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WeroDas kostet der digitale Euro die Sparkassen

Der Sparkassenverband rechnet mit hohen Aufwendungen bei der Einführung einer Digitalwährung. Größere Sorgen bereitet dem DSGV und auch der Deutschen Bank aber ein anderes Thema.Elisabeth Atzler 09.07.2024 - 16:39 Uhr
Die Sparkassen erwarten Kosten von 200 Millionen Euro für den digitalen Euro, der frühestens im Jahr 2027 kommt. Foto: picture alliance / Caro

Frankfurt. Die deutsche Sparkassen-Finanzgruppe rechnet damit, dass sie für die Umsetzung des digitalen Euros rund 200 Millionen Euro aufwenden muss. Das sagte Joachim Schmalzl, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), auf der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Retail Banking“. Die Zahl habe der DSGV auf Basis des Gesetzentwurfs der EU-Kommission und erster eigener Auswertungen ermittelt, erklärte Schmalzl.

Der geplante digitale Euro, der frühestens im Jahr 2027 kommt, würde den Zugang zu Zentralbankgeld in digitaler Form ermöglichen. Bisher gibt es diesen Zugang nur über Bargeld, das immer weniger genutzt wird. Die EU-Kommission hatte deshalb vor einem Jahr einen Gesetzesvorschlag für den digitalen Euro unterbreitet, der unter anderem die Annahmepflicht in Geschäften und im Onlinehandel vorsieht.

Die Kosten von 200 Millionen Euro wären für den öffentlich-rechtlichen Sektor relativ einfach zu stemmen. Die rund 350 Sparkassen haben 2023 vor Steuern 17 Milliarden Euro verdient. Die Landesbanken, die auch zur Finanzgruppe gehören, fuhren ebenfalls Gewinne ein.

Schmalzl bezeichnete als wesentliches Problem denn auch die IT-Kapazitäten, die die Umsetzung des digitalen Euros benötige. Wenn die Sparkassen in diesem Umfang Ressourcen binden würden, „könnten wir zwei bis drei Jahre nichts Neues mehr machen außer dem digitalen Euro“, betonte der Sparkassenmanager. „Wir würden jegliche Innovation in anderen Zahlungssystemen bei uns auf Eis legen.“

Zahlungsverkehr

Neues Bezahlsystem „Wero“ startet – aber nur in Schmalspurversion

Ähnlich sieht es die Deutsche Bank. „Es geht nicht ums Geld, es geht um die IT-Kapazitäten“, sagte Deutsche-Bank-Managerin Katharina Paust-Bokrezion. Sie verwies darauf, dass Geldhäuser in der EU bald auch bereit sein müssen, Echtzeitzahlungen zu empfangen und zu senden.

In Deutschland sind dazu zwar schon jetzt so gut wie alle Banken in der Lage. Wenn tatsächlich ein großer Teil der Überweisungen in Echtzeit – also in maximal zehn Sekunden – läuft, müssten Banken aber vermutlich noch mehr investieren, unter anderem in Geldwäsche- und Betrugsprävention.

Digitaler Euro: Kosten für „Wero“ seien viel geringer

Hintergrund des digitalen Euros ist, dass europaweit immer weniger mit Bargeld gezahlt wird. Gleichzeitig befürchten Notenbanker, dass sich Digitalwährungen anderer Staaten oder private Kryptowährungen in Europa ausbreiten und die Bedeutung des Euros zurückdrängen könnten.

Auch das Thema Souveränität spiele eine große Rolle, sagte Alexandra Hachmeister, Zentralbereichsleiterin Digitaler Euro bei der Bundesbank. Derzeit laufen grenzüberschreitende Kartenzahlungen in Europa sowie in etlichen Ländern alle Kartenzahlungen über die Systeme der US-Finanzkonzerne Mastercard und Visa.

Banken

Immer mehr Deutsche beklagen schwierigen Zugang zu Bargeld

Viele Details zum digitalen Euro sind bisher noch unklar – unter anderem, welche Summen einzelne Personen maximal halten dürfen. Die Umsetzung des Gesetzes will die Kommission der Europäischen Zentralbank (EZB) überlassen. Zustimmen müssten zuvor aber der EZB-Rat, die EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament.

Offen ist, inwiefern der digitale Euro selbst eine Bezahlmethode wird und in Konkurrenz zu etablierten oder neuen Bezahlverfahren auch von Banken tritt. So wollen Banken aus Deutschland, Belgien, Frankreich und den Niederlanden, die sich zur European Payments Initiative (EPI) zusammengeschlossen haben, mit „Wero“ ein neues Bezahlsystem aufbauen.

Wero ist vergangene Woche mit Handy-zu-Handy-Zahlungen gestartet, bisher ist das aber nur zwischen einem Teil der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken möglich. Perspektivisch ist geplant, dass Wero auch Zahlungen im E-Commerce und an der Ladenkasse ermöglicht.

Aktuell sind Schmalzl zufolge rund 270 Sparkassen bei Wero dabei. Technische Probleme habe es beim Start nicht gegeben. Die Kosten für EPI seien „viel geringer“ als für den digitalen Euro. Auf Nachfrage bejahte Schmalzl, dass es bei Wero um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr gehe.

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Erstpublikation: 08.07.2024, 04:24 Uhr.

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