Commerzbank: Höhere Vorstandsgehälter geplant – was CEO Orlopp 2024 verdiente
Frankfurt. Die Commerzbank will ihren Führungskräften künftig deutlich mehr Geld zahlen. Die Zielvergütung für Vorstandschefin Bettina Orlopp soll ab 2026 um 15 Prozent steigen, die für alle anderen Vorstandsmitglieder um 16 Prozent. Das kündigte Deutschlands zweitgrößte Privatbank in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Vergütungsbericht an.
Das Grundgehalt der Vorstandsmitglieder soll dabei um zehn beziehungsweise elf Prozent steigen, die variable Vergütung um 30 beziehungsweise 31 Prozent.
Damit stelle sich die Bank wettbewerbsfähig auf. „Sie bleibt damit nicht nur attraktiv für bereits bestellte Vorstandsmitglieder, sondern die Anpassung bietet auch die Grundlage dafür, hervorragende Kandidaten im Markt für den Vorstand anzuziehen.“
Nach Angaben der Commerzbank hat ein Vergleich mit ähnlichen Instituten in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz ergeben, dass die Vergütung der eigenen Vorstände bisher „unterhalb des marktüblichen Rahmens lag“.
Deshalb habe der Aufsichtsrat erstmals seit 2012 „eine moderate Anhebung“ des Gehalts beschlossen. Die Vergütung der tariflich bezahlten Mitarbeiter sei in diesem Zeitraum um 28,2 Prozent gestiegen, die von außertariflich bezahlten Beschäftigten um 10,4 Prozent.
Knof bekommt zum Abschied 5,8 Millionen Euro
Darüber hinaus beschloss der Aufsichtsrat, dass bei der variablen Vergütung von Vorständen künftig die wichtigste Rolle spielt, ob die Drei-Jahres-Ziele erreicht werden. „Damit unterstützt das Vergütungssystem eine nachhaltig zukunftsorientierte Entwicklung der Commerzbank und setzt die diesbezüglichen Erwartungen der Investoren um“, erklärte das Institut.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte bereits im Januar angekündigt, ein neues Vergütungssystem einzuführen. „Das ist ein Kernelement der Unternehmenssteuerung, über das wir mit unseren Aktionären gerne persönlich diskutieren wollen“, sagte er im Handelsblatt-Interview. Die Hauptversammlung findet deshalb nach fünf Jahren im virtuellen Format 2025 erstmals wieder in Präsenz statt.
Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 2,7 Milliarden Euro eingefahren. Topverdiener des Instituts war dabei Manfred Knof, der Ende September als Vorstandschef abgetreten ist. Seine Gesamtvergütung stieg um rund 60 Prozent auf 5,8 Millionen Euro. 2,4 Millionen Euro davon entfielen auf Zahlungen, auf die sich Knof mit dem Geldhaus im Rahmen seines Aufhebungsvertrags verständigt hatte.
Der Manager hatte im September 2024 angekündigt, seinen Ende 2025 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Wegen des wenig später ausgebrochenen Übernahmekampfs mit der italienischen Großbank Unicredit verließ er das Institut dann jedoch bereits früher und übergab den Vorstandsvorsitz an Bettina Orlopp.
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Knof war 2021 von der Deutschen Bank gekommen, wo er eine Ebene unter dem Vorstand gearbeitet hatte, aber den Angaben zufolge deutlich mehr verdient hatte als auf dem Posten als CEO der Commerzbank. Deshalb habe man ihm dort ein etwas höheres Gehalt gezahlt, als es das Vergütungssystem vorsah. Das ist in Ausnahmefällen möglich.
Die neue Vorstandschefin Orlopp werde nun jedoch wieder „nach den regulären Vorgaben des Vergütungssystems“ bezahlt, erklärte das Institut. Im vergangenen Jahr stieg ihre Gesamtvergütung um neun Prozent auf 2,4 Millionen Euro.
ISS kritisiert Orcels Gehaltspaket als „exzessiv“
Damit verdiente Orlopp deutlich weniger als ihre Kollegen bei der Deutschen Bank und Unicredit. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing strich im vergangenen Jahr trotz eines Rückgangs des Gewinns seines Instituts 9,8 Millionen Euro ein. Versorgungsaufwendungen sind dabei nicht mit eingerechnet – anders als bei der Commerzbank.
Die Vergütung von Unicredit-Chef Andrea Orcel stieg 2024 sogar auf 13,2 Millionen Euro. Sein Gehalt wird in Italien seit seiner Ernennung zum Vorstandschef im April 2021 regelmäßig öffentlich diskutiert. Auch, weil das Mailänder Institut seine Vergütung seitdem mehrmals angehoben hat. 2025 könnte Orcel bis zu 16,4 Millionen Euro verdienen.
Der Stimmrechtsberater ISS, der zur Deutschen Börse gehört, hat die Bezahlung des Unicredit-Chefs scharf kritisiert. „Wir erkennen an, dass sich das Unternehmen unter der Führung von Orcel stark entwickelt hat, aber die wiederkehrenden, signifikanten Gehaltserhöhungen bereiten uns große Sorgen“, erklärte ISS kürzlich. „Das Gehaltspaket für 2025 erscheint uns exzessiv im Vergleich mit Konkurrenten und Marktpraktiken.“
ISS empfiehlt Investoren deshalb, bei der Unicredit-Hauptversammlung am Donnerstag gegen das Vergütungssystem zu stimmen. Bei dem Aktionärstreffen will Unicredit sich die Genehmigung für eine Kapitalerhöhung einholen, um den heimischen Konkurrenten Banco BPM zu übernehmen.
Bei der Commerzbank ist Unicredit im vergangenen Jahr mit neun Prozent eingestiegen und hat sich über Derivate bereits Zugriff auf rund 28 Prozent der Anteile gesichert. Unicredit-Chef Orcel würde das Institut am liebsten komplett übernehmen, will sich mit einer Entscheidung über das weitere Vorgehen aber nach eigenem Bekunden Zeit lassen.
Unicredit hat die Kritik von ISS an seiner Vergütungspolitik in einem neunseitigen Brief zurückgewiesen. Orcels Gehaltsentwicklung reflektiere das herausragende Abschneiden von Unicredit im Vergleich zu anderen Banken, erklärte das Institut darin.
Der Verwaltungsrat sei zudem überzeugt davon, dass die Gehaltserhöhung für Orcel nötig sei, um „die langfristige Bindung eines Top-CEOs in einem wettbewerbsintensiven Markt“ zu fördern. Das Geldhaus orientiere sich bei Orcels Bezahlung auch an vergleichbaren Instituten in Großbritannien, für die weniger strenge Bonus-Regeln gelten als in der EU.
Erstpublikation: 26.03.2025, 13:41 Uhr.