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Volks- und RaiffeisenbankenNoch eine Genossenschaftsbank mit Problemen – dieses Mal in Franken

Die Finanzaufsicht attestiert der oberfränkischen Raiffeisenbank Thurnau deutliche Mängel. Das kleine Geldhaus kämpft mit faulen Krediten. Eine Fusion wird immer wahrscheinlicher.Elisabeth Atzler 26.02.2025 - 21:26 Uhr Artikel anhören
Logo der Genossenschaftsbanken: Bei den Volks- und Raiffeisenbanken gibt es auch 2025 Problemfälle. Foto: Martin Schutt/dpa

Frankfurt. Eine weitere Genossenschaftsbank, die Raiffeisenbank Thurnauer Land, steckt in Schwierigkeiten. Nach Handelsblatt-Informationen soll die Bank bald mit einem anderen genossenschaftlichen Geldhaus fusionieren.

Das kleine Geldhaus, das zuletzt eine Bilanzsumme von knapp 150 Millionen Euro hatte, ringt mit notleidenden Krediten. Am Dienstag hatte die Finanzaufsicht Bafin zusätzliche Eigenmittelanforderungen für die Raiffeisenbank aus Oberfranken angeordnet.

„Grund für die Maßnahme waren insbesondere Mängel mit Auswirkungen auf das ordnungsgemäße Betreiben der Geschäfte und die Funktionsfähigkeit des Risikomanagements“, teilte die Bafin mit.

Die Bank selbst spricht im Geschäftsbericht für das Jahr 2023 von einem im Vergleich zu anderen bayerischen Genossenschaftsbanken hohen Anteil fauler Kredite. Die notleidenden Darlehen gehen demnach auf einzelne gewerbliche Kreditnehmer sowie mehrere ungeregelte Dauerüberziehungen zurück.

Im Jahresabschluss 2023 hatte die Bank angekündigt, dass sie 2024 vor weiteren Wertberichtungen auf Kredite stehe. So werde es „voraussichtlich wesentliche Zuführungen zur Einzelrisikovorsorge“ geben, heißt es in dem Jahresabschluss, der erst im Februar 2025 im Unternehmensregister veröffentlicht wurde.

Volksbanken

BVR-Präsidentin Kolak: „Wir haben kein systemisches Problem“

Die Raiffeisenbank Thurnauer Land stand, gemessen an ihrer Bilanzsumme, per Ende 2023 im Größenranking auf Platz 637 von damals fast 700 Genossenschaftsbanken. Sie hat nur 16 Mitarbeiter.

Die Bank erklärte, dass sie intensiv daran arbeite, die von der Bafin geforderten Maßnahmen konsequent umzusetzen. „Diese betreffen insbesondere die Geschäftsorganisation und das Risikomanagement, an deren Optimierung wir gezielt arbeiten.“

Auch der Genossenschaftsverband Bayern, der als Wirtschaftsprüfer der Bank fungiert, ist involviert. Er begleite die Bank eng bei der Umsetzung der regulatorischen Vorgaben und der strategischen Weiterentwicklung, so der Verband.

Rascher Zusammenschluss geplant

Nach Handelsblatt-Informationen soll die Raiffeisenbank Thurnauer Land bald mit einer anderen Genossenschaftsbank fusionieren. Es sei angestrebt, dass innerhalb von vier Wochen ein Fusionspartner feststeht, hieß es. Ob die Bank Hilfe aus der Sicherungseinrichtung der Genossenschaftsbanken brauche, sei noch offen. Weder die Bank noch der bayerische Genossenschaftsverband äußerten sich dazu.

Eine Option bei solchen Notfusionen ist, dass zunächst die Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) einer Mitgliedsbank in Schieflage hilft und Risiken im Portfolio abschirmt. Die BVR-Sicherungseinrichtung schützt nicht nur die Kundeneinlagen, sondern auch die Existenz der Banken. Die Problemfinanzierungen wandern später an das Spezialinstitut BAG, die sogenannte Bad Bank des genossenschaftlichen Sektors.

Eine andere Möglichkeit ist, dass eine Bank Problemkredite oder -beteiligungen nach einer Wertberichtigung an die BAG abgibt und zusätzlich Kapital bereitstellt. Voraussetzung ist, dass die Bank über ausreichend Eigenkapital verfügt. Danach kann die betreffende Bank fusionieren.

Nach der Stützung schließt sich die Bank in der Regel rasch mit einem stärkeren Partnerinstitut zusammen. Im vergangenen Jahr rettete der BVR-Stützungsfonds gleich drei Volksbanken, insgesamt ging es um Risiken von fast 500 Millionen Euro.

Die drei Fälle sorgten für viel Aufsehen, zumal sie im Vergleich zu den Vorjahren hervorstachen. Laut BVR-Chefin Marija Kolak gab es in den vergangenen fünf Jahren, inklusive 2024, insgesamt „weniger als eine Handvoll“ von Stützungsfällen.

Insgesamt stehen die rund 670 Genossenschaftsbanken sehr stabil da. 2023 verdienten sie vor Steuern fast elf Milliarden Euro – so viel wie noch nie. Ihr Spitzeninstitut DZ Bank fuhr auch 2024 mit 3,3 Milliarden Euro einen Rekordgewinn ein.

Banken

DZ Bank fährt einen Rekordgewinn ein – die Risikovorsorge steigt allerdings deutlich

Weitere Raiffeisenbank mit Problemen

Die Raiffeisenbank Thurnauer Land wäre ein relativ kleiner Problemfall für den genossenschaftlichen Sektor. Die Raiffeisenbank im Hochtaunus ist eine weitere und deutlich größere Genossenschaftsbank, die Ärger mit der Aufsicht hat. Nach Handelsblatt-Informationen hat die Bafin der Bank verboten, neue Gewerbeimmobilienkredite zu vergeben. Das Geldhaus mit einer Bilanzsumme von 2,4 Milliarden Euro war zuletzt auf Rang 127 im Größenranking.

Die Raiffeisenbank aus Bad Homburg finanziert in erster Linie Gewerbeimmobilien, auch außerhalb des regionalen Geschäftsgebiets. Zudem hat sie bundesweit um Einlagen und Mitglieder geworben. Das ungewöhnliche Geschäftsmodell sorgt seit Längerem für Ärger im Genossenschaftssektor.

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2023 musste die Raiffeisenbank Hochtaunus erhebliche Wertberichtigungen auf Immobilienengagements vornehmen, was den Gewinn drückte. Das Ergebnis für 2024 ist noch nicht bekannt, die Bank vergibt nach eigenen Angaben bereits seit vergangenem Mai keine neuen Darlehen für Gewerbeimmobilien mehr.

Insidern zufolge steht auch hier eine Fusion bevor, die größere Volksbank Mittelhessen gilt als wahrscheinlicher Partner. Naheliegend ist zudem, dass zuvor die Sicherungseinrichtung einspringt.

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