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Bilanzcheck Allianz sieht strategische Neuausrichtung durch Pandemie nicht gefährdet

Europas größter Versicherer hat ein Rekordjahr hinter sich. Corona-Effekte zeichnen sich aber ab. Sorgenkind der Allianz ist die Sachversicherungssparte.
05.05.2020 - 11:58 Uhr Kommentieren
Oliver Bäte ist der Vorstandschef des Versicherungskonzerns.
Allianz

Oliver Bäte ist der Vorstandschef des Versicherungskonzerns.

München, Frankfurt Im Organisationsteam der Allianz arbeiteten sie bereits seit Ende Februar am Plan B. Als dann im März die Bundesregierung wegen der Coronakrise den Weg für Hauptversammlungen via Internet frei machte, war klar, dass auch Europas größter Versicherer diese Variante wählen würde. Zu groß wäre die gesundheitliche Gefahr für die Aktionäre gewesen, wären diese wie gewohnt in der Münchener Olympiahalle zusammengekommen.

Statt mehr als 3.000 Anteilseignern vor Ort werden nun viele Tausend vor dem Bildschirm das erste virtuelle Aktionärstreffen in der 130-jährigen Geschichte des Versicherers verfolgen. Vorstandschef Oliver Bäte sowie neun Vorstände und zwölf Aufsichtsräte werden in einem Konferenzbereich der Zentrale in der Münchener Königinstraße sitzen. Die rund 650.000 Aktionäre der Allianz stimmen über die Tagesordnung per Briefwahl oder über einen Stimmrechtsvertreter ab.

Ungewohnt sind somit Umgebung und Vorgehensweise. Und ungewohnt dürfte auch das sein, was Bäte den Zuhörern verkünden wird. Denn die Geschäfte in diesem Jahr dürften sich wegen der Auswirkungen von Corona sehr viel anders entwickeln als im Rekordjahr 2019. Da schaffte der Versicherer ein operatives Ergebnis von rund 11,86 Milliarden Euro – und damit noch einmal 333 Millionen Euro mehr als 2018.

Das neue Jahrzehnt sollte der Allianz eigentlich ein weiteres Hoch bescheren. Zwölf Milliarden Euro sollten am Ende herauskommen. Dazu eine Spanne von 500 Millionen Euro nach oben wie nach unten.

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    Am Donnerstagabend meldete der Konzern, dass diese Prognose nicht erreicht wird und es vorerst kein neues Ziel gibt. Im ersten Quartal reichte es nach vorläufigen Zahlen nur für einen operativen Gewinn von 2,3 Milliarden Euro nach drei Milliarden ein Jahr davor.

    Dass das Jahr 2020 für die Allianz wegen der Coronakrise ungemütlich wird, darauf hatte Bäte die Aktionäre bereits vor Wochen vorbereitet. „Dieses Jahr wird nicht zum Lachen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Über unser Geschäftsmodell mache ich mir aber keine Sorgen.“

    Tatsächlich hat der Konzern in den vergangenen Jahren prächtig verdient. Mit einem verwalteten Vermögen von 2,268 Billionen Euro gehört er zu den größten Kapitalsammelstellen der Welt, mehr als drei Viertel davon stecken in festverzinslichen Anleihen.

    Folglich kam es Anfang April auch zu der außergewöhnlichen Situation, dass sich das Management der Allianz – ebenso wie die benachbarte Munich Re – entgegen der Empfehlung der europäischen Börsenaufsicht Eiopa vehement für die geplante Ausschüttung der hohen Dividende eingesetzt hat.

    9,60 Euro je Aktie sollen für das abgelaufene Jahr gezahlt werden. Es wäre eine Steigerung um 60 Cent oder 6,7 Prozent im Vergleich zum Jahr davor und eine Fortsetzung der seit Langem anhaltenden jährlichen Erhöhung. Beim aktuellen Kurs von rund 171 Euro ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von 5,6 Prozent.

    Hohe Kurseinbrüche

    Welche Bedeutung die Dividende für Aktionäre von Versicherern hat, verdeutlicht die Kursentwicklung des Branchenindexes Stoxx 60 Insurance. Der war mit dem Kurseinbruch ab März um bis zu 65 Prozent gefallen, der für die Euro-Zone maßgebliche Euro Stoxx 50 verlor knapp 40 Prozent. Vor allem der Ausfall der Dividende sowie die mögliche Aussetzung von Aktienrückkaufprogrammen lasteten auf den Kursen.

    Die Allianz-Aktie hatte zu der Zeit in der Spitze knapp die Hälfte an Wert verloren, konnte sich in den vergangenen Wochen aber deutlich erholen. Das noch im Februar angekündigte Aktienrückkaufprogramm in der Größenordnung von bis zu 1,5 Milliarden Euro wurde jedoch ausgesetzt. Die zweite Tranche über 750 Millionen Euro ruht derzeit.

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    Weiterhin sehr gut ist auch die Eigenmittelausstattung, bei der sich der Konzern eine Quote von mindestens 180 Prozent zum Ziel gesetzt hat. Eine Solvenzquote von 212 Prozent, wie sie noch zum Jahreswechsel in den Büchern der Allianz stand, dürfte man zwar nach den jüngsten Verlusten nicht mehr erreichen, hieß es zuletzt von einem Sprecher.

