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Quartalszahlen des Rückversicherers Munich Re trotzt der Krise – Rekord bei Beitragseinnahmen erwartet

Der Münchener Rückversicherer verdient im zweiten Quartal deutlich mehr als die Konkurrenz. Die Tochter Ergo fällt dabei besonders positiv auf.
06.08.2020 Update: 06.08.2020 - 12:59 Uhr Kommentieren
Munich-Re-Aktie: Rückversicherer übertrifft Erwartungen Quelle: Reuters
Munich Re

Analysten hatten zuletzt im Schnitt lediglich mit einem Gewinn von 405 Millionen Euro gerechnet.

(Foto: Reuters)

München Die Munich Re kommt bisher besser durch die Coronakrise als viele Wettbewerber. In den Monaten von April bis Juni hat der Münchener Erst- und Rückversicherer einen Gewinn von 579 Millionen Euro erzielt. Das teilte der Konzern am Donnerstagmorgen mit.

Im Juli hatte der Konzern nach vorläufigen Berechnungen noch einen Gewinn von 600 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Analysten hatten zu diesem Zeitpunkt im Schnitt lediglich mit einem Gewinn von 405 Millionen Euro gerechnet. Im vergangenen Jahr stand an dieser Stelle noch die Zahl von 993 Millionen Euro.

Den größten Wettbewerbern erging es zuletzt deutlich schlechter. Der größte Konkurrent Swiss Re meldete am vergangenen Freitag einen außergewöhnlich hohen Verlust von 1,135 Milliarden Dollar für die ersten sechs Monate des Jahres.

Sowohl das Rückerversicherungsgeschäft in der Schaden- und Unfallversicherung als auch das Direktgeschäft mit Großkunden fuhr erhebliche Verluste ein. Ebenso beklagte die Hannover Re als Nummer drei der Branche am Mittwoch einen massiven Gewinneinbruch gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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    Bei der Munich Re kam man bisher besser durch die Krise. Allerdings musste auch der Münchener Rückversicherer Belastungen durch die Coronakrise verkraften. Im zweiten Quartal lagen sie bei 700 Millionen Euro, im ersten Halbjahr bei 1,5 Milliarden Euro.

    Absage der Olympischen Sommerspiele belastet Ergebnis

    Der Großteil mit 1,4 Milliarden Euro entfiel auf die Rückversicherung im Bereich Schaden und Unfall. Hier schmerzte vor allem die Absage und Verschiebung von Großereignissen. Bekannt ist beispielsweise seit längerem, dass die Münchener für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag für der Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio geradestehen müssen.

    Entsprechend deutlich gestiegen ist damit die Gesamtbelastung durch Großschäden über zehn Millionen Euro. Sie hat sich auf fast 800 Millionen etwa vervierfacht gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hier dürften in den nächsten Quartalen weitere Schäden folgen. „Von einer Entspannung ist nichts zu spüren“, sieht Finanzvorstand Christoph Jurecka weitere Belastungen auf sein Haus zukommen.

    Der Finanzvorstand arbeitet mit zwei Szenarien für die Zukunft. Quelle: Reuters
    Christoph Jurecka

    Der Finanzvorstand arbeitet mit zwei Szenarien für die Zukunft.

    (Foto: Reuters)

    Dabei arbeitet der Rückversicherer weiterhin mit zwei Szenarien. Zum einen würde eine um fünf Prozent steigende Sterblichkeit bei den Lebensversicherungsrisiken der Munich Re zu einer Belastung von 200 Millionen Euro führen. Nach aktuellem Stand ist das sehr unrealistisch. Zum anderen würde ein Langfrist-Szenario über 200 Jahr den Konzern bis zu 1,4 Milliarden Euro kosten. „Auch davon sind wir weit entfernt“, so Jurecka.

    Explosion in Beirut wird zum Schadensfall

    Zu einem Großschaden für die Munich Re dürfte nach ersten Einschätzungen jedoch die gewaltige Explosion in Libanons Hauptstadt Beirut am Dienstag werden. Hinzu kommt die jährliche Hurrikan-Saison in den USA, der Karibik und im Golf von Mexiko, die in den kommenden Wochen beginnen dürfte. In diesem Jahr befürchtet die Munich Re eine heftige Hurrikan- und Waldbrand-Saison.

