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Munich Re und Co. Corona-Pandemie belastet die Rückversicherer – Branche steht vor schwierigen Preisverhandlungen

Die Pandemie verursacht nicht nur gewaltige Kosten, sondern fordert auch von den Unternehmen der Branche immense Veränderungen.
07.09.2020 - 16:55 Uhr Kommentieren
In der Gastronomie haben viele Betriebe während der Coronakrise ihre Pforten geschlossen – zum Teil sind die Schäden versichert. Quelle: dpa
Leere Tische in Cafés und Restaurants

In der Gastronomie haben viele Betriebe während der Coronakrise ihre Pforten geschlossen – zum Teil sind die Schäden versichert.

(Foto: dpa)

München Den veränderten Rahmenbedingungen begegnen sie bei Munich Re mit einem Wortspiel. „Monte Carlo at Monaco di Baviera“ steht auf den Einladungen, die der Dax-Konzern für diese Septemberwoche verschickt hat. Das weltgrößte Treffen der Rückversicherer, das in diesem Jahr zum 64. Mal im Fürstentum Monaco stattfinden sollte, wurde wie so viele Großveranstaltungen abgesagt. Die Experten der Rückversicherer bleiben damit im bayerischen Monaco, um mit ihren Kunden virtuell die ersten Gespräche über Verträge und Konditionen im kommenden Jahr zu führen.

Das geschieht ausgerechnet in einer Phase, in der viele in der Branche von der herausforderndsten Preisrunde seit Jahren sprechen. „Der Rückversicherungsmarkt ist so hart, wie ich das seit Jahren nicht mehr erlebt habe“, sagte jüngst Munich-Re-Chef Joachim Wenning. Und das liegt nicht nur an den Belastungen durch Covid-19. Viele Jahre standen die klassischen Rückversicherer unter Druck. Höhere Prämien konnten in der Regel nur dort durchgesetzt werden, wo es zuvor zu größeren Schäden durch Hurrikane, Taifune oder Waldbrände gekommen war. Andernorts mussten häufig Preiszugeständnisse gemacht werden.

Hinzu kam in den vergangenen Jahren verstärkter Druck von Anbietern alternativen Kapitals, die in den Markt drängten. Das hat sich inzwischen geändert, wie jüngste Zahlen belegen. Betrug das weltweite Kapital aller Rückversicherer im vergangenen Jahr noch rekordhohe 625 Milliarden Dollar, so ist diese Summe nach Berechnungen des britischen Versicherungsmaklers Aon in den ersten drei Monaten dieses Jahres um rund sechs Prozent auf 590 Milliarden Dollar gefallen.

Klassische Rückversicherer haben dagegen in den vergangenen Monaten die Unsicherheit am Markt ausgenutzt. So trat beispielsweise Munich Re bei der jüngsten Erneuerungsrunde im Juli offensiv auf und steigerte das gezeichnete Neugeschäftsvolumen um 8,3 Prozent. In diesem Jahr sollen damit Beitragseinnahmen von rund 54 Milliarden Euro in die Kassen der Münchener fließen – ein Rekord.

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    Das starke Neugeschäft hängt auch mit einem Umdenken bei Kunden zusammen, die in der Phase der Unsicherheit verstärkt Rückversicherungen nachfragten. Bei der Hannover Re sprach Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz kürzlich von „teils signifikanten Preis- und Konditionsverbesserungen im zweistelligen Bereich“.

    Erwartungsgemäß dominiert die Corona-Pandemie die diesjährige Erneuerungsrunde. Deren Konsequenzen zeigten sich bereits in den Bilanzen des ersten Halbjahrs. Am meisten litt die Swiss Re, die einen Verlust vom mehr als einer Milliarde Dollar beklagen musste.

    Bei der Munich Re lagen die Belastungen durch die Coronakrise im ersten Halbjahr bei 1,5 Milliarden Euro. Auch die Hannover Re als Nummer drei der Branche musste einen massiven Gewinneinbruch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hinnehmen. Nun heißt es unisono, dass sich die Schadenentwicklung durch die Corona-Pandemie verglichen mit den ersten beiden Quartalen verlangsamt habe.

    Einrichtung staatlich gestützter Pools im Gespräch

    Generell sprechen sich viele in der Branche mit Blick auf die Zukunft für die Einrichtung staatlich gestützter Pools aus, um solche extrem teuren Risiken abzusichern. In der Vergangenheit kam bereits Zustimmung von Axa, Allianz und Hannover Re. Nach Ansicht von Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek erfordern systematische Risiken auch systematische Gegenmaßnahmen, um nicht versicherbare Risiken tragbar zu machen.

    Daneben stehen wie immer um diese Jahreszeit mögliche Auswirkungen durch Hurrikane in der Karibik oder Taifune in Asien im Raum. Einen Vorgeschmack darauf boten bereits die Hurrikane Hannah, Isaias und Laura in den vergangenen Wochen, die aber noch vergleichsweise glimpflich ausfielen. Bei der Munich Re gehen sie von Belastungen im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich aus. In diesem Rahmen sollen sich auch die Kosten für die verheerende Explosion in Beirut bewegen.

    Die Gefahr durch Cyberangriffe ist durch die Pandemie noch gestiegen. Durch den Lockdown wurden viele Unternehmen gezwungen, sehr schnell Prozesse ins Internet zu verlegen. Prozesse, die sonst Jahre gedauert hätten, wurden so in kürzester Zeit durchgezogen. Damit ist für viele Unternehmen aber auch das Bewusstsein für Angriffe gestiegen. Bei Munich Re gehen sie davon aus, dass sich der Markt für Cyberversicherungen in den Jahren bis 2025 auf rund 20 Milliarden Dollar verdreifachen wird.

    Für die traditionell konservative Branche der Rückversicherer stellt die Coronakrise allerdings auch in eigener Sache eine Zäsur dar. Seit 1957 trifft sich die Branche am Ende des Sommers zum „Rendezvous de Septembre“ in Monte Carlo. Was einst mit 500 Teilnehmern aus 27 Nationen begann, steigerte sich im vergangenen Jahr auf 2800 Teilnehmer aus 72 Ländern.

    Genau diese Mischung aus Gediegenheit und Selbstbeschäftigung, aus irrsinnigen Spesen und einem überschaubaren wirtschaftlichen Nutzen ruft seit Jahren die Kritiker der Veranstaltung auf den Plan. Zumal bei den vielen Halbstundentreffs in den wenigsten Fällen bereits echte Verträge geschlossen werden.

    Schließlich traf man sich bisher rund sechs Wochen später schon wieder in ähnlich gediegener Atmosphäre im herbstlichen Baden-Baden. Aber auch diese Veranstaltung fällt in diesem Jahr Corona-bedingt aus.

    Zu den gewaltigen Kosten in Monte Carlo trugen stets auch die repräsentativen Räumlichkeiten einen großen Anteil bei. Bei der Munich Re war das im vergangenen Jahr eine Art Erker des Fairmont Hotels mit bestem Blick auf Meer, Bucht und Berge. Die Swiss Re leistete sich gar einen Pavillon über dem Jachthafen, die französische Scor sicherte sich für ihren Pavillon den Platz am Casino mit Blick auf das Meer. Und der britische Makler Aon hat gegenüber dem Casino das weltbekannte Café de Paris quasi zu seinem Headquarter umfunktioniert. Die Reise- und Veranstaltungsetats der Branchenriesen werden in diesem Jahr jedenfalls gewaltig entlastet.

    Mehr: Warum Munich Re besser durch die Krise kommt als andere Wettbewerber

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