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Versicherer Allianz gelingt neuer Rekordgewinn – mit einem kleinen Makel

Europas größter Versicherer erreicht mit einem operativen Gewinn von 11,9 Milliarden Euro eine neue Bestmarke. Doch die wichtigste Sparte schwächelt.
21.02.2020 Update: 21.02.2020 - 10:57 Uhr 1 Kommentar
Vorstandschef Oliver Bäte präsentiert am Freitag in München die vorläufigen Jahreszahlen des Konzerns. Quelle: AFP
Allianz steigert Jahresgewinn

Vorstandschef Oliver Bäte präsentiert am Freitag in München die vorläufigen Jahreszahlen des Konzerns.

(Foto: AFP)

München Es war eine selbstbewusste Ansage. „Das Ziel aller Bereiche der Allianz muss es sein, die Besten im Markt zu schlagen“, sagte Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte Ende 2018 bei der Vorstellung der Mittelfriststrategie. Knapp anderthalb Jahre später belegen die am Freitag vorgelegten vorläufigen Jahreszahlen von Europas größten Versicherer, dass der Dax-30-Konzern Fortschritte auf diesem Weg macht – aber nicht alle Sparten diesen Anspruch derzeit erfüllen.

So fuhr Europas größter Versicherer im abgelaufenen Jahr einen Rekordgewinn ein und erhöhte die Dividende. Das operative Ergebnis stieg 2019 um drei Prozent auf 11,9 Milliarden Euro, nach 11,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Damit übertraf die Allianz die Erwartungen der Analysten, die im Durchschnitt mit einem operativen Ergebnis von 11,7 Milliarden Euro gerechnet hatten.

Finanzvorstand Giulio Terzariol hatte bereits im vergangenen August in Aussicht gestellt, dass der Versicherer die obere Hälfte des für den Jahresgewinn prognostizierten Zielkorridors von 11,5 Milliarden Euro plus oder minus einer halben Milliarde Euro erreichen werde. Zuletzt hatte er jedoch gewarnt, dass die Niedrigzinsen ihre Spuren hinterlassen würden.

Für Bäte ist das Gewinnplus ein wichtiger Etappenschritt. „Wir haben heute in München ordentliches Wetter, das passt zu unseren Zahlen“, frohlockte er auf der Bilanzpressekonferenz.

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    Ende 2018 hatte der Konzernboss das Unternehmen einen neuen Mehrjahresplan unter dem Credo „Simplicity wins“ verordnet – zu deutsch: Einfachheit gewinnt. Damit forciert das Management den Umbau in Richtung Digitalisierung, Internationalisierung und vor allem in Richtung einfacherer Produkte.

    Ein angestrebtes Ziel ist dabei auch eine höhere Profitabilität: Der Gewinn pro Aktie soll bis 2021 um jährlich jeweils über fünf Prozent steigen, davon über vier Prozent organisch – also ohne Zukäufe anderer Unternehmen.

    Für 2020 operativer Gewinn von bis zu 12,5 Milliarden Euro angepeilt

    Der Vorstandschef trimmt den Konzern deshalb weiter auf Wachstum. Für das laufende Jahr peilt Bäte nun einen operativen Gewinn von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro an – was im Mittel eine erneute Steigerung gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde

    Analysten sind noch deutlich optimistischer: Sie kalkulieren für das laufende Jahr im Durchschnitt mit rund 12,4 Milliarden Euro für den Dax-Konzern. Allerdings lässt sich die Allianz-Führung bei ihrer Prognose traditionell jeweils eine halbe Milliarde Spielraum nach oben und unten. In den letzten Jahren hat der Versicherer stets die obere Hälfte der Zielspanne erreicht.

    Der Münchener Dax-Konzern baut somit seine Rolle als führender Finanzkonzern in Deutschland aus und lässt beim Gewinn Adressen wie die Deutsche Bank und Wirecard deutlich hinter sich. Unter dem Strich blieb in München im vergangenen Jahr ein Nettogewinn von 7,9 (2018: 7,5) Milliarden Euro übrig.

    Zu den Wachstumstreibern im Konzern zählte dabei der zweitgrößte Bereich Lebens- und Krankenversicherung, deren operatives Ergebnis um 13,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zulegte. Auch im Asset Management – die Allianz hat mit Pimco und Allianz Global Investors zwei Vermögensverwalter unter ihrem Dach – läuft es gut.

    Das für Dritte verwaltete Vermögen erreichte Ende 2019 mit rund 1,6 Billionen Euro einen historischen Höchststand. Insgesamt kletterte der Umsatz im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 142 Milliarden Euro. Die Solvenzquote, die ein Gradmesser für die finanzielle Stabilität der Versicherer ist, lag bei ordentlichen 212 Prozent. „Das zeigt die Widerstandsfähigkeit der Gruppe“, sagte Finanzchef Terzariol.

    Probleme in der Sparte Schaden/Unfall

    Doch ausgerechnet die wichtigste Sparte Schaden/Unfall schwächelt. Die Erlöse in dem Sektor, zu dem unter anderem die Kfz- und die Gebäudeversicherung gehört, gingen deutlich zurück. Terzariol sprach von einem enttäuschenden Ergebnis.

