Finanzbranche: Generali-Chef setzt sich gegen rebellische Aktionäre durch
Frankfurt. Für Philippe Donnet ging es um seine berufliche Zukunft an der Spitze des Generali-Konzerns. Doch auf der Hauptversammlung des größten italienischen Versicherers stand weit mehr auf dem Spiel. Das Aktionärstreffen galt als wichtige Etappe in einem Machtkampf, in den nicht nur die Granden der italienischen Finanzbranche, sondern auch die rechte Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verwickelt sind.
Am Ende sicherte sich Donnet die Unterstützung der Aktionäre für eine weitere Amtszeit und für seinen Plan, die Vermögensverwaltungssparte von Generali in ein Joint Venture mit der französischen Natixis einzubringen. Dieser internationale Deal war auf den Widerstand einflussreicher Großinvestoren und der Regierung in Rom gestoßen.
Das Abstimmungsergebnis ist auch ein Sieg für den wichtigsten Generali-Anteilseigner Mediobanca gegen zwei rebellische Großaktionäre. Bereits 2022 hatten der als regierungsnah geltende römische Unternehmer Francesco Caltagirone und Delfin, die Holding der Familie Del Vecchio, versucht, Donnet zu stürzen. Die Rebellion scheiterte allerdings schon vor drei Jahren an der Unterstützung von Mediobanca für das Generali-Management.
Damals hatte der Bau- und Medienunternehmer Caltagirone mit Unterstützung des inzwischen verstorbenen Luxottica-Gründers Leonardo Del Vecchio einen Gegenkandidaten zu Donnet präsentiert.
So weit gingen die Rebellen dieses Mal nicht, aber sie stellten eine Liste mit sechs Kandidaten für das Board von Generali auf, darunter den Vorstandschef des Energiekonzerns Enel, Flavio Cattaneo, und den Vorstandschef des Versorgers Acea, Fabrizio Palermo. Caltagirone hält 6,9 Prozent an Generali, Delfin 9,9 Prozent.
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Mediobanca kommt auf einen Anteil von 13 Prozent an Generali. Die Bank präsentierte für die Hauptversammlung eine Liste mit zwölf Kandidaten für das Generali-Board und unterstützte eine weitere Amtszeit für den Chef Philippe Donnet und Chairman Andrea Sironi.
Am Ende entschieden sich laut Angaben von Generali 52,38 Prozent der Aktionäre für die Vorschläge von Mediobanca und 36,85 Prozent für die von Caltagirone. Das bedeutet, dass im neuen Board des Versicherers zehn Kandidaten von der Mediobanca-Liste sitzen werden – darunter Donnet und Sironi – und drei von der Caltagirone-Liste.
Dabei hatten die Rebellen kurz vor dem Aktionärstreffen überraschende Unterstützung von der Großbank Unicredit bekommen. Die Bank hatte sich vor der Hauptversammlung eine Beteiligung von 6,7 Prozent an Generali aufgebaut, von der bis Donnerstag nur fünf Prozent bekannt waren.
Die Abstimmung an der Seite von Caltagirone war möglicherweise ein Versuch, die italienische Regierung zu besänftigen. Denn Unicredit ist nicht nur in einen Übernahmekampf mit der Commerzbank verwickelt, sondern plant gleichzeitig den Kauf des italienischen Konkurrenten BPM. Dafür braucht Unicredit-Chef Andrea Orcel aber die Zustimmung der italienischen Regierung, die zuletzt einige komplexe Bedingungen an ihre Genehmigung geknüpft hat.
Caltagirone und Delfin lehnten das internationale Joint Venture im Asset-Management zwischen Generali und Natixis ab. Die Partnerschaft biete nur wenige wirtschaftliche Vorteile. Wenn Generali einen Partner suche, dann sollte der aus Italien kommen, sagte Caltagirone vor wenigen Tagen im Interview mit der Zeitung „Il Sole 24 Ore“. Aus ähnlichen Gründen war auch die Regierung in Rom gegen den italienisch-französischen Deal.
Die Hauptversammlung von Generali ist nicht der einzige Fall, bei dem die Regierung, Caltagirone und Delfin eine entscheidende Rolle spielen. Alle drei Parteien unterstützen ein Übernahmeangebot der einstigen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) für den Generali-Großaktionär Mediobanca.
Ein Deal, der Rom entgegenkommt
Kurz vor Ostern segneten die MPS-Aktionäre die für die Übernahmepläne notwendige Kapitalerhöhung ab. Ziel der Offerte ist es, neben den beiden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo mit MPS und Mediobanca eine dritte große italienische Finanzgruppe zu etablieren, womöglich unter Beteiligung von Generali. Ein solcher Deal käme Rom entgegen. An MPS sind Caltagirone und Delfin mit insgesamt knapp 18 Prozent beteiligt und an Mediobanca mit mehr als 27 Prozent.
Mediobanca-Chef Alberto Nagel lehnt das MPS-Angebot allerdings als feindlich ab. Er befürchtet, dass eine Übernahme durch den kleineren Konkurrenten, der nach der Finanzkrise vom Staat gerettet werden musste, wirtschaftlich keinen Sinn ergibt und Wert vernichtet.