Steuerhinterziehung: Kronzeuge im Cum-Ex-Skandal soll auf die Anklagebank
Düsseldorf. Er habe viel Schaden angerichtet, sagte der Zeuge am 13. September 2022 im Landgericht Bonn. Immerhin: Nach sechs Jahren der versuchten Wiedergutmachung erkenne er einen Fortschritt: „Ich kann jetzt morgens in den Spiegel schauen, ohne mich zu übergeben.“
Um fast 890 Millionen Euro wollte der Frankfurter Steueranwalt die Staatskasse mit seinen krummen Geschäften prellen. Bei 430 Millionen hatte er Erfolg. Von seinen Kunden wurde der Anwalt dafür gefeiert. Auch er selbst bereicherte sich in ungeheurem Ausmaß.
Als die Staatsanwaltschaft kam, entschloss sich der Jurist, mit den Behörden zu kooperieren. Viele Hundert Stunden half er der Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung des Cum-Ex-Skandals. Banken und vermögende Kunden ließen sich dabei Steuern „erstatten“, die sie gar nicht gezahlt hatten.
Seine Beichten als Kronzeuge verband er mit einer Hoffnung: „Meine Tochter ist noch klein, die versteht das alles nicht. Eines Tages möchte ich ihr wieder in die Augen schauen können.“
Tatsächlich lieferte er den Strafverfolgern um Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker wertvolle Hinweise. Alle Cum-Ex-Verfahren endeten in Urteilen. Der mittlerweile berühmte Cum-Ex-Architekt Hanno Berger, der ehemalige Partner und Mentor des Zeugen, sitzt auch dank seiner Aussage im Gefängnis.