Cum-Ex-Skandal: Staatsanwaltschaft klagt langjährigen M.M.-Warburg-Chef Christian Olearius an
Viele Jahre ein angesehener Banker in Hamburg.
Foto: ullstein bild - Fabricius/WELTDüsseldorf. Christian Olearius hat alles versucht, um das Unheil abzuwenden. Den Vorwurf, er habe sich aus der Steuerkasse bedient, wies der langjährige Chef der Hamburger Bank M.M. Warburg stets zurück. Olearius verpflichtete Topanwälte, sprach mit Olaf Scholz, ging gegen Medien vor.
Nichts half. Nach Informationen des Handelsblatts hat die Staatsanwaltschaft Köln dem Landgericht Bonn ihre Anklageschrift gegen Olearius vorgelegt. Es geht um Steuerhinterziehung in Höhe von fast 300 Millionen Euro. Zuerst berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ darüber.
Deutsche Staatsanwälte sind angehalten, nur dann eine Anklage zu erheben, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Verurteilung des Beschuldigten erwarten. Olearius wird der besonders schweren Steuerhinterziehung beschuldigt. Die „besondere Schwere“ einer Steuerhinterziehung beginnt bei 50.000 Euro.
Ab einer Hinterziehung von einer Million Euro ist eine Bewährungsstrafe unüblich. Beim Olearius vorgeworfenen Steuerschaden von 300 Millionen Euro wären zehn Jahre Gefängnis möglich. Olearius ist 80 Jahre alt.
Lässt das Landgericht Bonn die Anklage zu, kann der Prozess noch vor dem Winter beginnen. Olearius träfe auf gut vorbereitete Gegenüber. Kein anderes Gericht hat sich so eingehend mit den Geschäften beschäftigt, die Olearius vorgeworfen werden. Jahrelang betrieb die Warburg-Bank sogenannten Cum-Ex-Handel. Die Beteiligten ließen sich dabei Steuern erstatten, die gar nicht gezahlt worden waren.