    Das operative Ergebnis rutschte um 11,9 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro ab – im vierten Quartal brach es sogar um 42,3 Prozent auf 861 Millionen Euro ein. Probleme bereitet dabei vor allem die Industrieversicherung, wo die Tochter ACGS derzeit kaum Geld verdient.

    So mussten die Münchener im vierten Quartal rund 600 Millionen Euro in die versicherungstechnischen Rückstellungen der Tochter pumpen. Die kräftige Erhöhung der Rücklagen führte in der Sparte zu einem Verlust von 284 Millionen Euro, was im vierten Quartal zu einer schwachen Schaden-Kostenquote von 99,6 Prozent führte.

    „Wir arbeiten sehr hart daran, die Schwächen, die wir auch bei der Allianz haben, abzustellen“, kündigte Bäte in München an. Es gebe derzeit weltweit eine Häufung von Schadensfällen in der Industrieversicherung. So hatte auch der Rivale Talanx seinem Industrieversicherer HDI Global zuletzt sanieren müssen. Schon im November hatte Bäte den Chef der ACGS ausgetauscht und den bisherigen Allianz-Deutschland-Vorstand Joachim Müller neu an deren Spitze geholt.

    Zur Bilanzpressekonferenz folgte am Freitag nun ein weiteres Stühlerücken. Der bisherige Allianz-Deutschland Chef Klaus-Peter Röhler rückt zum 1. April in den Konzernvorstand der Allianz SE auf und ersetzt dort Axel Theis, der aus Altersgründen ausscheidet. Röhler behält jedoch zugleich seine Funktion als Deutschlandchef der Tochter.

    Der Manager war erst 2017 auf den Chefsessel der Allianz Deutschland gewechselt und gilt als Vertrauter von Bäte. Die Personalien nähren Spekulationen, wonach die deutsche Allianz-Landesgesellschaft schon bald in den Mutterkonzern integriert werden könnte. Im Hause gibt es solche Überlegungen bereits seit Längerem, heißt es. „Eine dramatische Wende ist meines Wissens nicht geplant“, sagte Bäte zur Frage, ob die Tochter aufgelöst werden soll.

    Bäte kann diese Überlegungen auf dem Fundament eines gut laufenden operativen Geschäfts treffen. Die Münchener hielten mit ihren vorläufigen Jahreszahlen ihren wichtigsten europäischen Rivalen, die französische Axa, auf Abstand.

    Axa-Boss Thomas Buberl hatte am Donnerstag zwar wegen Sondereffekten einen deutlichen Anstieg des Nettoergebnisses vorgelegt. Der operative Gewinn der Franzosen kletterte jedoch um vier Prozent auf 6,45 Milliarden Euro – und enttäuschte damit die Erwartungen der Experten. Die Bruttoprämien der Axa legten lediglich um ein Prozent auf fast 104 Milliarden Euro zu. Dennoch will Buberl den Aktionären eine um sieben Prozent auf 1,43 Euro je Papier erhöhte Dividende ausschütten.

    Dividende steigt auf 9,60 Euro

    Ein Schritt, den Bäte ebenfalls gehen will. Die Aktionäre der Allianz können sich ebenfalls auf eine höhere Ausschüttung einstellen. Die Anteilseigner sollen von dem erzielten Gewinnplus mit einer um sieben Prozent von neun auf 9,60 Euro erhöhten Dividende profitieren, empfahl der Allianz-Aufsichtsrat. Zugleich legt der Konzern ein neues Aktienrückkaufprogramm auf, wie er bereits am Donnerstagabend verkündete.

    Der Dax-30-Konzern will ab März dieses Jahres eigene Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro vom Markt zurückzukaufen. Das Programm soll bis Ende des Jahres laufen. Da die Papiere anschließend einbehalten werden, stützt dies normalerweise den Kurs der Aktie. Das Unternehmen hat seit 2017 rund 7,5 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Papiere gesteckt. Der Vorstand hatte sich zu dieser Strategie bekannt für den Fall, dass der Konzern überschüssiges Kapital nicht für den Geschäftsausbau oder den Kauf anderer Unternehmen benötigt.

    Bei den Investoren verfehlte der Schritt jedoch seine Wirkung. Die Allianz-Aktie verlor im Handel zeitweise bis zu zwei Prozent. Die Probleme der ACGS verdarben offensichtlich die Stimmung. „Das Ergebnis des vierten Quartals lag insgesamt über den Erwartungen“, resümierte DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel. „Die einzige Enttäuschung war unserer Meinung nach die hohe Combined Ratio, die auf die Stärkung der Reserven bei AGCS zurückzuführen ist.“

    Mehr: Allianz stellt Quartalszahlen in Frage – Gespräche mit Börse.

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    1 Kommentar zu "Versicherer: Allianz gelingt neuer Rekordgewinn – mit einem kleinen Makel"

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    • "Das Ziel aller Bereiche der Allianz muss es sein, die Besten im Markt zu schlagen"
      Haben sie ja geschafft - ihre besten Kunden sind schon geschlagen. Wer als Allianz-Kunde auf seine Lebensversicherung schaut und feststellt, dass die Ablaufleistung 1/3 unter Vorhersage bei Abschluß liegt, braucht nicht lange suchen, wo denn der Gewinn wohl herkommt - den haben die Kunden bezahlt.
      Auch heute kann man die LV nur als legalen Betrug bezeichnen - Allianz macht vor wie es geht.

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