    Dagegen hat die Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo ihren Gewinn trotz der Coronakrise im Vergleich zum Vorjahr steigern können. 173 Millionen Euro wurden im zweiten Quartal nach 135 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum erzielt. Für das erste Halbjahr waren es 245 Millionen Euro nach 220 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019. Dazu trug wesentlich die Entwicklung in der Auslandseinheit Ergo International bei, im Deutschland-Geschäft bewegte man sich fast auf Vorjahresniveau.

    Hier wurden im vergangenen Jahr einzelne Landesgesellschaften verkauft. Beispielsweise ging das defizitäre Türkei-Geschäft an den Wettbewerber Talanx. Von den verbliebenen Einheiten schafften nun die Landesgesellschaften in Griechenland, dem Baltikum, in Österreich und in Polen ein besonders gutes Ergebnis.

    Der Konzernchef rechnet mindestens bis Anfang 2021 mit Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie. Quelle: AFP
    Joachim Wenning

    Der Konzernchef rechnet mindestens bis Anfang 2021 mit Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie.

    (Foto: AFP)

    Eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gibt der Konzern weiterhin nicht ab. Ende März hatte das Management das Gewinnziel von 2,8 Milliarden Euro für das laufende Jahr zurückgenommen. Bis Anfang 2021 geht das Top-Management um Konzernchef Joachim Wenning nicht von einem Ende der Unsicherheiten rund um Covid-19 aus. „Der weltweite Kampf gegen das Coronavirus ist noch lange nicht gewonnen“, wertet MunichRe-Chef Joachim Wenning die aktuelle Lage.

    Höchste Beitragseinnahmen der Geschichte

    In einem Punkt geht der Konzern allerdings in die Offensive. Für das laufende Jahr erwartet die Munich Re die höchsten Beitragseinnahmen in ihrer 140-jährigen Geschichte. Rund 54 Milliarden Euro sollen auf die Konten fließen, im Vorjahr waren es 52 Milliarden Euro.

    Konzernchef Wenning hatte bereits bei der Hauptversammlung Ende April angekündigt, offensiv Chancen am Markt ausnutzen zu wollen, die sich in der aktuellen Krise zeigen. Bei der jüngsten Erneuerungsrunde im Juli zeigte sich, was er damit konkret gemeint hatte. Die Münchener traten dabei offensiv am Markt auf und steigerten das gezeichnete Neugeschäftsvolumen um 8,3 Prozent.

    Munich-Re-Aktie: Anleger zunächst vorsichtig

    Zugute kam auch der allgemeine Branchentrend steigender Preise. Speziell bei Deckungen für Naturkatastrophen in Nordamerika und der Karibik war das jüngst der Fall. Bei der Munich Re führte das zu Preiserhöhungen von 2,8 Prozent.

    Finanzvorstand Jurecka sieht darin einen generellen Trend. In den vergangenen Jahren hatte der Konkurrenzkampf am Rückversicherungsmarkt zugenommen. Vor allem Anbeter alternativen Kapitals hatten den Sektor entdeckt und lockten teils mit Kampfkonditionen. „Viele mussten zuletzt feststellen, dass das Geschäft auch schadenträchtig ist“, so Jurecka nun. Die neuen Wettbewerber würden deswegen nicht verschwinden, aber auch sie würden mit anderen Preisen am Markt agieren müssen.

    Die insgesamt positive Entwicklung soll sich auch für die Anteilseigner der Munich Re auszahlen: „Die Aktionäre können davon ausgehen, dass wir mindestens wieder die Dividende aus dem Vorjahr auszahlen werden, bei entsprechender wirtschaftlicher Lage auch mehr“, versprach Konzernchef Wenning. Für das vergangene Jahr hatte der Konzern 9,80 Euro je Aktie ausbezahlt.

    Anleger blieben aber zunächst vorsichtig. Die Aktie lag gegen Mittag an an der Frankfurter Börse rund vier Prozent im Minus. Seit dem Corona-Tief im März hat die Aktie allerdings mehr als 60 Prozent zugelegt.

    Mehr: Risiken für Munich Re durch den Klimawandel nehmen zu.

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