem Büro in San Francisco heraus lösen.

Beweisen Google, Apple und Facebook nicht das Gegenteil?
Offen gesagt, finde ich: Silicon-Valley-Firmen fehlt oft das globale Denken. Viele von ihnen sind doch sehr US-zentrisch. Es ist sehr viel einfacher, sich wie ein großer Fisch zu fühlen, wenn man in einem kleinen Teich sitzt und nur einen winzigen Ausschnitt der Welt sieht. Ein großartiger Weg zu verstehen, dass man nicht sehr viel weiß, ist, China, Singapur, Indonesien oder Afrika zu besuchen. Das macht demütig. Zahlungsverhalten ist stark kulturell geprägt und unterscheidet sich von Land zu Land sehr. Um ein gutes Produkt anbieten zu können, muss man die lokalen Nuancen verstehen.

In Deutschland scheuen viele Menschen vor dem bargeldlosen Bezahlen zurück, weil sie um ihre Daten fürchten. Verstehen Sie das?
Deutsche sind vorsichtiger bei Darlehen und Kreditkarten als Amerikaner. Solche lokalen Unterschiede sehen wir in allen Märkten. Aber eines kann ich Ihnen versichern: Wir wollen die Informationen unserer Kunden ganz sicher nicht verkaufen, damit würden wir uns ja selbst schaden.

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    Wie wollen Sie gegen Paypal gewinnen, den Marktführer bei digitalen Bezahldiensten?
    Wir wollen etwas ganz anders bauen als Paypal. Andere Firmen konzentrieren sich lediglich darauf, das digitale Bezahlen zu vereinfachen. Wir hingegen wollen mehr, wir schaffen mit unserer Software die Basis für völlig neue Geschäftsmodelle. Wir wollen es Entwicklern und Gründern viel einfacher machen, neue Onlineunternehmen zu gründen und sie global auszurollen. Uns beschäftigt die Frage sehr, wie wir ein vielfältigeres digitales Ökosystem schaffen können, das offen für Newcomer ist. Die Onlinewirtschaft ist heute viel zu sehr geprägt von einer Handvoll großer Konzerne. Das ist ungesund für das Internet.

    Sie spielen auf Google, Apple, Facebook und Amazon an. Verhindern sie inzwischen Wettbewerb im Netz?
    Die großen Tech-Unternehmen haben zweifellos tolle Produkte und bieten ihren Nutzern einen echten Mehrwert – das darf man nicht außer Acht lassen. Allerdings ist die Digitalwirtschaft heute in der Tat gekennzeichnet von einigen wenigen sehr starken Unternehmen, und vor allem von einer Einseitigkeit der Geschäftsmodelle: Neben dem Handel dreht sich alles um Werbung. Ein Teil der Lösung könnte es daher sein, neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen, so wie wir es mit unseren Produkten für Plattformen, Marktplätze und Abodienste tun. Eine vielfältigere Onlinewirtschaft mit kreativen, neuen Businessmodellen wird auch automatisch zu mehr Innovation und Wettbewerb führen und zu weniger Machtkonzentration.

    Politiker in der EU und den USA wollen IT-Riesen stärker regulieren. Sie auch?
    Mehr Regulation ist immer die einfachste Antwort. Politiker sollten sich stattdessen darauf konzentrieren, wie sie Innovationen und Rivalität fördern. In Europa ist man geradezu besessen davon, das nächste Google, Facebook oder Amazon zu schaffen. Vielleicht ist es aber gar nicht der richtige Ansatz, ein einziges sehr erfolgreiches Unternehmen auf den Weg zu schicken – Tausende kleine Unternehmen erzeugen einen viel breiteren Wettbewerbsdruck.

    Schauen wir uns Stripe einmal genauer an: Sie berechnen eine Gebühr von 2,9 Prozent pro Transaktion, eine dünne Marge, verglichen mit Cloud- oder Werbegeschäft. Wie wollen Sie wachsen?
    Beim digitalen Bezahlen kommt es auf auf das Transaktionsvolumen an. Stripe verarbeitet viele Milliarden Euro an Zahlungen für Hunderttausende von Kunden auf der ganzen Welt. Die USA sind unser wichtigster Markt, aber auch in Europa wächst unser Geschäft schnell. Hinzu kommen unsere Softwareprodukte, die Unternehmensgründern die ganze Bürokratie abnehmen: Buchhaltung, Abrechnungen, den Umgang mit unterschiedlichen Währungen oder Onlinebetrug.

    Und wie läuft es in Deutschland?
    Wir haben in Deutschland Tausende von Kunden. Dazu gehören große Unternehmen wie Volkswagen oder MAN, das gerade einen B2B-Marktplatz für Logistik-Apps aufbaut, aber auch viele Start-ups wie Jimdo, Book a Tiger und Statista.

    Wie steht Stripe finanziell da? Planen Sie einen Börsengang?
    Zu Umsatz und Gewinnen will ich mich nicht äußern, und wir haben derzeit auch keine Pläne, an die Wall Street zu gehen. Die interessantesten Wachstumsmöglichkeiten für Stripe sehen wir derzeit außerhalb der USA, in Asien und Afrika, wo die Märkte oft weniger entwickelt sind. In Europa gibt es bereits eine sehr große Onlinewirtschaft, anders als zum Beispiel in Indonesien oder auf den Philippinen.

    Spielen traditionelle Banken künftig überhaupt noch eine Rolle?
    Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Banken verschwinden. Ihre Funktion wird gebraucht, schon allein, um das Geld irgendwo hinzulegen. Wir konkurrieren nicht mit den Banken und wollen sie auch nicht ersetzen. Wir pflegen partnerschaftliche Beziehungen zu einer Vielzahl von Unternehmen der Finanzwirtschaft – anders geht es in einem so hochregulierten Bereich auch nicht.

    Fintechs und Banken streiten über die Umsetzung der EU-Zahlungsrichtlinie PSD2, die Geldhäuser zum Datenaustausch verpflichtet. Geht Ihnen das Gesetz weit genug?
    PSD2 mag nicht perfekt sein. Aber man merkt dem Gesetz an, dass es verhindern will, dass die Banken alle Informationen horten und sie niemandem zugänglich machen. Ein sehr gutes Beispiel für Regulierung, die nicht verhindert, sondern ermöglicht.

    Verfehlt die neue Datenschutzrichtlinie DSGVO ihr Ziel, wie viele europäische Internetunternehmer kritisieren?
    Die Datenschutz-Grundverordnung schafft die Grundlage für das Vertrauen der Nutzer. Allerdings muss sichergestellt sein, dass die Anforderungen auch von kleinen Unternehmen und Start-ups erfüllt werden können. Regulierung hilft oft eher den großen Unternehmen, die eine ganze Rechtsabteilung auf die Umsetzung ansetzen können. Wir haben bei vielen unserer kleineren Nutzern eine ziemliche Ratlosigkeit festgestellt.

    Herr Collison, vielen Dank für das Gespräch. 

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