Branchenverband GDV: Versicherungen klagen über zu viel Regulierung
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen hält die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für nicht mehr zeitgemäß.
Foto: Dominik ButzmannFrankfurt. Deutsche Versicherer klagen über zu viel Regulierung auf nationaler und europäischer Ebene. Der bürokratische Aufwand steige für die Unternehmen ständig weiter, hieß es am Dienstag bei einem Mediengespräch des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Darunter litten auch die Kundinnen und Kunden, wenn Entscheidungen länger dauerten als nötig.
Beispielhaft für übermäßige Regulierung auf europäischer Ebene stünde laut Christoph Jurecka, Vorsitzender des GDV-Präsidialausschusses Unternehmenssteuerung und Regulierung, die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Man begrüße eine standardisierte, hochwertige Berichterstattung sehr, sagte der Finanzvorstand des Rückversicherers Munich Re. Daten von hoher Qualität seien ein Eckpfeiler für die nachhaltige Transformation. Versicherer bräuchten diese, um ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen zu können.
Man sei bei der Regulierung aber über das Ziel hinausgeschossen. Dichte und Fülle der Berichtsanforderungen überforderten die Unternehmen, betonte Jurecka: „Bei der Berichterstattung sollten nur diejenigen Inhalte in den Fokus genommen werden, die nachweislich zu mehr Nachhaltigkeit führen, vor allem mit Blick auf den Klimawandel.“
Aktuell gebe es zu viele Regelwerke, die sich überschnitten und nicht genügend aufeinander abgestimmt seien. Zudem fehlten oftmals genaue Begriffsdefinitionen und sektorspezifische Standards.
Fehlende Ausnahmen für kleine und mittlere Unternehmen machten vielen Anbietern zu schaffen. „Es macht keinen Sinn, dass ein kleiner Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit mit einer Handvoll Beschäftigten die gleichen Anforderungen erfüllen muss wie ein Dax-Konzern“, kritisierte Jurecka. Erleichterungen forderte er für Versicherer mit bis zu 500 Beschäftigten.
Auch die europäische Versicherungsregulierung Solvency II, die unter anderem die Kapitalanforderungen für Versicherer vorgibt, oder die Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Versicherern leiden aus GDV-Sicht unter Doppel- oder Überregulierung.
Branchenverband warnt vor Hürden bei Digitalisierung
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen warnte zudem vor Hürden bei der digitalen Transformation in Deutschland. Vor allem die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) halte er nicht mehr für zeitgemäß. „Insbesondere im Bereich selbstlernender Künstlicher Intelligenz ist es kontraproduktiv, die Datenverarbeitung stark zu beschränken“, sagte Asmussen. Die DSGVO müsse sich stärker an wirklichen und aktuellen Risiken orientieren.
Aus Sicht von Asmussen schränke die Verordnung die Versicherer dabei ein, Versicherungsanträge vollständig digital und ohne menschliches Eingreifen zu bearbeiten. Mit Zustimmung der Kunden dürften sie Daten zwar automatisch verarbeiten. Datenschutzbehörden forderten jedoch eine zusätzliche Option zur Überprüfung durch Sachbearbeiter.
Das koste viel Zeit – auch zulasten der Kundinnen und Kunden. Sie müssten häufig länger warten als nötig. „Es sollte ausreichen, dass Versicherte eine menschliche Überprüfung verlangen können, wenn sie mit dem digitalen Ergebnis unzufrieden sind“, sagte der GDV-Hauptgeschäftsführer.