    Allerdings sei man auch von der Marke von 160 Prozent noch deutlich entfernt. „Es muss viel passieren“, sagte jüngst Finanzchef Giulio Terzariol auf die Frage, was die Allianz in die Knie zwingen könnte. Selbst bei einem sehr düsteren Szenario mit vielen negativen Entwicklungen hätte der Versicherer noch das geforderte Minimum an Eigenkapital.

    Das Rückschlagpotenzial für die Aktionäre scheint also überschaubar. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von aktuell weniger als neun bewegt sich die Aktie auf dem Niveau vieler Konkurrenten.

    Strategieplan nicht in Gefahr

    Die Coronakrise trifft die Allianz allerdings mitten in ihrer strategischen Neuausrichtung. Der im vergangenen Jahr gestartete und auf drei Jahre angelegte Strategieplan namens „Simplicity wins“ ist fast zur Hälfte abgearbeitet.

    Nach dem ersten Jahr sah es in den meisten Bereichen sehr gut aus. Der Gewinn je Aktie, bei dem in den Jahren von 2019 bis 2021 jeweils eine Steigerung von mehr als fünf Prozent angepeilt war, wuchs um 8,4 Prozent auf 18,90 Euro je Aktie.

    In den drei Jahren davor stieg der Gewinn je Aktie im Schnitt um 6,2 Prozent. Der Konzern hat damit im Vorkrisenjahr 2019 stark vorgelegt, sodass nun auch ein womöglich schwächeres Ergebnis 2020 den Mehrjahresplan nicht gefährdet.

    Ähnlich sieht es bei der Eigenkapitalrendite (Return on Equity) aus. Hier erreichte der Konzern im vergangenen Jahr ein Plus von 13,6 Prozent. Geplant sind hier mindestens 13 Prozent – was zumindest im laufenden Jahr fraglich sein könnte.

    Kräftig gewachsen ist die Allianz im vergangenen Jahr beim IMIX, dem Inclusive Meritocracy Index. Dort werden die Leistung und Qualität der Mitarbeiterführung im Management gemessen, ebenso die Integrität. Hier erreichte der Konzern zuletzt ein Allzeithoch bei 73 Prozent nach 71 Prozent im vergangenen Jahr.

    Einzig beim sogenannten Net Promoter Score (NPS) hat die Allianz Aufholbedarf. Mindestens 75 Prozent aller Geschäftseinheiten sollen bei der Weiterempfehlung Marktführer sein oder über dem Durchschnitt liegen, lautet das Ziel.

    Nach 74 Prozent im Jahr 2018 ist der Versicherer hier im vergangenen Jahr auf 70 Prozent abgesackt. „Vor allem in der Türkei und in Osteuropa gingen die Zahlen zurück, da wir dort die Preise nach oben angepasst haben“, begründete Bäte den Rückgang.

    Sorgenkind Sachversicherung

    Von den drei Unternehmenssparten steht die Sachversicherung als größtes Segment im laufenden Jahr besonders im Fokus. Dort kam es schon im vergangenen Jahr zu einem Rückgang des operativen Ergebnisses um 11,9 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro. Und das, obwohl der Umsatz in dieser Zeit um fast sieben Prozent auf 59,2 Milliarden Euro wuchs.

    Schuld waren ein schwächeres Kapitalanlageergebnis, vor allem aber die anhaltenden Probleme beim Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). Die Sparte fuhr im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 284 Millionen Euro ein, nachdem ein Jahr davor noch ein Gewinn von 282 Millionen Euro an dieser Stelle gestanden hatte.

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    AGCS ist der einzige Sanierungsfall im Konzern. „Man hätte die jetzigen Schritte auch ein Jahr früher einleiten können“, gab Finanzvorstand Terzariol im Februar zu. Ende vergangenen Jahres hatte der Konzern den langjährigen AGCS-Chef Chris Fischer-Hirs ausgetauscht und den im Haus hochgeschätzten Joachim Müller von der deutschen Tochter der Allianz an dessen Stelle gesetzt. Dass in Zeiten von Corona eine schnelle Besserung eintritt, ist unwahrscheinlich.

    Erfreulicher sieht es dagegen im Bereich Lebens- und Krankenversicherung aus. Hier stieg das operative Ergebnis 2019 um 13,4 Prozent auf rund 4,7 Milliarden Euro. Vor allem das gute Neugeschäft trug dazu bei. Langfristig dürfte sich auch positiv auswirken, dass die Allianz als erster ausländischer Versicherer in China eine Lizenz bekam, allein eine Versicherung aufzubauen.

    Zur Erfolgsgeschichte hat sich auch das Asset-Management gewandelt. Das für dritte verwaltete Vermögen erhöhte sich 2019 um rund 250 Milliarden Euro auf 1 686 Milliarden Euro. Nie zuvor hatten die Töchter AGI und Pimco so viel Geld für Kunden verwaltet.

    Die Gebühren dafür erhöhten den operativen Gewinn um 6,9 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Das schwierige Umfeld an den Kapitalmärkten dürfte es aber nicht leicht machen, dieses Niveau zu halten.

    So wird das laufende Jahr nicht einfach. Die Allianz könne die aktuelle Krise finanziell gut meistern, findet jedoch Terzariol. Ein Versicherer sollte immer so aufgestellt sein, dass er mit einer Krisensituation gut umgehen könne, sagte er jüngst. Die Investoren werden ihn an diesen Worten messen.

    Mehr: Der Pandemie-Experte der Munich Re erklärt, dass „alle 20 bis 30 Jahre so etwas wie Corona passieren kann.“

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