Vorstandsvergütung: Deutsche Bank kürzt ihrem Rechtsvorstand kräftig den Bonus
Frankfurt. Die Deutsche Bank wird den Bonus von Rechts- und Amerikavorstand Stefan Simon stärker kürzen als die variable Vergütung anderer Vorstände des Instituts. Der Abschlag für Simon steche deutlich hervor, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Von der Bonusreduzierung sei die Kurzfrist-Komponente seiner variablen Vergütung betroffen gewesen. Die Deutsche Bank wollte sich auf Anfrage zu diesen Informationen nicht äußern.
Simon ist im Vorstand für Rechtsfragen und für das Amerikageschäft des Instituts zuständig. Hintergrund für die Bonusabschläge für Simon sollen die hohen Rechtskosten im Zusammenhang mit den Klagen ehemaliger Postbank-Aktionäre sein. Die Bank hatte sich 2024 nach jahrelangen Gerichtsprozessen mit dem Gros der Kläger auf einen Vergleich geeinigt.
Die Einigung kam zustande, nachdem das Oberlandesgericht Köln angedeutet hatte, dass es im Sinne der Kläger urteilen könnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank vor dem Oberlandesgericht zwei Mal gesiegt, war dann aber jeweils vor dem Bundesgerichtshof gescheitert.
Die Bank hatte die juristische Wendung vor dem Oberlandesgericht nicht erwartet. Deshalb hatte sie das Risiko für eine Niederlage vor Gericht auf weniger als 50 Prozent taxiert und praktisch keine Vorsorge für dieses rechtliche Risiko getroffen. Daher musste das Institut nach einer mündlichen Verhandlung im April dann auf einen Schlag eine Rückstellung in Höhe von 1,3 Milliarden Euro bilden.
Für die Einigung mit den Klägern benötigte die Bank mit 900 Millionen Euro zwar letztlich eine geringere Summe als gedacht, weil sich das Institut mit vielen Klägern zu günstigeren Konditionen einigen konnte. Dennoch sorgte der Vorgang innerhalb des Instituts für Kritik an Simon.
Zwar nahm der Rechtsstreit im Jahr 2011 seinen Lauf und stammt damit aus einer Zeit, lange bevor Simon das Rechtsressort im Jahr 2020 übernahm. Doch ihm wird angelastet, dass das Institut von dieser Wendung überrascht wurde.
Für die Bank besonders unangenehm: Einen Tag zuvor hatte die Bank noch ein Rekordergebnis für das erste Quartal gemeldet. Viele Investoren fühlten sich düpiert. Auf der Hauptversammlung im vergangenen Mai übten deshalb auch mehrere von ihnen deutlich Kritik.
Andreas Thomae, Spezialist für Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investments, etwa sprach von einer „Schockmeldung“. „Diese Nachricht traf uns wie ein Donnerschlag“, sagte er auf dem Aktionärstreffen im vergangenen Mai.
Wenige Monate nach dem juristischen Rückschlag vor Gericht hatte die Bank im Juni 2024 die Zuständigkeit Simons für Compliance, also Regeltreue, sowie für Finanzkriminalität auf Laura Padovani übertragen. Die Bank hatte das damit begründet, dass Simon sich „noch stärker seinen wichtigen Aufgaben“ als Amerikavorstand widmen solle. Die Zuständigkeit für das Rechtsressort behielt er aber.