Fintech: Ex-Commerzbank-Chef wechselt in die Krypto-Branch
Frankfurt. Acht Monate nach seinem Abgang als Commerzbank-Chef hat Manfred Knof einen neuen Job. Der Manager wird Chairman des Kryptoemittenten Valour und berät dessen Mutterkonzern Defi Technologies, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.
Das kanadische Fintech wurde 2020 gegründet und ist seit Mai auch an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert. Dort wird es aktuell mit 1,1 Milliarden Dollar bewertet. Knof solle mit seiner Führungserfahrung im europäischen Bankensektor dabei helfen, das verwaltete Vermögen von Valour durch institutionelle Partnerschaften mit führenden Finanzinstituten auszubauen, erklärte Defi Technologies.
Weiter hieß es vom Unternehmen: „Er wird auch dazu beitragen, die Aktienresearch-Abdeckung zu erweitern und die Beziehungen zu institutionellen Anlegern zu vertiefen, um die Investorenbasis von Defi Technologies nach der kürzlichen Notierung an der Nasdaq zu konsolidieren und zu erweitern.“
Die Defi-Tochter Valour bietet Anlegerinnen und Anlegern über sogenannte ETPs Zugang zu Kryptowährungen wie dem Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten. Krypto-ETPs sind Wertpapiere, die den Wertverlauf einer zugrundeliegenden Kryptowährung abbilden.
Euphorie in der Kryptobranche
In der gesamten Kryptobranche herrscht derzeit – auch wegen der Unterstützung von US-Präsident Donald Trump – Euphorie. In den USA investieren immer mehr institutionelle Anleger in die älteste und bekannteste Kryptowährung Bitcoin.
Knof erklärte, er stoße in einer für die Digital-Asset-Branche wichtigen Zeit zu Defi Technologies. „Gemeinsam werden wir daran arbeiten, den institutionellen Zugang zu digitalen Vermögenswerten zu erweitern und die Position von Valour als vertrauenswürdigem, innovativem Partner für Investoren weltweit zu stärken.“
Knof hat nach seinem Studium mehr als 20 Jahre für den Versicherer Allianz gearbeitet. Anschließend war er bei der Deutschen Bank tätig und ab 2021 dann als Vorstandschef bei der Commerzbank. Das Institut baute er radikal um und trimmte es auf Profitabilität.
Im September 2024 kündigte Knof dann überraschend an, seinen Ende 2025 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Eine Rolle spielten dabei Finanzkreisen zufolge auch Forderungen von Knof, denen Aufsichtsratschef Jens Weidmann nicht nachkommen wollte – unter anderem bei den Themen Geld, Vertragslänge und Freiheit bei unternehmerischen Entscheidungen.
Erster Job für Knof nach dem Abgang bei der Commerzbank
Kurz nach Knofs Ankündigung stieg der italienische Konkurrent Unicredit bei der Commerzbank ein und machte deutlich, dass er das Frankfurter Institut am liebsten komplett übernehmen würde. Angesichts des Übernahmekampfs entschied der Aufsichtsrat, Knof vorzeitig auszutauschen. Seit Oktober 2024 wird Deutschlands zweitgrößte Privatbank deshalb von Bettina Orlopp geführt.
Knofs neue Aufgabe bei Defi Technologies ist die erste, die er nach seinem Ausscheiden bei der Commerzbank antritt. Da es sich dabei nicht um einen Vollzeitjob handelt, dürften weitere folgen. Auf den ersten Blick ist der Schritt überraschend, weil Knof den Großteil seiner Karriere bei großen Finanzkonzernen verbracht hat. Völlig neu ist der Sektor für ihn jedoch nicht.
Bereits nach seinem Ausscheiden bei der Allianz 2017 engagierte sich Knof als Berater und Investor von Start-ups. Damals war er unter anderem Aufsichtsrat der Münchener Firma pmOne, die sich auf Künstliche Intelligenz und Datenanalyse spezialisiert hat. Zudem investierte er zusammen mit seiner Frau in ein Unternehmen, das Bionahrung herstellt.
Erstpublikation: 02.06.2025, 14:21 Uhr.