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Vergleichsportal Bundesfinanzministerium weckt Hoffnung auf unabhängigen Girokonten-Vergleich

Noch immer gibt es kein zertifiziertes Vergleichsportal für Bankdienstleistungen. Doch das Bundesfinanzministerium erwartet eine „zeitnahe“ Lösung.
19.05.2020 - 17:40 Uhr Kommentieren
Zwar gibt es viele Vergleichsportale, aber kein speziell zertifiziertes Angebot, das Bankdienstleistungen vergleicht. Quelle: dpa
Vergleichsportal

Zwar gibt es viele Vergleichsportale, aber kein speziell zertifiziertes Angebot, das Bankdienstleistungen vergleicht.

(Foto: dpa)

Berlin Die Frist ist schon lange abgelaufen. Die EU-Zahlungskontenrichtlinie aus dem Juli 2014 schreibt allen Mitgliedstaaten vor, bis zum 31.10.2018 sicherzustellen, dass Verbraucher „entgeltfreien Zugang zu mindestens einer Website haben, die einen Vergleich der Entgelte für Zahlungskonten ermöglicht“. 19 Monate später haben Verbraucher immer noch keine Möglichkeit, die Konditionen für ihren Dispozins, für Überweisungen, Daueraufträge, Lastschriften, Kredit- und Girocards zu vergleichen und zu entscheiden, ob sich ein Wechsel ihres Kreditinstituts lohnt. Sind Änderungen in Sicht?

Das Bundesfinanzministerium geht davon aus, dass die Wartezeit bald ein Ende hat. Eine zertifizierte Vergleichswebsite soll „zeitnah“ zum Einsatz kommen, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Durch die Covid-19-Krise könne es allerdings zu Verzögerungen kommen, da letzte Schritte der Zertifizierung auch Prüfungen vor Ort erfordern, so eine Sprecherin.

Das Verfahren habe eine Vorbildfunktion. Es sei das erste Mal, dass in Deutschland gesetzliche Regelungen zur Anwendung kommen, die Qualitätsstandards für bestimmte Vergleichswebsites vorsehen. „Es ist im Sinne des Verbrauchers, dass diese Verfahren sorgfältig durchgeführt werden“, sagte die Sprecherin.

Dorothea Mohn, Finanzmarktexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), glaubt nicht mehr so recht an die Vergleichswebsite. Sie hält es für einen Konstruktionsfehler, dass das Vergleichsportal von der Privatwirtschaft erbracht werden soll. Diese müsse es kostenlos anbieten und trotzdem unabhängige, objektive, nicht provisionsgetriebene Vergleiche erbringen. „Mir hat von Anfang an die Vorstellungskraft gefehlt, wie das gelingen soll“, sagt Mohn.

Gerade in der Coronakrise dürften viele Verbraucher daran interessiert sein, Entgelte für Bankdienstleistungen zu reduzieren. Und dass diese weit auseinanderklaffen, beweisen jüngste Umfragen. Viele Banken verlangen derzeit überhöhte Dispozinsen von bis zu 13,75 Prozent, belegt eine Auswertung der FMH Finanzberatung für die Bürgerbewegung Finanzwende.

Der durchschnittliche Dispozins von mehr als 3400 untersuchten Kontomodellen liege bei 9,96 Prozent. Fast bei der Hälfte dieser Kontomodelle lag der Zins bei zehn Prozent und mehr. Das Portal Biallo.de fand kürzlich heraus, dass das bargeldlose Zahlen, das die Kreditwirtschaft propagiert, bei vielen Instituten mit Kosten verbunden ist. Teilweise würden Kreditinstitute für einen Vorgang 70 Cent in Rechnung stellen. Ein Vergleichsportal könnte hier Orientierung bieten.

Die Kritik der Verbraucherschützer teilt die Bundesregierung nicht. „Der Gesetzgeber hat sich 2016 dafür entschieden, auf den bestehenden Markt privater Vergleichswebsite-Anbieter sowie das in anderen Bereichen bewährte System der Akkreditierung und Zertifizierung aufzusetzen.“ Konkret hat der Tüv Saarland nach einem aufwendigen Verfahren das Recht erworben, Vergleichswebsite-Betreiber zu zertifizieren.

Ein Bewerber steht nach Angaben des Tüv Saarland im Zertifizierungsverfahren, andere haben Interesse signalisiert. Mit Biallo.de ist nach Informationen des Handelsblatts ein Interessent aus Kostengründen abgesprungen. „Die Anforderungen an Vergleichswebsites sind hoch. Die regulatorischen Anforderungen sind zum Teil komplex und die Prüfungen aufwendig und technisch wirklich anspruchsvoll“, räumt Thorsten Greiner vom Tüv Saarland ein. Corona-bedingt mussten Vor-Ort-Audits komplett ausgesetzt werden.

Vergleichsportale wie Check24 und Verivox haben aus ihrem Interesse keinen Hehl gemacht. „In den letzten Wochen und Monaten haben wir unsere Datenbank um die Vergleichskriterien erweitert, die die Finanzaufsicht Bafin für den Erwerb des Zertifikats vorgegeben hat – etwa die Kosten für Überweisungen und Daueraufträge“, erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Man befinde sich weiterhin im Austausch mit dem Tüv Saarland.

Wie es scheint, müssen interessierte Verbraucher sich noch etwas gedulden, bis sie auf ein zertifiziertes Vergleichsportal zurückgreifen können.

Mehr: Tüv darf Bankgebühren prüfen – das könnte Kunden mehr Transparenz bringen

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