Wirecard-Prozess: „Die Grundthese der Staatsanwaltschaft (...) ist falsch“ – Marsaleks ungewöhnliches Schreiben im Wortlaut
Das Bild zeigt den ehemaligen Wirecard-Vorstand (r.) bei einem früheren Treffen mit Vertrauten in den Arabischen Emiraten.
Foto: privatDüsseldorf. Seit Juni 2020 ist Jan Marsalek untergetaucht. Fahnder suchen den früheren Wirecard-Vorstand mit internationalem Haftbefehl weltweit. Er gilt als einer der Drahtzieher hinter dem spektakulärsten Bilanzskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Jetzt hat sich Marsalek wie aus dem Nichts erstmals seit seiner Flucht zu Wort gemeldet. Über seinen Anwalt Frank Eckstein hat er kürzlich ein achtseitiges Schreiben an die vierte Strafkammer des Landgerichts München I adressiert. Dort läuft seit Dezember 2022 gegen den früheren CEO Markus Braun, den Ex-Chefbuchhalter Stephan von Erffa sowie den ehemaligen Wirecard-Statthalter in Dubai, Oliver Bellenhaus, der erste Strafprozess um den milliardenschweren Betrug.
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Marsalek nimmt über seinen Anwalt Stellung zu zentralen Thesen der Staatsanwaltschaft und dem Kronzeugen des Prozesses, seinem einstigen Weggefährten Bellenhaus. Er weist vor allem den Vorwurf zurück, ein milliardenschweres Geschäft in Asien, das sogenannte Third Party Acquiring (TPA), sprich Drittpartnergeschäft, habe nicht existiert. Außerdem beschuldigt er Bellenhaus, quasi im Alleingang für den milliardenschweren Betrug verantwortlich gewesen zu sein.