Gastronomie: Das Kaffeehaus, in dem die Mächtigen der Republik speisen
Berlin. Wer über die Allee Unter den Linden geht, bewegt sich durch eines der symbolisch aufgeladensten Zentren der Republik – und zugleich durch eine gastronomische Leerstelle. Zwischen Brandenburger Tor und Friedrichstraße, selbst bis zur Museumsinsel, finden sich erstaunlich wenige Orte, an denen man sich tagsüber wie abends verlässlich bewirten lassen kann. Spätestens am Abend dünnen sich die Touristenströme aus, die Gegend wirkt leer, fast unwirtlich.
Auch an diesem Mangel liegt der Erfolg eines Ortes, der hier seit 30 Jahren besteht: das Einstein Unter den Linden. Am 21. März 1996 um 14.30 Uhr eröffnete es Gerhard Uhlig-Romero, kaum 600 Meter vom Brandenburger Tor entfernt.
Was als Café begann, entwickelte sich rasch zu etwas anderem: zu einem Treffpunkt des politischen Berlins, zu einer Kantine der Berliner Republik. Ein Ort für Gespräche, Verabredungen, Hintergrundrunden – für jene, die in Parteien, Verbänden, Ministerien und Organisationen Einfluss ausüben.
Dass das Einstein diese Rolle bis heute behauptet, hat weniger mit Nostalgie zu tun als mit seiner Lage. Für keinen anderen Berliner Postleitzahlenbereich finden sich mehr Einträge im Lobbyregister des Bundestages als für 10117. Botschaften, Verbände, Repräsentanzen großer Konzerne – sie liegen in direkter Nachbarschaft. Allein im Gebäude Unter den Linden 42 befinden sich laut Lobbyregister die Hauptstadtrepräsentanz von BMW und der Markenverband. Wer hier arbeitet, braucht einen Ort für Treffen. Alternativen gibt es kaum.